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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
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Es kann nicht in der Aufgabe dieser zürchcrischen Chronik liegen, Alles aufzuzählen, was nunin den einzelnen Kantonen in Folge der ernsten Lage der Schweiz von denselben geleistet wurde.Wir beschränken uns deßhalb aus das, was in dieser Beziehung im Kanton Zürich geschah.

Obgleich kein Kanton die Störungen des Krieges, wegen seiner weit verbreiteten Industrie,so schwer zu empfinden haben mußte, wie der Kanton Zürich , so war nur Eine Stimme im Volke,mit Gut und Blut für die Ehre der Schweiz einzustehen. Eben so einstimmig hatte der Große Rathseinen so viel als unbeschränkten Kriegskredrt bewilligt, nachdem die Regierung schon vorher dafürgesorgt hatte, daß sie gefüllte Kassen habe. Die Rekruten wurden sofort in den Dienst berufen,statt erst im nächsten Sommer, 150 Studenten der Hochschule und des Polytechnikums traten zu-sammen , um Theil an einer akademischen Legion zu nehmen, stellten sich der Militärdirektion zurVerfügung und verlangten Instruktion. Das Komite des zürchcrischen Kantonalschützenvcreins erließeinen Aufruf an alle nicht dienstpflichtigen Schützen im Kanton, um sich zu waffnen, zu organisirenund den Militärbehörden zur Verfügung zu stellen (s. Beil. Nr. 8).

Dienstag den 23. Dezember Nachmittags rückte vollständig das Bataillon Nr. 11 (Koller) einund wurde von Herrn Regierungsrath Zehnter nach sehr ergreifender Ansprache beeidigt. Der Eidwurde ruhig, ernst und entschieden geleistet. Am Mittwoch Morgen erfolgte der Abmarsch nach Hel-lingen, Donnerstag nach Schaffhausen . — Gleichen Geist zeigte die Scharfschützenkompagnie Nr. 21.— Am Mittwoch den 24. rückten heiter und vollzählig die Bataillone Nr. 29 (Bcunner von Wald)und Nr. 24 (Dürsteler) ein, die Batterie Nr. 10, die Scharfschützenkompagnie Nr. 22 und dieKavalleriekompagnie Nr. 3 ein, wurden ebenfalls beeidigt und gingen Donnerstag den 25. Dezembernach Andelfingen und Umgegend ab. Dagegen rückte das Bataillon auf der Maur von Schwyz inZürich ein und wurde hier einquartiert. Die Schützenkompagnie Nr. 21 wurde nach Stein a. Rh.verlegt und die Opfünder Batterie Nr. 10 und die Parkkompagnie Nr. 35 nach Frauen seid, dieDragonerkompagnie Nr. 3 und die Scharfschützenknmpagnie Nr. 22 nach Winterthur , das BataillonNr. 29 nach Andelfingen und das Bataillon Nr. 34 nach Weinfelden . — Preußische Spione wur-den auch im Kanton Zürich (an der Lägern) abgefaßt, ein anderer, der im Hotel Baur logirte,ist durchgebrannt.

Bereits drückte die Okkupation schwer auf die Royalisten, und selbst antiroyalistische Blättergestehen zu, daß die Einquartierung arg mit denselben verfahre. Zwar sollten die eidgenössischenOkkupationstruppen bis auf ein Bataillon gegen Ende November zurückgezogen und dieses cin-kasernirt werden, allein dem Drängen des neuenburgischen Staatsraths zulieb, welcher die Bei-behaltung der ganzen Brigade verlangte, nachgebend, wurde noch ein Bataillon Waadtländer nachNeuenburg gesandt.

Der Bundesrath wies nun dem eidgenössischen Kriegskommiffariat einen Kredit von 230000 Fr.an, um Vorräthe von Hafer und Heu anzuschaffen. — Am 22. Dezember war eine Anzahl General-stabsoffiziere nach Bern berufen worden, um sich über Eventualitäten zu besprechen und hieraufbeschloß der Bundesrath, die Armeeeintheilung zu veröffentlichen. Die schon Samstag den 20. De-zember aufgebotenen zwei Divisionen, m Bourgeois und V Ziegler, sollten die Grenze vonBasel bis Konstanz besetzen. Als Hauptquartier der in. Division wurde Liestal , der V. DivisionFrauenseld festgesetzt. Bourgeois sollte mit 10000 Mann Basel und Ziegler mit 10000 Mann Schaff-hausen schützen, gleichzeitig wurden der ganze Auszug und alle Reserven aufs Piket gestellt.