Romanische Bauwerke in Italien . 183
Kuppeln bedeckt. Unter dem Chor liegt eine Krypta. Für den Eindruck des Äußern sinddrei durch Wölbungen verbundene Strebepfeiler der Vorhalle entscheidend, die mit einerGalerie abschließen, hinter welcher die halbrunden Giebel des Mauerbaues und endlichdie Schutzkuppeln aufsteigen, deren höhere Form den Kuppeln der zweiten Epoche desbyzantinischen Stiles entspricht. Der Glockentnrm steht frei vor der Kirche. In derOrnamentik des Domes und namentlich in den Säulenkapitellen kommt jeder Gradfrühmittelalterlicher Nachahmung und Umbildung der Antike, auch der zentralfyrischenund ravennatischen Muster, zum Ausdruck. In die erste Hälfte des 11. Jahrhundertsfällt die Gründung der byzantinischen Mosaicistenschnle in Venedig . Ein großer Teilder Mosaikbilder des Domes entstehen bereits in dieser Zeit und beanspruchen einenHauptanteil an der prachtvollen Jnneuwirkung, welcher sich von dieser Seite nur dieSophienkirche in Konstantinopel vergleichen kann. Ebenfalls in das 11. Jahrhundertgehört die Ausstattung von S. Marco mit kostbaren, aus dem Orient herangeholtenMarmorsäulen und Marmor-Waudvertäfelungcn. Die genuesischen Bauten haben wedermit den lombardischen noch mit den venezianischen irgend einen Zusammenhang. DieOrnamentskulptnr des Domes S. Lorenzo in Genua ähnelt der an den südfranzösischenBauten, während an späteren Bauten die Art der römischen Kosmaten vorwiegt.
Toscana zeichnet sich durch die klassische Klarheit seiner Bauten aus, zugleich durchdie häufige Verwendung des Marmors. Der Dom in Pisa gibt eine weitere Ausbildungdes Basilikentypus. Das Langhaus desselben ist fünfschiffig mit Emporen über den Seiten-schiffen, und das Querschiff tritt selbständig und bedeutsam hervor. Der Chor hat eineVorlage, die mit einer halbkreisförmigen Apside schließt. Auf der Vierung erhebt sich eineKuppel. Die Seitenschiffe sind gewölbt, und das Mittelschiff hat eine gerade Decke. DasÄußere des Marmorbaues von Pisa ist durch drei Ränge von Halbsäulen, welchesich, der inneren Höhenteilung entsprechend, um das ganze Gebäude ziehen, in klarerWeise gegliedert. Die den Emporen entsprechende Säulenreihe trägt ein gerades Gebälk,die übrigen Reihen bilden Arkaden. Der Glockentnrm erscheint auch hier freistehend, ganzvon der Kirche getrennt. Das Baptisterium zu Pisa ist ein Rundbau mit Kuppel. Eininnerer Kreis wird unten von vier Pfeilern und acht Säulen gebildet, auf dem ein zweitesPfeilerstvckwerk steht, über welchem die ziemlich steile Kuppel aufsteigt. Über den Kreuz-gewölben des unteren Umganges liegt die mit Tonnengewölben überdeckte Empore, vonwelcher auf der inneren Seite die steile Kuppel, auf der äußeren eine kugelförmigeWölbung aufsteigt, welche sich beide zu einer birnförmigen Gestalt zusammenschließen.Die äußere Dekoration der Wände besteht aus zwei Rängen rundbogiger Arkaden — dieSpitzgiebel der oberen Arkadenreihe gehören einer späteren Zeit an. Der Dom in Pisa bliebwährend des ganzen 12. Jahrhunderts für alle Kirchenbauten Toscanas maßgebend, wennauch Kuppel und Kreuzarme anderwärts meistens fortblieben. Die Kirche S. Miniato beiFlorenz besitzt die schönste Fassade in Marmor; die Kirche ist ohne Kreuzschiff, jedoch mitstark erhöhter Krypta angelegt. Das Äußere zeigt eine polychrome Bekleidung mitMarmorplatten, die wohl als eine Vorarbeit für die spätere Marmorbekleidung desDomes zu Florenz gelten kann. Das Innere von S. Miniato ist durch einen erhaltenen,schön bemalten Dachstuhl merkwürdig. Am Ende des 12. Jahrhunderts dringen durchdie Cistercienserbanten die Formen des französischen Übergangsstiles in Mittelitalien ein; es erscheinen spitzbogige Arkaden und ebensolche Kreuzgewölbe, indes ist diesergotisierende Charakter nur ein äußerlicher, namentlich behält die Fassade stets ihreromanisch-italienische Bildung.
Die Skulptur Toscanas ist im II. Jahrhundert noch äußerst roh. Die Reliefs an derFassade des Domes zu Lucca von Giudotti sind noch steif und schwerfällig, aber doch bereitsmit einem Hauche frischen Lebens beseelt. Der große Wiedererwecker der toscanischen Skulpturist Niccolo Pisano , der sich entschieden an die Antike anlehnt. Alles Körperliche ist bei ihmmit Fülle behandelt, und in den Köpfen zeigt sich bisweilen ein Ausdruck feinerer Empfindung.
In den Ansängen der Tafelbildmalerei, wie sie im 13. Jahrhundert in Pisa und Siena auftauchen, trat zunächst der byzantinische Einfluß hervor, indes mächt die toscanische Malereirasche Fortschritte zur Selbständigkeit. Cimabue bringt dies Verhältnis mit feinem Schönheits-gesühl in seinen Tafelbildern und Wandmalereien zur Anschauung. . - .