Flechten und Weben. 21
Hülle dienen; besser als durch die verschiedenen feinsinnigen Deutungen, die hier möglichwären, erklärt sich das wohl aus der brutalen Thatsache, daß der Mann kostbarereKleidungsstücke, wenn er überhaupt welche anlegt, lieber für sich behält und das Weibmit dem wohlfeilen Blätterschmuck abfindet. Hier und da fertigt man zierliche Flechtwerkeaus Blättern; weit verbreiteter sind die Fransenschürzen aus Gras und andern Stoffen,die in verschiedenen Gegenden die bevorzugte Tracht der unverheirateten Mädchen sind.Wo nur einigermaßen an Jagdbeute zu denken ist, sind natürlich die Felle der Jagdtieredie ursprünglichste und beliebteste Kleidung. Allerdings ist ein Fell in rohem Zustandewenig brauchbar, da es beim Trocknen hart und fast unbiegsam zu werden Pflegt, aberin Afrika namentlich versteht man es, durch wiederholtes Schaben und Einreiben mit Fettdie Felle geschmeidig zu machen, wenn auch diese Methode an dauerndem Erfolg dem
1S— 14 . Muster polyiicsischer Tapp» MinLenstoffrl.
Nach den Originalen im Museum zu Bremen .
Gerben nicht gleichkommt. Das Gerben selbst ist nur wenigen Naturvölkern bekannt. Woes an Jagdtieren fehlt, werden auch Fischhäute präpariert und als Kleidung verwendet,z. B. am unteren Amur, und ebendort sowie bei den Eskimos fertigt man aus den Ge-därmen von Seehunden wasserdichte Gewänder. In merkwürdigem Parallelismus mitdem Gebrauche der Felle entwickelt sich eine andre Technik, die Herrichtung der Baumrindezu Kleidnngsstoffen; durch Wässern und Klopfen mit Hämmern erzielt man ein ziemlichdauerhaftes Material aus den Rinden verschiedener Bäume, und wenn auch dieses Ge-werbe jetzt nur noch in Afrika und Polynesien (s. Abb. 12 — 14 ) wirklich in Blüte steht,so war es doch ehemals auch in Europa wohlbekannt, wie unser Wort Leinwand nochbeweist (lintvat, Lindenkleid).
Durch die Erfindung des Webstuhles wird es möglich, brauchbare und dauerhafteKleidungsstoffe in unbegrenzter Fülle herzustellen und zwar sowohl aus Gespinstpflanzenverschiedenster Art wie aus dem Haarkleid der Wollträger. Man hat dort, wo das Klima