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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Baukunst der Griechen vorn 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr.

enthielt zwei nahezu quadratische Räume, der westliche Raum lag tiefer und hatteeinen Vorraum. Die Knltbestiinmnng des Tempelinnern ist unsicher, nicht minder dieBestimmung der Karyatidenhalle. Die Friese der Borhallen schmücken weiße Marmor-figuren auf schwarz-blauem Grunde, und die Traufrinne hatte gemaltes Ornament. DieKapitelle zeigen eine besondere Halsgliederung mit einem Anthemienkranze. Der klein-asiatische Tempel des Apollon Didymäos zu Milet enthält im Innern der CellaPilasterstellungeu mit eigentümlichen Kapitellen und Friesen zwischen denselben, welcheeine Lyra mit zwei Chimären zur Seite darstellen. Das Artemision zu Ephesos , einDipteros in Marmor, wie der vorige Tempel, erhob sich auf zehnstnfigem Unterbau undzeigte Säulen, deren Schäfte im unteren Drittel mit lebensgroßen Relieffiguren ge-schmückt waren.

Die korinthische Ordnung wird erst in der alexandrinischen Zeit allgemeiner,obgleich sich schon lange vorher Anzeichen derselben finden. Das choragische Monumentdes Lysikrates zu Athen , ein Rundtempel in Form eines Psendoperipteros, dessen Dachaus einem Blocke hergestellt und mit einem dreiseitigen Akanthnsaufsatz bekrönt ist, zeigtam Kapitell zum erstenmal die ausgebildete korinthische Form, die Akanthusblätter, dieEckranken und den geschwungenen Abakns. Die Innenwände des Philippeions zuOlympia waren durch zwölf korinthische Halbsänlen gegliedert.

Von den Gebäudetypcn, welche sich bei den Griechen für öffentliche Gebäude zuProfanzwecken ausbilden, ist der des Theaters am wichtigsten. Das steinerne Theaterdes Dionysos, am Südabhange der Burg zu Athen , trat an Stelle eines älteren Holz-baues. Der Zuschanerranm bildet einen unregelmäßigen Kreisabschnitt in trichterartigerForm, welche die Bodensenkung zu Hilfe nimmt, und enthält die konzentrischen, durchTreppen geteilten Sitzreihen. Die anschließende Orchestra für den Chor hat die Formeines durch Tangenten verlängerten Halbkreises und wird gegen die höherliegende Bühnedurch eine Mauer begrenzt. Die Bühne selbst mochte noch lange Zeit einen Holzüberbauhaben, der erst später durch einen steinernen ersetzt wurde; dann bildete dieselbe einengroßen Saal mit seitlichen Einbauten und einer festen Wand mit drei Thüren im Hinter-gründe. Zu musikalischen Aufführungen diente ein besonderes Gebäude, das Odeion, amOstabhange der Burg zu Athen ; vermutlich war dasselbe ein mit Holz überdeckter Rund-raum, denn erhalten ist nichts. Die besterhaltenen griechischen Theater liegen in Klein-asien und auf Sizilien . Das Stadion für den Wettlauf war von langen Mauern ein-gefaßt, an einem Ende halbkreisförmig, am andern Ende geradlinig abgeschlossen, undringsum erhoben sich abgetreppte Sitzreihen. Außerdem sind die Schatzhänser auf derTerrasse von Olympia zu erwähnen, das Prytaneivn daselbst und diePriesterwohnnng.Von der Gestaltung des hellenischen Wohnhauses ist in dieser Epoche nicht mehr zusagen als in der archaischen; dasselbe mochte immer noch aus Holzfachwerk und Lehm-ziegelmauern bestehen.

Von den Grabdenkmälern der Helden sind einige Reste auf uns gekommen,stelenartige Säulen, und der Löwe von Chärvneia. In Kleinasien findet sich das Königs-grab von Halikarnaß , für den König Mansolos in viereckiger Grundform errichtet,mit einer Säulenhalle umgeben und von einem Viergespann gekrönt. An den Friesender Halle des Grabmales befanden sich prachtvolle Reliefs.

Noch großartiger als die Architektur erscheint die Skulptur der griechischen Blütezeit,sowohl in den Kolossalbildern der Götter im Innern der Tempel, als in den Giebel- undFriesfiguren am Äußern derselben. An allen diesen Denkmälern zeigt sich die Jdeenbildnerei,welche überhaupt bei weitem überwiegt und die Pvrtrntbildnerei zurücktreten läßt. Der Inhaltder figürlichen Darstellungen war durch die homerischen Dichtungen gegeben und hält sich aufdieser dichterischen Höhe. Die Götterstatuen der Griechen waren keine durch Attribute unter-schiedenen Allegorien, sondern lebendige Verkörperungen einer Idee und erscheinen deshalb inidealer, die Natnrformen weit unter sich lassender Bildung. Eine Vorstufe der vollendeten Kunstgibt das westliche von Alkamenes gearbeitete Giebelfeld des olympischen Zeustempels, welchesden Kampf der Lapithen und Kentauren in Rundplastik und ungeachtet der Idealität mit höchstrealistischen Motiven wiedergibt. Der hohe ideale Stil der Griechen beginnt mit Phidias vonAthen zur perikleischen Zeit. Die kolossalen Goldelfenbeinbilder der Athene Parthenos für die Burgin Athen und des Zeus für den Tempel in Olympia bezeichnen den Höhepunkt dieser uraltenDas Buch der Erfind. I. 16