Knrokingischc Kunst. Anfänge der arabischen Baukunst. igl
dekorativer Hinsicht stärker den römisch-byzantinischen Charakter als die deutschen . DieStnckierung des Innern wird in Frankreich oft angewendet, wie zu Germigny-des-Prös,in welcher Kirche die Wände mit einem gravierten und gemalten Stucküberzug, die Ge-wölbe mit Mosaiken byzantinischen Charakters bedeckt sind. Die karolingische Villa, dieKaiserpfalz, behielt noch immer den Zuschnitt der römischen Villa. Ludnrbana, wurde aberstatt des Peristyls mit einer Prachthalle ausgestattet, welche das Vorbild des deutschen Palas wurde. Es sind nur geringe Spuren der karolingischen Pfalz , zum Beispiel der inNiederingelheim, erhalten.
Die Abweichung von der fränkisch-merovmgischen Stilisierung zeigt sich am stärksten in denvorzugsweise erhaltenen Buchmalereien der karolingischen Zeit. Das Neue ergibt sich ausder Wiederaufnahme antiker Blattmotive, der geschlossenen und entfalteten Akanthusblätter,der römischen Epheu- und Weinlaubmotive. Erst in zweiter Linie erscheinen die irischen Linienund Bandgeflechte. Die jetzt häufig vorkommenden selbständigen Tierfiguren gewinnen meisteine symbolische oder allegorische Bedeutung, wie in der alt-christlichen Periode. Es kommeneine Reihe antiker Tiersignren vor, wie Greif, Chimäre, Löwe, Elefant, Meerungeheuer, diesämtlich naturgemäß gezeichnet; nur ausnahmsweise tritt ein nordisches vierfüßiges Tier mitstark verschlungenen Gliedern hervor. Indes zeigt sich eine stilistische Eigentümlichkeit derMiniaturen in der gewaltsamen Bewegung der Tiergestalten, die sich selbst oder den Nachbarnin den Nacken oder die Pfoten fassen, sich an den Ohren reißen und sich in wilder, unbändigerWeise krümmen, einzig, wie es scheint, um die Bildfläche recht gleichmäßig auszufüllen. DerStil der Buchmalerei geht dann auf Geräte, Schmucksachen, Waffen und endlich auf die bau-liche Dekoration über und läßt neben den fvrmbewutzten antiken Motiven ein frisches Fortlebender ursprünglichen Kunstrichtung der germanischen und gotischen Völker erkennen.
Zur Vervollständigung des Bildes der frühmittelalterlichen Kunst gehören die ara-bischen Anfänge, welche seit dem zweiten Drittel des 7. Jahrhunderts auftreten. Diesemitischen Araber erscheinen als eigentliche Fortsetzer der sassanidisch-mesopotamischenKunst. Aus ihrer Heimat scheinen die Araber eine Vorliebe für lineare Linienspicle inder Flächenornamentik, sowie für reiche Farbenzusammenstellungen mitgebracht zu haben.Das religiöse Verbot figürlicher Darstellungen, obgleich dasselbe nicht gleich anfangs mitaller Strenge befolgt zu sein scheint, gab der arabischen Ornamentik sofort eine entschiedeneRichtung. Die Araber breiten sich infolge der mohammedanischen Lehre mit blitzartigerSchnelle über alle östlichen Kulturländer aus und beherrschen bald ein weites Länder-gebiet. Indes machen sich in der arabischen Kunstrichtung bald provinzielle Unterschiedegeltend, da jedesmal etwas aus dem Formenkreise des eroberten Landes aufgenommenwurde. Um so erstaunlicher ist die Thatsache, daß sich, ungeachtet dieser verschiedenenBeeinflussungen, eine durchgreifende Einheit des arabischen Stiles erhalten hat. DieElemente desselben für den Aufbau schließen sich den ältesten asiatischen Kunstüberliefe-rungen an; es sind die birnförmige Kuppel, der gestelzte Rundbogen oder der Spitz-bogen, eine im alten Assyrien schon vorkommende Bogenform, und der Zinnenkranz inphantastischer Umbildung.
Wo die Araber in die ehemals byzantinischen Provinzen Syrien, Kleinasien nndNordafrika vordringen, da benutzen sie ohne weiteres die christlichen Kirchen als Moscheen,oder lassen ihre eignen Kultusgebäude von byzantinischen Werkleutcn errichten, jedoch, wieman annehmen muß, stets unter arabischer Oberleitung; denn es zeigen sich sofort überalldie obengenannten Hauptbestandteile des arabischen Stiles. Die Kubbet-es-Sakrah, dersogenannte Felsendom, auf der Terrasse des Salomonischen Tempels errichtet, ist einZentralbau, dessen runder, knppelgedeckter Mittelranm von zwölf Säulen zwischen vierPfeilern und den diese verbindenden Bogen getragen wird. Um den höheren Mittelraumzieht sich ein achteckiger Umgang, der von acht Eckpfeilern und sechzehn Säulen getragenwird; endlich wird ein zweiter Umgang durch die mit spitzbogigen Fenstern durchbrochenenäußeren Einfassungsmauern gebildet. Die mit Kreuzen versehenen römisch-korinthischenKapitelle der Rotunde und des polygonalen Sänlenumganges, sowie die Motive derWandornamentik, Brot und Wein, Weizenähren und Trauben, deuten auf altchristlichenUrsprung; jedoch erhält das Bauwerk in dem Um- oder Neubau am Ende des 7. Jahr-hunderts sofort den arabischen Stilcharakter durch die Anwendung der Spitzbogen mit