Das Problemschacli des Mittelalters.
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kopisch, sondern sachlich verstanden haben will. Denn es ist selbstver-ständlich unmöglich, obzwar ich auch in meinen Handschriften die kleinstenAbweichungen notirt habe, über jedes einzelne Problem eine schachhistorischeKritik zu schreiben. Im Laufe der Ueberlieferung der orientalischen undoccidentalischen Schachprobleme entstanden natürlich, wie in jeder Tradition,allmählig grössere und kleinere Abweichungen, Copirfehler, willkürliche Ab-änderungen. Häufig sind die Stellungen absolut identisch, aber man hatdie Farben der Figuren gewechselt, oder die Aufgabe von dereinen Seite des Brettes nach der andern versetzt. Ein anderesMal hat man das ursprüngliche Problem vereinfacht, die arabische Ueber-ladung des Gedankens beseitigt. Dann wieder hat man das, was ursprünglichblos eine Anweisung für den Leser war, — denn die alten Problembücherwaren die damaligen Lehrbücher und Leitfaden des Schachspiels, — zu einerBedingung der Aufgabe umgeschaffen. Alle solche Neuerungen bilden aberkeine andere Probleme, sondern wiederholen in anderer Form denselbenGedanken. Es ist z. B. für die Idee vollkommen gleichgültig, ob im Problemder Diläräin (22) der eine schwarze Roch von g8 nach g3 versetzt, und dieLösung dadurch um einen Zug verlängert wird, oder ob der weisse Roch h4nicht vor, sondern hinter dem Alfil, und der schwarze König auf h8 steht,um nun das Spiel mit aufgedecktem Schach l.Afö anzufangen und mit nach-folgendem Rochopfer fortzusetzen.
Die Probleme 32 und 34 endlich zeigen uns Beispiele der im altenSchach angewandten Mittel, um den Combinationsreichthum über das eigeneVer-mögen des Schatrandsch hinaus zu erhöhen. Man erschwerte die Mattführungdurch Bedingungen, entweder wie in 32, durch Bestimmung eines Matt-feldes oder einer mattsetzenden Figur, oder auch durch die Eigenschaft derUnverletzlichkeit, welche man einem Steine in der Aufgabe beilegte. Be-sonders diese letzte Bedingung steht mit dem Geiste des Schachspiels inWiderspruch, scheint auch bei den Arabern nur erst höchst selten vorzu-kommen. Im späteren europäischen Schach aber kehrte die unnatürliche Be-stimmung viel .zu häufig wieder. Im Allgemeinen sind schon die alten Problemeso gut wie die modernen gemacht, und nicht aus dem lebendigen Spiele her-vorgegangen. Es sind freie Compositionen, bei denen man die vorhandenenTheile (Figuren) unumschränkt aufstellte, ohne zu fragen, ob die Occupationeines Feldes von der betreffenden Figur theoretisch auch möglich sei. Man stelltez. B. Alfil und Vesiere hin, wo und wie man sie brauchte, ohne Rück-sicht auf die Möglichkeit dieser Stellung im wirklichen Spiel. Und da dieAraber noch keinen Farbenwechsel in den Diagrammen kannten, war dieSache für den Augenschein auch weniger auffallend.
Es könnte aber das kritische Bedenken entstehen, dass ich es mir mitder chronologischen Zusammenstellung des orientalischen Materials zu leichtgemacht habe: denn das arabische Manuscript wurde allerdings schon imJahre 1257 copirt und sein Stoff gehört ungezweifelt schon in’s zwölfte Jahrhun-dert, aber das persische Manuscript der k. Asiatischen Gesellschaft zu London ge-hört schon iu’s fünfzehnte, die Redaction der persischen Handschrift im britischenMuseum sogar schon in’s siebzehnte Jahrhundert. Schriften wie der arabische Co-dex könnten daher für die persischen Bearbeitungen die Quellen sein. Die Sachelässt sich aber glücklicherweise untrüglich feststellen. Die persischen Texte enthal-ten gewiss auch Neueres, sowie in dem einen die geschraubten Berichte über denSchachmeister ’Ali am Hofe Timur’s. Aber gleichzeitig haben sie einen bedeutendälteren arabischen Stoff unverändert aufgenommen oder umgearbeitet, denn derspanische Codexim Escorial, der zu der zweiten Hälfte desXIII. Jahrhunderts gehört,