Schaclimythologie.
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schach war schon populär in Indien zur Zeit des Yudhishthira, etwasüber 3000 Jahre vor unserer Aera, und da es dessen Aufmerksamkeit aufsich zog, ersuchte er den Nestor damaliger Zeit, den weisen Vyäsa, ihmdie Spielregeln zu zeigen. In Ward’s „Yiew of the history of the Hindüs“IV, 433, wo der Verfasser das Mahäbhärata analysirt, lesen wir folgendeNotiz über Yudh.: „This game (of dice)is sanctioned by the Shästra. Yu-dhishthira first lost bis estates, then, in succession, all the riches in bistreasury, his four brothers, and his wife, Draupadi. The conqueror’s father,Dhritaräshtra, was so pleased with Draupadi that he told her to ask whatshe would and he would graut it. She first asked for her husband’s king-dom; this was granted. She was permitted to ask other blessings, tiliall that her husband had lost was restored. Yudh. again encounters Sha-kuni at Chess (!), and again loses all“. Daran schliesst nun Forbes (ama. 0. p. 15) diese haarsträubende Bemerkung: „Thus it would appear thatYudhishthira fared no better at Chess or Chaturanga (spielte er Vier-schach mit Shakuni?) than he had done with the plain dice. It is tobe inferred that he ventured on the game too soon after Vyäsa’s lecture,before he had sufficient time to gain experience“!! Dann noch einmal(p. 33): Das Vierschach beansprucht ein Alter von nahezu 5000 Jahren 20 ).
So sind wir denn munter wieder in Indien angelangt und zwar nicht sein-weit mehr vom Anno Mundi eins entfernt. Darum wollen wir so nah amParadiese auch nicht stehen bleiben, sondern uns unserm Stammvater Adamals Sehachbrüder vorstellen lassen. Nach dem arabischen Nuzhet hat nichtblos Aristoteles Schach gespielt, was Niemand wundem wird, denn nachIhn Abu Hadschala (f 1375) haben Hippokrates und Galenus mittelstdes Schachspiels Genesungen zu Stande gebracht, — sondern auch Yafetihn Nuh , Sam ihn Nuh (Jafet und Sem), sogar Adam, als er in Trauerwar über Abel. — Ueber das „Diesseits ins Jenseit“ hinaus weiss ichkeinen Zug und muss somit wol bei der „Schöpfung “ stehen bleiben.
Wol kein Spiel wird schon durch eine so reiche Mythenbildung seinenhohen Bang beurkunden, wie das Schach. Das ist für uns der bleibendegeistige Werth aller dieser Erdichtungen. Die schöne gegenseitige Durch-dringung von Verstand und Fantasie in unserem herrlichen Spiel, die Mil-derung der Sitten als seine unentbehrliche Voraussetzung, seine heilendeKraft gegen die grässlichsten Foltern der leeren Existenz, gegen die Lange-weile, sie spiegeln sich mit hellem Lichte in der naiven Fabel.
Allein schön ist die Fabel nur so lange man sie Fabel bleiben lässt.Sobald der Bationalismus den Mythos zum Filister macht, nicht Mythosd. h. äussere Umhüllung innerer Gedanken bleiben lässt, sondern seine arm-seligen Geschichtchen daraus flickt, — wenn die Gäste auf der Hoch-zeit zu Kana blos wegen ihres Katzenjammers frisches Wasser für feinenWein hielten, wenn die hungernde Schaar von 5000 in der Wüste vonden vorhandenen sieben Broten und Fischen schliesslich noch übrig behält,
1 *°) Ein hübsches Seitenstück zu dieser verrückten Logik bilden seine Berech-nungen, in welchen Jahren die mythologisch-fantastischen, lediglich in der buddhis-tischen Dogmatik existirenden Hirngespinnste Krakntschanda, Kanakamuni, Kä-9 yapa sich zum Buddha emporgeschwungen haben, nämlich 3101, 2099, 1014 vorOhr.! s. C. F. Koeppen, Die Religion des Buddha, Berlin 1857, I p. 310.