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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Baukunst der Azteken und Peruaner.

ihren schwachen Überresten heute unendlich ties stehenden Völker in der Bildung vor-geschritten waren. Als Ferdinand Cortez und seine Spanier vor Tenochtitlan (Mexiko ), derHauptstadt der Azteken, ankamen, zählten sie 360 Türme, welche die Häuserreihen Mexikos überragten, und mit großer Verwunderung weilte der Blick der Eroberer auf einer Anzahlvon 3000 Tempeln, unter denen besonders einer von außerordentlicher Pracht und Schön-heit hervorragte, der Hauptteocalli mit seinem heiligen von der Schlangenmauer um-gebenen, mit polierten Steinen gepflasterten Platz (s. Abb. 101), der zugleich einige andreTempel sowie viele öffentliche Gebäude, Priesterwohnungen, Schulen u. dgl., einschloß.Die Mauer war mit Zinnen bewehrt. Vier Thore, nach den Haupthimmelsgegenden,entsprachen den vier Hauptstraßen der Stadt; jedes dieser Thore trug einen Turm mitWaffensaal und Wachtlokal. Schon an den Türmen sowie an den Simsstreifen der Mauerkann der Leser einige jener Reihnngen erkennen, wie wir sie ähnlich bei den KeltenEuropas fanden. Einen vollständigeren Begriff von der Ornamentik der Azteken wirddie Abbildung des berühmten Kalendersteines in der die „Schrift" behandelnden Abteilungdieses Werkes geben, welcher durch Einmauernng in eine Seitenwand der Kathedralevon Mexiko der Vernichtung entgangen ist.

Die Häuser ärmerer Leute waren von ungebrannten Ziegeln oder von Stein, inLehm vermauert, aufgeführt, mit Rohr eingedeckt, enthielten aber immer außer demWohnranm und dem Kornboden noch ein Bad und ein Betstübchen. Die Wohnungender Reichen und Adligen waren meist zweistöckig, von Steinen in Kalk vermauert aufgeführt,hatten ein flaches Dach, auch Türme mit Schießscharten. Den Hauptstraßen von Tenoch-titlan entlang waren die Häuser durch Außengalerien im ersten Stock verbunden. DieserUmstand erschwerte den Spaniern die Eroberung Mexikos bedeutend, da die Azteken sichvon den Galerien herab verteidigten.

Einer gänzlich verschiedenen Richtung, einem ursprünglichen Steinban, gehören dieDenkmäler Perus an. Die keltischen Befestigungen, die kyklopischen Mauern undtyrrhenischen Gräber Kleinasiens, Griechenlands und Italiens , sowie einige der frühestenägyptischen Bauten haben ihre Parallelerscheinung auf der entgegengesetzten Seite derErde, im alten Jnkareich Südamerikas . — Dort finden wir zunächst in Agacuchounförmliche Ruinen von Pyramiden, welche vermutlich schon standen, als um 1200 n. Chr.Manco-Capac das Reich organisierte. Die etwas besser erhaltenen Denkmäler vonTiaguanaco in Bolivia bestehen aus langen Reihen viereckiger Pfeiler und einem auseinem Felsblock gearbeiteten viereckigen Gebäude mit Thüren, Fenstern, Reliefs n. s. w.Das aus unregelmäßigen Bruchsteinen ausgemauerte Haus des Manco-Capac und das wohletwas jüngere, aus bearbeiteten Quadern errichtete Haus (Kloster) der Sonnenjnngfrauen,auf einer Insel im See Titicaca und die vermutlich viel ältere, aus 6—9,s in hohenBlöcken ohne Eisen aufgeführte Befestigung, richtiger Stadtmauer, von Cuzco , bezeichnendieselben drei frühesten Stufen der Entwickelung des Steinbaues, die wir oben kennenlernten. — Die im Schichtenban ausgeführten Herbergen, Tambos, welche die letztenInka an den Seiten der Heerstraße nach Cuzco errichten ließen, und die höchst sorgfältiggearbeitet sind, zeigen gleich den Gräbern auf der Insel Koata in jenem See Formen,wie sie uns nicht nur an ägyptischen Bauten, sondern namentlich auch an pelasgischen undetrnskischen Gräbern begegnen.

VIII. Formenkreis der altchristüchen Zeit.

Die Weltherrschaft der Römer hatte den hellenistisch-römischen Formenkreis auf dieLänder zwischen dem Atlantischen Ozean und der iranischen Hochebene ausgebreitet.Während nun die altchristliche Welt im Abendlande und im Orient in diese Erbschaft ein-tritt, allerdings nur mit äußerlicher Benutzung der gegebenen Formen, jedoch innerlich invollkommener Freiheit des Geistes eine Anzahl neuer Knnsttypen schaffend, erhoben sichim Westen die frischen, gotischen, germanischen und keltischen Völkerschaften und über-trugen ihr althergebrachtes Kunstempfinden auf die ihnen bekannten römischen Elementeder Monumentalkunst, derselben damit ein neues Gepräge verleihend. Diese neue Kunst