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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
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derselbe während seiner Amtsperiode mehrere Archive übernommen, wie dasjenige des 1832 auf-gelösten Chorhcrrnstifies, des ehemaligen kaufmännischen Direktoriums, des Ehegerichts, das Finanz-archiv u. a. m.; sondern er hat auch die seit seinem Amtsantritt sich mit jedem Jahre in steigenderProgression vermehrenden, alljährlich eingehenden Aktenstücke eingereicht und geordnet und zahlreicheRepertorien über dieselben angefertigt, wobei nicht zu übersehen ist, daß alle Akten, welche nach denSitzungstagen der Behörden abgeliefert werden, zuerst mit den Protokollen verglichen, dann nachden einzelnen Materien geordnet, rubrizirt und in die verschiedenen Repertorien (in das Materien-Personal- und Lokal-Repertorium) eingetragen werden muffen. — Durch die zweckmäßige Einrichtungdes Archivs nach einem von demselbem Archivar entworfenen Plan hat dasselbe eine gewisse Cele-brität erlangt. Außer diesen zahlreichen und oft sehr mühsamen Geschäften hat sich Jkr. Meiernoch durch eine große Zahl interessanter und sowohl für das Archiv insbesondere, als für dieWissenschaft im Allgemeinen sehr wichtiger Arbeiten verdient gemacht. Dahin gehören u. a. dieRegcsten des Klosters Kappel, die Darstellung sämmtlicher Hexenprozesse, die umfangreiche Samm-lung aller auf zürcherische Gemeinden bezüglichen bis auf das Jahr 1798 hinabreichendcn Akten(die auf über 50,000 Nummern ansteigen mögen); die Regesten über die Staatsurkunden. Dazukommen noch die Beantwortungen der zahlreichen mündlichen und schriftlichen Auskunftsbegehren,nicht nur für administrative Zwecke, sondern auch von in- und ausländischen Geschichtsforschernund Gelehrten. Der Erwähnung werth dürfte die eigenthümliche Benutzung des Archivs durch denenglischen Vikar Gorham sein, in seinem theologischen Streite mit der bischöflichen Kirche über dieWirkungen des hl. Geistes in der Taufe, in welchem Kampfe, der europäische Berühmtheit erlangthatte, auch die Gegner Gorhams das Archiv, namentlich den Briefwechsel der Reformatorenbenutzten.

Da die das Staatsarchiv betreffenden Arbeiten von dem Jahreswechsel ganz unabhängig sind,und eine übersichtliche Darstellung der Resultate erst nach Abschluß eines größer» Zeitraumes ge-geben werden kann, so wird in der Folge nur je im zweiten oder dritten Jahre Bericht erstattet.

1850/51.

Während dieses Zeitraums wurden 3 Jahrgänge der neuesten Akten eingereiht (die mit In-begriff der Beilagen gegen 25000 Nummern betragen mochten). Außerdem wurden die Archive derHandelskammer resp. des kaufmännischen Direktoriums und das Matrimonialarchiv ins Staatsarchiveinverleibt. Jenes beginnt mit der Mitte des 17. Jahrhunderts, dieses mit 1525. Auch gelangtenseit Einführung des Direktorialsystems die Protokolle der meisten Regierungskollegen an das Staats-archiv. — Von geschichtlichen und wissenschaftlichen Arbeiten wurden von dem Archivar ein Ver-zeichniß sämmtlicher in den Urkunden vorkommender Siegler (mit Angabe des Zustandes der Siegel),ein Verzeichniß der Zeugen aus mehr als 1000 Urkunden u. s. w. angefertigt. Durch den Druckwurden veröffentlicht sämmtliche auf das Land Uri bezüglichen Urkunden von 853 bis 1525, fernerdurch den literarischen Verein in Stuttgart , das bedeutende im zürcherischen Staatsarchiv liegendeBruchstück des Habsburgisch -österreichischen Urbars. Neben allen diesen die Thätigkeit des Archivarsin hohem Maße in Anspruch nehmenden Arbeiten gelangten an denselben nicht weniger als 461Anfragen um Auskunft, wobei diejenigen für wissenschaftliche oder artistische Zwecke nicht inbe-griffen find.