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Baukunst: Gotische Epoche.
X. Gotische Epoche.
Für die gotische Baukunst hat der Spitzbogen eine stilistisch-bestimmende Wichtigkeit;derselbe ist keine abendländische Erfindung, sondern eine Urform der babylonisch-semitischenKunst, die vermutlich in Mesopotamien nie ganz verschwand, allerdings bei den arischenVölkern der Antike keinen Eingang finden konnte, aber später von der arabisch-moham-medanischen Kunst neu belebt wurde. Die syrischen Bauten der Kreuzfahrer zeigen bereits
in der ersten Hälfte des 12. Jahr-hunderts den Spitzbogen, ebenso neh-men die Normannen in Sizilien undUnteritalien den arabischen Spitzbogenan. Den Völkern Westeuropas mochteder Spitzbogen, der ringsum in all-gemeiner Anwendung stand, bequemerscheinen zur Überwölbung kompli-zierter Grundrißformen, welche Bogenvon verschiedenen Spannweiten ver-langten. Etwa um die Mitte deS12. Jahrhunderts, gleichzeitig mit densyrischen und normannisch - sizilischenAnfängen, findet der Spitzbogen inallen Ländern Westeuropas Aufnahmeund gewinnt einen maßgebenden Ein-fluß auf die kirchliche Baukunst. DieAnfänge des Spitzbogenstiles inDeutschland und England, welche vorden französischen Einfluß fallen, wärenwohl nachzuweisen; indes wäre dieseBemühung ziemlich nutzlos, da diefrühe systematische Ausbildung derGotik im Norden Frankreichs undihre bald darauf erfolgende Einfüh-rung in die Nachbarländer die dortbereits bestehenden gotischen Anfängebeiseite schob.
In Frankreich hatten sich be-reits in romanischer Zeit komplizierteGrundrißanlagen der Kirchen heraus-gebildet, namentlich war das Chor-haupt mit radianten Kapellen in Ver-bindung mit der Wölbung erfunden;außerdem waren die Anfänge einesStrebesystemes, vorhanden. Der Weg, den der Spitzbogen bei seinem Eindringen inFrankreich genommen, weist nach dem Süden, nach den westgotischen Bauten hin. DieKirche St. Pierre zu Reddes in der Provence zeigt den Spitzbogen in Begleitung mau-rischer Ornamentik, ähnlich wie eine Anzahl süditalienischer Bauwerke. In den nördlichenProvinzen tritt das spitzbogige Tonnengewölbe über spitzbogigen Arkaden in der Abteikirchezu Fontenay und in der Kathedrale von Antun auf, zunächst ohne konstruktive Neuerungenzu bewirken. Als der erste Ban frühgotischen Stiles wird gewöhnlich der Bau Sngersan der Abteikirche St. Denis in der Domaine royal genannt (1135—1140), welcher, imGegensatz znm Romanismus, sofort einen entschiedenen Bruch mit der antiken Über-lieferung bedeutet. Es bilden sich in der französischen Frühgotik bald wieder Provinzielle