Lombardisches Schach.
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Strichen noch das reinarabische Schach skizzirte. Seine Spielregeln lautenin v. d. Lasa’s Uebersetzung: „Auf Grund der ursprünglichen Einrichtungdes Spieles sollen die Eussgänger auf der zweiten Reihe aufgestellt werden,wohingegen die höheren Stücke ihre Plätze auf der ersten Linie erhalten. —Der Fussgänger geht geraden Weges vorwärts, ausser wenn er eine Belei-digung am Feinde rächen will, in welchem Falle er nimmt und dann schrägzieht. Hat er aber seinen Lauf vollendet und die letzte Reihe erreicht, soerlangt er die Würde einer Königinn (regina, den Ausdruck fers, ferzia, ge-braucht Neekam nicht) und scheint dabei das Vorrecht seines früheren Ge-schlechtes eiuzubiissen. Er wird, indem er sein äusserstes Ziel (Gades ) er-reicht, wie Tiresias umgewandelt und bekommt einen neuen Gang, gleicheiner zweiten Iphis. Nach seiner Erhebung schreitet der Fussgänger übereck,der geradeaus strebte, so lange er eine Privatperson war. (Neekam erachtetmit dieser Regel auch die Königinn erledigt.) Der Alfil (senex, Greis), er-scheint wie ein Nestor, als Kundschafter und wird gewöhnlich Alphicus ge-nannt. Derselbe geht schräg doppelt so weit wie die Königinn und gleichteinem Auflauerer. — Der miles stellt einen derjenigen Ritter vor, die mitins Feld ziehen, und verbindet in einem Zuge zugleich den Gang derKönigin und den des Fussgängers, indem er seinen Weg halb zur Seiteund halb geradeaus uimmt. Der Roch stellt den behendesten Truppen-theil im Kriegswesen dar und wurde im Alterthum der doppelköpfigeJanus genannt, weshalb er auch mit zwei Köpfen versehen ist. Derselbelässt sich nie herbei schräg zu gehen, sondern bleibt immer auf dem geradenWege.“
3. Lombardisches Schach.
Der um ein Jahrhundert später als Neekam schreibende Cessoles aber,der Zeitgenosse des Verfassers der Escorial-PIandschrift, kennt, nicht blosschon den in’s di’itte Feld springenden neuen Fers (bei ihm Königinn), son-dern auch den einmal während der Partie (am Anfang) in das dritte Feldspringenden Fussgänger, und den einmal im Spiele springenden König.
Der aus dem wahren Geiste des Schach herausgeborene Trieb, die Zug-kraft der Figuren zu erweitern und dadurch die Partieentwickelung zn be-schleunigen, fand gewiss durch die wiederholte Ausübung der Tabiyat be-sonders seine Richtung zum Doppelschritt der anziehenden Fussgänger hin.Das spanische non passar battaglia, die freie Wahl des Gegners, den inseinem Doppelschritt schachpassireuden Fussgänger zu schlagen oder nicht,setzte aber noch immer die arabische Tradition (e2 — e4 —e2—e3-+-e3— e4) fort. Cessoles lehrt im IV. Buch Cap. VII:
„Der Gang aller Fussgänger ist der natürliche, denn von dem erstenFelde aus, auf welchem sie stehen, können sie in’s dritte Feld Vorgehen...Ueberschreiten sie aber die Grenze des Reichs [die Mitte des Brettes], sosind sie mit einem Felde zufrieden, gehen immer gerade aufwärts und kehrenniemals zurück.“ So ist ihr Gang unverändert geblieben. Mit Ausnahmedes unbeschränkten und mächtigen Roch, der der ganzen Liuie entang ging,zogen im europäischen Schach der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundertssämmtliche Figuren in ein drittes Feld, der Fussgänger und der Fers nureinmal, das Pferd und der Alfil während des ganzen Spiels. Es war in derNatur der Sache begründet, dass man nun auch dem König das Attributder anziehenden Bauern, der neuen Feldherren, der Alten und der Rosse,d. h. einen Sprung in das dritte Feld beilegte. Diese dritte, ebenfalls
v. d. Linde, Schach. 13