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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
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werden, auch wurde freigestellt, nach der Predigt noch eine Rede vom bürgerlichen Standpunktaus zu halten. Dabei wurde vorgeschlagen, die sämmtlichen Knaben mit einer eidg. Armbinde, dieMädchen mit weiß und rothen Bändern zu schmücken, damit diese Abzeichen auch bei derJugend ein freudiges vaterländisches Gefühl erwecken. Auch wird in dem Schreiben empfohlen,nicht geboten, bei dieser Feier einen Akt der Bundesweihe vorzunehmen, wozu einige Anleitungengegeben wurden *).

Wenn die Witterung es erlaubt, so wird angerathen, die Jugend einzelner Nachbarsgemeinden,oder, wo es angeht, noch größerer Kreise, auf einem geräumigen Festplatze zusammen zu ziehen, daes der Jugend das Gefühl brüderlicher Gemeinschaft einflöße, den oft so engen Gesichtskreis erwei-tere und des Festes Sinn desto besser erfassen lehre. Darauf möchte ein vaterländisches Schau-spiel oder Szenen aus der vaterländischen Geschichte, oder Gesänge u. dgl. aufgeführt werden.Aber auch dem bescheidenen Festessen soll eine angemessene Zeit eingeräumt werden, wobei genaueUeberwachunz sowohl in Bezug auf das Materielle selbst, als auf den mäßigen Genuß empfohlenwird. Im paffenden Zeitpunkt soll dann die Festschrift an sämmtliche Schüler und Schülerinnenvertheilt werden. Den Schluß bilden die Punkt 8 Uhr in jedem Schulkreis durch den ganzen Kan-ton anzuzündenden Freudenkeuer. Bei regnerischer Witterung kann die Feier auf den nächstenschönen Sonntag verschoben, oder in die Kirchen, Schulzimmer oder in Gasthäuser verlegt werden.

Zu Bestreitung der Kosten wurden freiwillige Gaben an Geld oder an Viktualien angerathen,und wo diese nicht ausreichen, sind die Gcmeinds- und Kirchengüter und nur in letzter Linie dieSchälgüter angewiesen. Für ärmere Gemeinden wurden zur Festunterstützung vom Regierungs-rathe 5000 Fr. bewilligt.

Ein besonderes, einläßliches Programm wurde für die Kantonsschule, und ein anderes für dieStadtschulen von Zürich erlassen **).

Mittlerweile setzten die einzelnen Sektionen ihre Thätigkeit fort. Der Bau der Festhütte aufdem Platze beim botanischen Garten wurde schon in den ersten Wochen des März begonnen undin gothischem Style nach großartigen Dimensionen, 820' lang, 94' breit und im Lichten 25 ' hochausgeführt. Dieselbe soll an 3000 Personen aufnehmen können. Die Hauptfaxade gegen die Thalgassewurde mit den Wappenschildern der 22 Kantone und mit zwei großen 14' langen und 7' hohen Ge-mälden geschmückt, von denen das eine den Bundesschwur Zürichs zu den 4 Orten am 1. Mai 1351, dasandere die Heimkehr aus der Schlacht bei Tättweil vorstellt. Dieselben wurden von den KünstlernLudwig Vogel , Konrad Zeller , I. Nahn und I. Oeri ausgeführt. Die Festtribüne im altenSchützenplatz soll für wenigstens 4000 Personen Raum bieten und wird mit möglichster Soliditäterbaut; für den Zugang zu derselben wird durch Sappeurs eine eigene Brücke über den Schanzen-graben hergestellt.

Die Vorbereitungen zum historischen Festzuge wurden mit großem Eifer betrieben. Es solltendie wichtigsten Momente aus der Geschichte Zürichs aus den Jahren 1351 bis 1798 in 18 leben-

*) Leider wurden, nachdem in der Festkommission lebhaft gegen die vorgeschlagene, mit Recht verpönte Aufstellungvon Freihcitsbäumen gekämpft worden war, diese durch Stichentscheid in das Schreiben empfehlend aufgenommen.

**) Der Raum gestattet nicht, alle diese Programme ausführlich mitzutheilen, obgleich daraus am besten ersichtlichwär«, wie lebhaft die Behörden und namentlich auch die städtischen sich bestrebten, um das Fest für die gesummte unterihrer Fürsorge stehende Jugend ansprechend und seiner Bedeutung angemessen einzurichten.