Die Baukunst der Assyrer. gg
Bavian, die zu Korkhar, die bei Beirut iu Syrien, die bei Malthai, nördlich von Mossul u. a. O.Der Löwe ist auch als Freifigur am besten ausgeführt, wie an den zu Gewichten dienenden zubemerken ist. Von Fabeltieren ist der Greif am häufigsten, außerdem kämmt der Kentaur vvr,dann der Vogel mit Menschenkopf und der ägyptisch-Phönikische Sphinx. Die Polychromierungder Reliefs beschränkte sich aus Einzelheiten, und namentlich blieben die Fleischteile unbemalt.Der Kopf erfuhr die reichste Färbung, indem der Augapfel weiß, der Augenstern, die Brauen,Haar und Bart schwarz gefärbt wurden. Die Kopfbinde, auch die Rosetten der Tiara, sindmeist rot, ebenso erhielten die Fransen der Gewänder, die Sandalen und Ohrgehänge, Sonnen-schirm, Fliegenwedel, Zepter, Pferdegeschirr und andre Zuthaten eine Färbung. Die Stelenund Rundfiguren aus vulkanischem Gestein scheinen unbemalt geblieben zu sein, dagegen wurdendie Thonfiguren wohl immer ganz mit Farbe bedeckt. Die geschnittenen Steine folgen ganzdem herrschenden Skulpturstil; sie sind durchweg vertieft geschnitten, meist in Form vonCylindersiegelu.
Was das Kunstgewerbe betrifft, so bleibt das Thonzeug immer auf niederer Stufe, erstzwischen dem 9. und 7. Jahrhundert finden sich mit Linien und Punkten verzierte Vasen, aberstets ohne die Spiralen und Bilder aus der organischen Welt, wie sie im geometrischen Stilder arischen Gruppe vorkommen. Schmucksachen aus Glas sind öfter gefunden. Das Wichtigsteder Gefäßbildnerei sind die Bronzeschalen, die in ringförmigen Zonen mit geometrischen undPflanzenmotiven geschmückt sind. Die figurengeschmückten Schalen zeigen ägyptisch-phönikischenEinfluß, der sich namentlich durch die keinen Sinn gebenden Hieroglyphen-Kartuschen bemerkbarmacht. Keilschriften kommen auf allen diesen Schüsseln nicht vor. Das Eisen findet sich ingroßen Mengen; an 160000 ÜA Eisengerttte sind allein in den Magazinen von Khorsabad ent-deckt. An den Möbeln, die meist von Holz mit Bronzebeschlägen hergestellt waren, zeigtensich Inkrustationen aus Elfenbein, seinen Steinen, Glaspasten und Überzüge von Goldblech.Der Königsthron auf den Reliefs enthält an den Seiten eine im Orient fortdauernde Dekora-tion symbolischer Art mittels dreier Ränge übereinander stehender Figürchen, welche mit Kopfund Armen die Querspangen stützen.
Die assyrischen Kunstformen sind aus den alten chaldäischen abgeleitet, einige Einzel-formen sind aus Ägypten übertragen; dagegen zeigen sich eigne Fortschritte im Gewölbe-bau, der mit Sicherheit an den Leitungen der Paläste und an den Bogen der Stadtthorenachzuweisen ist, abgesehen von den Darstellungen der Reliefs. Wahrscheinlich warenschon Tonnengewölbe und selbst Kuppeln in den feineren Hochbau eingeführt und wurdenspäter die Vorbilder für den ganzen Orient, sowie in der Folge auch für das Abendland.Auch sonst gehen aus der assyrischen Kunst durch kleinasiatische und phönikische Ver-mittelung eine Anzahl Formen in die klassischen Stile über, wie das ionische Kapitell, dierein menschliche Wiedergabe der Götter, die lebhaftere Bewegung der Gestalten und dieAnordnung von Bart, Haar und Gewandung. Durch die immer erneuten sarazenischenAbleitungen wirkt die assyrische Kunst endlich auf die gesamte Kunstperiode des Mittel-alters ein, bis in die Zeit der Renaissance.
Als Ninive untergegangen war, trat Babel in der Periode des sogenannten neu-babylonischen Reiches wieder in den Vordergrund und wurde durch die Bauten Nebu-kadrezars auf lange Zeiten zur hervorragendsten Stadt Jnnerasiens. Nebukadrezarerneuerte in Babel die wichtigsten Bauten, den Haupttempel E-sagilla, mit neuem großenStufenturm, den großen Tempel von Borsippa , E-zida genannt, ebenfalls mit einemStufentnrm, das Heiligtum E-Kua des großen Bel von Babel und andre; freilichist von diesen Bauten ebenso wenig auf uns gekommen als von den früheren. Wirerkennen nur aus den Beschreibungen, daß auf der Tempelterrasse außer dem Stufeu-turme noch wirkliche Jnnenräume vorhanden waren, mit Holzdecken und reichen Metall-bekleidungen ausgestattet. Nebukadrezar erneuerte die Stadtmauern von Babel, legte4000 Ellen jenseit der äußeren Mauer im Osten ein neues Bollwerk an und ließ vordemselben ein weites Wasserbecken ausgraben. An der äußeren Mauer erbaute sich derKönig einen großen Palast, wie berichtet wird, in der unglaublich kurzen Frist von15 Tagen. Von aller dieser Baupracht sind nur Ziegel mit den Stempeln der Könige,glasierte Ziegel mit Ornamenten und Figuren und einige große Bronzeschwellen übriggeblieben. Von den großen Goldfiguren, welche Herodot und die jüdischen Prophetenbeschreiben, ist selbstverständlich nichts erhalten.
In Phönikien , Cypern und den Kolonien beginnt eine zweite Kunstperiode mitdem Eintreten der Lyrischen Oberherrschaft, unter dem Einflüsse Assyriens, welcher den
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