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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
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Diese prächtige Cavalcade bildete wegen zierlicher Ausführung eine der schönsten Partien des Fest-zuges. Leider fiel, als der Zug kaum begonnen hatte, ein nach und nach immer stärker werdenderRegen, der nach einigen Pausen nur noch heftiger wurde, so daß der Umzug abgekürzt und dasauf den Abend angesetzte Feuerwerk und die Beleuchtung der beiden Seeufer ausgesetzt werden mußte.Dagegen waren Abends das Rathhaus, die Hauptwache und einige Privathäuser mit vielem Ge-schmack illuminirt. Am Rathhause allein brannten über 10000 zum Theil in farbigen Gläsernstehende Lämpchen, und bis spät in die Nacht wogten Tausende, von dem Glanz der Illuminationangezogen, durch die Straßen der Stadt.

Um auch ihrerseits die Theilnahme an dem vaterländischen Fest durch einen besondern undbleibenden Akt kund zu geben, hatten die städtischen Behörden beschlossen, eine eigens dazu verfer-tigte Denkmünze in einer bemessenen Anzahl sowohl in Gold als in Silber prägen zu lassen, undes fand dann Freitags den 2. Mai die Uedergabe der goldenen Festmedaille durch eine Delegationdes Stadtrathes an die anwesenden Repräsentanten der Standesregierung von Luzern und an dieRegierung des Kantons Zürich statt. Den Regierungen der nicht repräsentiern Stände Uri, Schwyz undUnterwalden wurde dieselbe mit Begleitschreiben*) übersandt; auch ward dem Bundesrath für daseidgenössische Archiv ein Exemplar derselben in Gold Übermacht und ein anderes auf der Bürgerbibliothekder Stadt Zürich niedergelegt. Diese Medaille zeigt auf dem Avers in der Mitte den Zürickschild um-geben von den durch einen Kranz von Eichenlaub verbundenen Wappenschildern der vier Stände Uri,Schwyz , Unterwalden und Luzern ; auf dem Revers die von einem Lorbeerkranz umschlungeneJnschrift:

Der

Stadt Zürich ewiger Bundmit den Eidgenossen

1. btai LI666I.I.

*****

Jubelfeier

LI0666I.I.

Einen erfreulichen Beweis vaterländischer Gesinnung bot auch die in diesen Tagen erfolgteUebersendung des von Seite der Schweizer in München mit Begleitschreiben des Pros. Dr. Bluntschlider Stadt Zürich zur Erinnerung an die 500jährige Jubelfeier geweihten prachtvollen Pokals.Dieses Kunstwerk von bräunlich gelbem Porzellan zeigt auf der einen Seite den Bundcsschwur imGrütli, aus der andern Seite die Aufnahme Zürichs in den Bund der IV Orte. Rings um den-selben sind die Wappenschilde der fünf Bundeskantone angebracht. Den Deckelaufsatz bildet ein Löwe,

Beschlagnahme auf Zehnten und andere Gefalle der Genfer in der Landschaft Gc; ausgewirkt. Die beharrliche Erneuerungderselben im Jahr 1687 bewog daher Zürich und Bern . den Bürgermeister Heinrich Escher und den Venner NiklauSDaxelhofer im September nach Paris zu senden. Die Verweigerung de» früher (1631) zugestandenen Ceremonie!» waraber Ursache, daß sie nicht vor dem Könige erscheinen konnten. Sie unterhandelten deshalb in Privataudienz mit demMinister Colbert. Bei ihrer Abreise sandte ihnen Ludwig goldene Ketten mit seinem Bildnisse und bedeutende Geldsummen,welche jedoch die Gesandten mit der Antwort zurückwiesen: »Weil sie den König selbst nicht hätten sehen können, so wäree» unschicklich, seine Medaille zu empfangen, und zwischen ihrer Aufnahme und dem kostbaren Geschenke sei «in zu großerUnterschied." Für diese Uneigennützigkeit wurden sie bei ihrer Heimkehr mit lautem Beifall und durch glänzenden Empfangbeehrt. Der König hob dann 1688 das Verfahren des Parlaments zu Dijon auf.

*) S. N. Z. Ztg. Nro. 128 vom 8. Mai 1851.

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