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Einteilung: Entwickelungsgang der Menschheit.
sprechen, wie die hochkultivierten Chinesen, so läßt sich diese Ansicht doch nicht aufrechterhalten. Die chinesische Sprache, und mit ihr die einiger hinterindischer Völker, istein einsilbiges, aus unveränderlichen Wurzeln zusammengesetztes Idiom; in ihrem Wort-schätze — nicht in ihrem Bau — schließt sie sich am nächsten an die der mongolischenVölker an. Es sind nicht mehr als 450 einsilbige Wörter vorhanden; um diese ganzungenügende Zahl zu vermehren, hat man durch die Tonhöhe, die von andern Völkern zurBelebung des ganzes Satzes verwendet wird, diese Wörter weiterhin differenziert, so daßim ganzen 1203 Wurzelwörter entstanden sind; ein Wort hat einen andern Sinn, je nach-dem es im hohen oder tiefen, im aufsteigenden oder rasch abbrechenden Tone gesprochenwird. Ferner vermehrt man die Wortzahl durch Zusammensetzung und bildet z. B. austu (Vater) und mu (Mutter) tu-mu (Eltern). Die Grammatik steht in den kümmerlichstenAnfängen; durch angehängte Silben, die aber selbst vollkommene Wörter sind, unter-scheidet man Substantiva und Verba . Das Wort für „Vielheit, Allheit" an andre an-gefügt bezeichnet die Mehrzahl, tss (Kind) ist besonders beliebt, um Substantiva als solchekenntlich zu machen, die Modi des Verbums werden durch hinzugesetztes „einst, sogleich,wollen" u. s. w. ausgedrückt. Was somit durch Flexionsformen nicht zu verdeutlichen ist,muß durch die Stellung im Satze ausgesprochen werden, die denn auch aufs strengstefestgehalten wird. Das Subjekt, vor dem noch eine nähere Bestimmung stehen kann,dann das Verbum und schließlich das Objekt oder sonstige Prädikate folgen regelmäßigaufeinander. Das Chinesische erfordert demnach, gerade seiner Kunstlosigkeit wegen, einfeines Gehör und eine bedeutende geistige Anstrengung des Sprechenden wie des Hörers.Es ist leicht zu ermessen, wie eine solche Sprache auf Charakter und Bildung des Volkeszurückwirken mußte. Auf dem Wege, den das Chinesische nur zögernd und in wenigenFällen betreten hat, sind andre Sprachen weiter fortgeschritten, indem sie durch Anhängengewisser Wörter, die nach und nach zu bloßen Flexionssilben verkümmert sind, grammatischeFormen gebildet haben. Je nach dem Grade ihrer Entwickelung hat man die Sprachenin Gruppen geteilt; aber es ist nicht zu verkennen, daß alle diese Einteilungen etwasKünstliches haben und daß man mehr und mehr aufhört, großes Gewicht auf sie zu legen.Als agglutinierende Sprachen Pflegt man die unvollkommneren Idiome, bei denendie Endsilben noch ziemlich kunstlos an den Stamm angefügt, „angeleimt" sind, denFlexionssprachen gegenüber zu stellen, deren Stammwörter durch die angehängten End-silben beeinflußt und verändert werden — indes ist dieser Unterschied kaum scharf durch-zuführen. Ferner unterscheidet man Präfixsprachen, die ihre Flexionssilben vor dasWort setzen, wie die Bantudialekte Afrikas , und Suffixsprachen, die sie hinter dasStammwort stellen. Im deutschen Worte „gegeben" ist z. B. ge ein Präfix und en ein SuffixEinverleibende Sprachen nennt man solche, die, wie die amerikanischen, die Neigunghaben, alle Teile eines Satzes zu einem einzigen ungeheuren Wort zusammenzuschweißen,was natürlich nicht ohne Kürzung und Verstümmelung der einzelnen Satzteile möglich ist.Eine Eigenheit namentlich der türkischen Sprachen ist es, die Vokale des ganzen Satzesgewissermaßen auf einen Grundton abzustimmen, so daß die Wörter überhaupt keinebestimmten und unveränderlichen Vokale besitzen — und so hat jede Sprache und jedeSprachgruppe ihre Eigenart entwickelt.
Es ist sonderbar, daß der größte grammatische Reichtum einer Sprache nicht mit derhöchsten Kultur des Volkes zusammenfällt. Die arischen Sprachen insbesondere habenihre schönste Blüte in einer Zeit gehabt, die wohl erst die Anfänge arischer Kultur undGesittung sah; gegenwärtig sind sie nur Ruinen eines herrlichen Gebäudes, einige, wiedie englische, wieder zu fast chinesischer Kürze und Armut der Grammatik zurückgeführt.Auch hier berühren sich die Gegensätze; unsre Sprachen werden, wie es die chinesische vonjeher war, aus prächtigen, aber unpraktischen Kunstwerken zu nützlichen, schlichten Werkzeugen.
Wenden wir uns nun andern gemeinsamen Gütern der Menschheit zu, so mag sichan innerer Bedeutung dem Entstehen der Sprache die Erfindung des Feuers wohl zunächstanreihen. Freilich stehen wir hier vor Rätseln, deren Lösung nicht minder eifrig gesuchtworden ist als die des Sprachproblems. Unermeßlich und gewiß noch immer nicht völligerkannt sind die Vorteile, die der Besitz des Feuers dem Menschen bietet: Es hilft ihm,