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Schach myth ologie.
Der Dominicaner Jacobus Cessoles schreibt zwischen 1250—75:„Zur Zeit des Königs Eviluierodach von Babylon, eines ausschweifen-den, ungerechten und grausamen Menschen, der die Leiche seines Vaters,Nebucadnezar, in 300 Stücke theilte und 300 Geiern zum verschlingenvorwarf, ward das Schachspiel erfunden. Der Erfinder dieses neuen Spieleswar ein orientalischer Filosof, Xerxes 16 ) bei den Chaldäern genannt, Philo-meter bei den Griechen, was so viel bedeutet, wie Freund des Massesoder der Gerechtigkeit. Der Anlass zur Erfindung dieser Unterhaltungwar ein dreifacher. Zuerst die Besserung des Königs, dann das Streben,dem Nichtsthun vorzubeugen, und drittens, das vielfache Erdenken hinreichen-der Berechnungen. Eine schöne Stelle aus dieser theologischen Erfindungs-fabel lautet nach v. d. Lasa's Uebersetzung: „Der Erfinder dieser Unter-haltung hatte sich ganz auf das Gebiet des Geistes versetzt und ersannauf diese Art ein an abwechselnden und zahllosen Verwicklungen reichesSpiel, welches durch die Fülle seiner Combinationen und die mannichfach-sten Fälle der Aehnlichkeit, sowie durch den Scharfsinn der darin auszu-fechtenden Kämpfe berühmt wurde.“ Die mythische Tyrannengestalt desMittelalters (vgl. 2 Kön. XXIV, 27; Jer. LII, 31, Massmann p. 20) wirdvon den späteren Autoren auch Ammolin, Amilin, Amilon, oder ver-eint Amilin Evilmerodach genannt, Selenus combinirt 1616 auch Xer-xes Pliilomater (sic). Da die Wegführung der Juden um das Jahr 597 vorChr. fällt, bekam man einen schönen Anhalt für die Zeitbestimmung derErfindung, und so belehrte das zahlreich verbreitete Werk „von den Er-
Lydus und Tyrrhenus (Damiano 1512: „Uebrigens ist man nicht darüber einig,wer das Schach erfand. Die Einen sagen, dass es der König |!| Xerxes war unddass man das Spiel deshalb in Spanien Axedres, mit einem von dem NamenXerxes abgeleiteten Worte, benennt. Indessen ist schon der Ausdruck entstelltdurch Eiuschiebung des Buchstabens d. Andere behaupten, dass zwei BrüderLydus und Tyrrhenus dasselbe erdachten. Diese wurden von einer grossenHungersnoth bedrängt und ersannen das Schachspiel, um die Zeit hinzubringenund den grossen Hunger und die Trübsal weniger zu fühlen. Mit Hülfe diesesSpieles, durchlebten sie dann auch die Unglückszeit, indem sie spielten und nurzweimal in je drei Tagen Nahrung zu sich nahmen).“ Herodot selbst hatte aber das„Brettspiel“ von dem Irdischen Erfindungscyclus ausdrücklich ausgeschlossen! Ersagt: „die Lyder erfauden die kubischen und länglichen Würfel, sowie denBallund die anderen Zeitvertreibe, ausser dem Brettspiel. AvA'ol zovg Kvßovgbvqov neu zovg äozQceyalovg Kai ztjv oipaigav Kal z'aKXa ztaiyvia, ziXrjv zzs aozov.“Der Egypter Tliot oder Hermes Trismegistos (von Jehuda di Modena, der inEuropa zuerst die arabische Legende über Sissa ben Daliir erwähnt; im 17 Jht.als Moses gedeutet), der weise Solon u. s. w. Auch die Zopfetymologie musstezur allgemeinen Verwirrung beitragen. Joh. Fabricius z. B. heckte den persischenErfinder Schatranga aus, und im Kehricht der Litteratur findet mau u. A. Fol-gendes: „L’etimologie des Ecliecs vient, dit-on, de Uscoques, fameux brigand deTurqnie; d’autres le derivent de Scach, qui est un mot Allemand • • • Si l’onen croit (!) le roman de la Rose, l'invention eu doit etre attribuee a Atta 1 usu. s. w. Vida’s italische Nymfe Schacheis 1525 ist eine freie poetischeSchöpfung, welche nicht mehr in die Mythologie hineingehört.
16 ) „Andere sind zwar der Meinung“, sagt Cessoles ganz kritisch, „das Spielsei zur Zeit des trojanischen Krieges erfunden, dies ist aber nicht richtig, dennvon den Chaldäern kam es zu den Griechen, wie Dyomedes sagt (!), der unterden Filosofen bei den Griechen den höchsten Ruf erlangte und dessen Ruhmnachher zur Zeit Alexanders des Grossen sowol Aegypten als auch den Orienterfüllte.“