Pseudoschach.
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Del - positive Gewinn der Schachromantik ist für uns die historischeGewissheit, dass die poetischen Schacherwähnungen erst iin 12. Jahrhundertvereinzelt und zerstreut auftauchen, im 13. Jahrhundert aber, d. h. aufdem Höhepunkt des Mittelalters in vollster Blüthe stehen, im 14.Jahrhundert wieder seltener werden und im 15. Jahrhundert allmählichverschwinden. (Die Belegstellen werden in der urkundlichen Zusammen-stellung der Schachnamen, im II. Bande, verwerthet werden.) Im 16. Jahr-hundert kommt mit der neuen Zeit auch das neue Schach in Europa all-mählich zur Alleinherrschaft, die Schädel der Sieger werden nicht mehrmit dem Brett zerschmettert, die traditionellen, Jahrhunderte alten Problemenicht mehr gelöst, das Schachspiel ist wirklich eine Kunst geworden, diesich aus der allgemeinen in ihre eigene Litteratur zurückzieht.
III.
Pseudoschach.
Es war das Schicksal fast aller unbekannten Brettspiele der Aegypter,Inder, Chinesen, Perser, Araber, Juden, Griechen, Römer, Kelten, Skandi-navier, ja sogar der Rothhäute, mit dem Schach identificirt zu werden.In Bezug auf das ägyptische Alterthum sind wir am besten unterrichtet,denn hier weisen die vorkommenden Abbildungen selbst jeden Versuch derUnterschiebung des Schachspiels entschieden zurück. Bei Lepsius 3. Abth.Bl. 208 zeigt ein Denkmal aus dem elften Jahrhundert vor Chr. den Kö-nig Ramsenit mit seiner Tochter am Spielbrett sitzend: man sieht vier-zehn gleichförmige Steine, und hat also höchstens eine Art Dame- oderSteinspiel, gewiss aber kein Schach vor sich. Dr. Birch hat die ägyp-tischen Brettspiele 1868 näher besprochen 1 ). Aus Lepsius’ Auswahl,Tafel XXIII, Denkm. Abth.. II. Bl. 61 a , wird ein Papyrus citirt mit einerCarricatur, zwei Thiere (Löwe und Ziege) darstellend, die auf Stühlensitzend „Dame“ spielen. Prisse d’Avennes’ Monuments (vgl. dessen Hi-stoire de l’Art Egyptien, Atlas Lief. 18—19, London ) enthalten TafelXLIX, 4 und 5 die Abbildung eines ägyptischen Spielbretts aus der Sammlungim Louvre zu Paris . Das Brett hat 3 X 10 = 30 Felder und jeder Spielersechs Steine. Auf der Rückseite befindet sich ein Brett mit im Ganzen 20Feldern. Bei Burton, British Mus. Pap. 9900 kommt ein Brett mit 3X6
pp. 8—12, 109 (s. Twiss, Chess I, 105); v. d. Lasa, Das Schachspiel Ludwig desHeiligen, Schachz. 1864 pp. 97—98.
’) Transactions || of the || Royal Society of Literature || of || the United king-dom. || Second series. || Vol. IX. || London || John Murray, Albemarie Street. || Trübnerand Co., Paternoster Row. || M. DCCC. LXX. || 8vo. pp. 256—70: Rhampsinitus, andthe game of draughts. By S. Birch, Esq. Read February 29, 1868. Der Ver-fasser hat hier einen früheren Bericht über das ägyptische „Damespiel “ (Revue Ar-chdologique, Vol. XIV, Paris 1865, PI. 65, und Zusätze in der Zeitschrift für Aegyp-tische Sprache und Alterthumskund'e, Berlin 1866 p. 99, revidirt mitaufgenommen.