Band 
Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
Seite
100
JPEG-Download
 

100 Baukunst: Der abgeleitete Fvrmenkreis der orientalischen Völkcrgruppe.

ägyptischen verdrängt, etwa gegen das Ende des 9. Jahrhunderts, obgleich sich im 7. Jahr-hundert bereits die Einwirkung der archaisch-griechischen Kunst zugleich bemerkbar macht.In dieser Zeit vollzieht sich vornehmlich die Mischung der asiatischen und europäisch-arischenElemente auf Cypern, welche sich dann über die hellenischen, etruskischen und lateinischenKüstenländer und Inseln des Mittelmeeres ausbreitete.

Die Erhaltung der Denkmäler in Phvnikien ist noch geringer als die in Assyrien ; es istweder vom Tempel noch vom Palast Nennenswertes erhalten. Die Grabanlagen behaltendie Form der Höhlengräber; nur wird der frühere Schacht durch eine Treppe ersetzt. Die äußereBezeichnung des Grabes bildet in der Regel die Pyramide, doch kommen jetzt auch den assyrischenverwandte Formen vor. Zu dieser Klasse gehören die el-Meghazil genannten Bauten der Nekro-pole von Amrith. Eins dieser Denkmäler erhebt sich auf rundem Sockel, an den vier Löwenangelehnt sind und aus dem ein monolither Cylinder mit Halbkugelabschluß steht. Zwei Zinnen-kränze mit Zahnschnitten gliedern den Cylinder. Unter dem Aufbau befindet sich die durch eineTreppe zugängliche Gruft. Der Burdj-el-Bezzak, der Schlangenturm, ist unter den arwaditischenDenkmälern bemerkenswert als einziges Gebäude mit einem Innern, während alle andern massiveMonolithe bilden. Der Schlangenturm hat die Form eines quadratischen Prismas, war aushorizontalen Quaderschichten ohne Mörtel errichtet und mit einer Pyramide bekrönt. DasInnere enthält zwei Kammern übereinander mit je einer Öffnung nach außen. Bezeichnendfür den schwankenden stilistischen Charakter der Epoche ist die Verschiedenheit der künstlerischenGrundmotive, welche zur Erfüllung desselben Programmes benutzt werden; eine Erscheinung,welche weder in den ursprünglichen Stilepochen, noch in der klassischen Periode vorkommt. DerKabr-Hiram, das Grab des Hiram bei Tyros ist jünger und scheint nur ein Kenotaph gewesenzu sein. Ein großes Prisma mit Bandgesims bildet den Sockel, darüber folgt eine großeSarkophagform aus Kufe und Deckel bestehend. Die mehrfach gefundenen Sarkophage mit dach-förmigem Deckel gehören vielleicht noch in die vorpersische Zeit, während die ägyptisierendenSarkophage mit der Mumienmaske auf dem Deckel erst aus der Zeit vom 6. bis 3. Jahrhundertstammen.

Aus Cypern, am Platze des alten Golgos, finden sich Gräber mit Sarkophagen, welcheDarstellungen aus dem griechischen Sagenkreise zeigen, zugleich aber phönikische Symbole, wiedie geflügelte Kugel oder die Mondsichel, eine Scheibe einschließend. Auf den cyprischen Stelenkommen Löwen oder Sphinxe in ägyptischer Weise mit den Rücken gegeneinander gewendet vor.Die Gräber von Karthago sind sämtlich unterirdisch in den Kalkselsen ausgearbeitet undbestehen aus einer rechteckigen, in der Regel durch drei Arkaden geteilten Kammer mit Nischenfür die Leichen und sind durch eine Treppe zugänglich Auf Sardinien, in der Nekropolevon Tharros , finden sich Phönikische Gräber mit Ausbauten in Form eines Pyramidion odereiner Halbkugelform; bisweilen sind drei Sielen, eine mittlere höhere und zwei seitliche kleinereauf gemeinsamem Sockel, vorhanden. Die mittlere Stele zeigt Mondsichel und Scheibe undendet in Dachfvrm. Die phönikische Befestigungsmauer von Eryx auf Sizilien, von rechteckigenTürmen flankiert mit horizontal oder im Halbkreise geschlossenen Öffnungen, zeigt noch an denBlöcken die phönikischen Versetznngsmarken. Die Stadtmauer von Karthago, aus horizontalenQuaderschichten ohne Mörtel hergestellt, hatte, ähnlich wie die Burgmauer von Tiryns , hinterdem äußeren Mauerringe einen Gang, an welchen sich halbkreisförmige Kammern anschlössen;möglicherweise waren dies Zisternen oder Ställe für Elefanten. Die alten Zisternen von Kar-thago lagen am Meer und waren mit Kuppeln überdeckt; die jetzigen Reste von Schnittstcin-gewölben stammen wohl aus römischer Zeit. Die Bauanlagen am Hafen von Karthago, nament-lich die Säulenhallen, trugen schon ganz den griechischen Stilcharakter.

Einzelformen der phönikischen Baudenkmäler sind die Bossenquader im Sockel desBurdj-el-Bezzak, die bereits in griechischer Kymaform geschwungenen Unterglieder derBekrönungsplatte desselben, dann die Pfeilerkapitelle der cyprischen Grabarchitektnr mitmächtigen Voluten und Lotosblüten im Mittelfelde, wie die zu Trapeza und Athicno.Auf allen diesen Pfeilerkapitellen ruhte wohl kein Gebälk, sondern eher eine bekrönendefigürliche Gruppe. Diese Kapitellformen, sowie die korbförmigen mit Furchen oder Palmen-artigen Blättern bedeckten, erinnern an die Nachahmung einer ursprünglichen Metall-umhüllung eines Holzkernes. Nach Herodot standen am Eingänge der phönikischen TempelSäulen aus Gold und Smaragd , doch waren letztere wahrscheinlich aus künstlichem Glas-fluß hergestellt. Die Bekrönnng der Bauten besteht immer noch aus der ägyptischen Hohl-kehle, die ja auch nach Assyrien übertragen war, außerdem kommen die gereihten Uräus-schlangen über der Hohlkehle vor. Die Einfassungen der Thüren bilden abgesetzte Streifen.Die geflügelte Kugel, die Mondsichel mit der Sonnenscheibe, der Sphinx mit Flügeln,der Greif mit aufgebogenen Flügeln kommen vielfach im Ornament vor. Feuerbecken mitkandelaberartigem Untergestell zeigt ein Bruchstück von Tyrus .