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Baukunst: Romanische Epoche des Mittelalters.
masse, und das Querschiff wird durch Treppentiirme ausgezeichnet. Endlich folgt der Chorim verlängerten Halbkreise, unter welchem die gewölbte Krypta liegt. Das in dieserWeise gegliederte Innere bringt eine großartige Raumwirkung hervor, welche sich auchäußerlich in den Teilen des Aufbaues ausprägt. Der Dom in Worms , 1183 geweiht,zeigt bereits eine reichere Gliederung der Hauptpfeiler. — Am Niederrhein ist St. Mariaim Kapitol zu Köln höchst bemerkenswert, besonders wegen des komplizierten Gewölbe-systemes, welches vielleicht in Anknüpfung an karolingische Bauten entstanden ist und indeutscher Weise bereits einen Vorgeschmack von den späteren reichen französischen Chor-anlagen gibt. In der Kapitolskirche schließt sich an eine streng durchgebildete Pfeiler-basilika ein Querschiff mit apsidenartig abgerundeten Armen an und ein ebenfalls Halbrundgestalteter Chor. Die drei Apsiden sind mit einem Umgänge auf Säulen umgeben, und dieHalbkuppeln derselben lehnen sich gegen Tonnengewölbe, welche endlich über der Mitteder Vierung einem vollen Kuppelgewölbe begegnen. Mit dem Beginn des 12. Jahr-hunderts tritt überall eine Wendung zu reicherer Einzelgestaltnng ein, die als spätromanischeroder Übergangsstil bezeichnet wird. Beispiele dieser Art bieten das Querschiff des Straß-bürger Münsters und der westliche Chor des Mainzer Domes.
Sachsen ist die Heimat einer der edelsten romanischen Schulen von einfacher Strengeund klassisch zu nennender Klarheit. Hier blieb die flachgedeckte Basilika lange vor-herrschend. Die Krypta der Wipertikirche zu Quedlinburg und die Stiftskirche zu Gern-rode gehören zu den ältesten sächsischen Anlagen. Die kreuzförmige flachgedeckte Basilikamit verdoppeltem Chor, Chorapsis und seitlichen Nebenapsiden wurde das bevorzugteVorbild der sächsischen Kirchenbauten. Säulenbasiliken sind selten, in der Regel ist dieSäule mit dem Pfeiler zu einem System verbunden. In Jlsenburg und Drübeck wechselnSäule und Pfeiler untereinander, indem die Pfeiler durch einen größeren Rundbogenüber den Arkadenöffnungen miteinander verbunden sind. Die Michaels - und die Gode-hardikirche in Hildesheim sind doppelchörige Anlagen. In denselben sind zwischen zweiPfeilern je zwei Säulen zu einer Gruppe vereinigt. Eine dritte Baugruppe beschränkt sichauf den reinen Pfeilerban; zu dieser gehören die Kirchen in Marienthal, Wechselburg u. a.Eine Pfeilerbasilika in reichster Gliederung ist auch die Klosterkirche von Thalbürgel beiJena . Der spätromanischen Stilisierung gehört der Wiederaufbau der Michaelskirche inHildesheim, die Kirche zu Hamersleben, der Kreuzgang zu Königslutter u. a. an.
Die westfälische Schule schließt sich in schlichter Strenge an die sächsische an, istaber derber in den Einzelheiten und macht früher von der Wölbung Gebrauch. Auch inWestfalen fehlen in der Frühzeit die römisch-antikisierenden Formen nicht; die korinthischeund selbst die römische Kapitellform finden sich in der Krypta der Klosterkirche zu Abding-hof und der Turmhalle zu Corvey . Es liegt hierin wieder ein bewußtes Übertragen derdurch theoretische Studien bekannt gewordenen römischen Formen. In Westfalen kommtöfters der gerade Chorschluß vor. Auf die romanische Zeit ist auch die Entstehung einerschlichteren Form der dreischiffigen Kirche, des Hallenbaues, zurückzuführen, bei dem dieSeitenschiffe mit dem Mittelschiffe gleiche Höhe haben, das Kreuzschiff fehlt und ein fort-laufendes Dach sich über alle drei Schiffe erstreckt. Die Ludgerikirche in Münster beginntmit der Entwickelung dieser eigenartigen Kirchengestaltung. Die Münsterkirche zu Essen zeigt eine Anlage nach altchristlichem Planschema, mit karolingischen Motiven verbunden,also wieder eine inmitten sächsischer und rheinischer Eigenheit mitten inne stehende Art.Die reichere Gestaltung des spätromanischen Stiles tritt an den Portalbildungen derSt. Jakobskirche zu Koesfeld und des Domes zu Paderborn hervor. Die Dome zu Osna-brück und Minden gehören durch ihren ganzen Aufbau dieser Stilrichtung an.
Franken, Schwaben und Bayern haben keine Bauschulen von bestimmt ausgesprochenemCharakter. Die schwäbische Schule nimmt in karolingischcr Zeit ihren Ausgangspunktvon den Kirchen auf der Insel Reichen«« am Bodensee. Die Stiftskirchen zu Niederzell und Unterzell auf der Insel erinnern an die altchristliche Bauweise; die letztere mit halb-kreisförmigen Querschiffen mahnt besonders an karolingische Vorbilder. Die Bauten desKlosters Hirsau gehören dem entwickelten romanischen Stile an. Die Aureliuskirchedaselbst ist eine dreischiffige Basilika mit flachgedecktem Mittelschiff und überwölbten Seiten-