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Frühgotische Bauwerke in Frankreich .
der Pfeiler und Säulen verschwindet allmählich das Eckblatt, und die Plinthe wird achtseitigoder rund gebildet. Außer dem Blattwerk entwickeln sich gewisse Zierformen, wie beispiels-weise der Baldachin über den Statuen, der allerdings schon im Romanischen vorkam, dannals wichtigste Zierform das Maßwerk (Teilungspfosten), welches sich zunächst an den Fensternausbildete, und zwar als Ersatz der durchbrochenen Steinplatten, mit denen man sonst dieÖffnungen schloß. Seit Beginn des 13. Jahrhunderts besteht das Maßwerk der Fensteraus wirklichen Steinrahmen, welche aus hochkantig gestellten Blöcken konstruiert sind. Einfrühes Beispiel des Maßwerkes geben die Fenster des Hochchors der Kathedrale vonParis . Bald finden sich auch die durchbrochenen Balustraden über den Traufgesimsen vorund die großen Rosenfenstcr der Westfassaden. Den großartigsten dekorativen Gewinn ziehtdie Frühgotik aus der Anlage der Portale, der Königsgalerien und des großen Rosen-fensters, welche meist mit einer reichentfalteten figürlichen Skulptur nationalen In-haltes in enge Verbindung gesetzt sind. Die figürliche Skulptur der Domains royal zeigtnoch die byzantinisierende Strenge, schwingt sich aber bald zu den reichsten und vollendetstenWerken auf. Die Skulpturen der Westportale an Notre-Dame zu Paris erreichen eineignes, auf frischer Naturbeobachtnng beruhendes Ideal. Eins der schönsten Portale desneuen Stiles ist das linksseitige Marienportal derselben Fassade; dasselbe erscheint wieein Gedicht in Stein. In der Champagne erhielt sich noch länger die Nachahmungbyzantinischer Typen; indes zeigen die Skulpturen eines Westportales der Kathedrale vonLaon Figuren neuen Stiles. In der Picardie kommen besonders die Skulpturen derKathedrale von Amiens in Betracht, vor allem die Krönung der heiligen Jungfrau undder Stammbaum Christi am westlichen Mittelportal. Die Berechnung der Figuren füreinen weit vom Auge des Beschauers abliegenden Standort ist den Bildhauern dieserEpoche geläufig, das zeigen die Kvloffalfiguren der Königsgalerie von Amiens , vorzugs-weise in der Haltung der Köpfe. Von den Leistungen der burgundischen Skulpturschulegibt ein Portal der Kirche St. Pere sons Vczelay ein gutes Beispiel. Die Tiergestaltenkommen in der entwickelten Gotik fast nur noch an den Wasserspeiern vor.
Für die Grabmäler der Frühgotik bleibt der Sarkophag, auf dem die Figur des Verstorbeneu liegend, aber in der Haltung eines Lebenden mit offenen Augen dargestellt wird,üblich. In der Regel steht das Paradebett in einer Nischenarchitektur und ist polychrom odermit emaillierten Verzierungen ausgestattet, wie das Grabmal Karls des Kahlen, ehemals inSt. Denis . Die polychrome Behandlung hat auch in der Dekoration des Äußern der Kircheneinen Platz eingenommen, obwohl dieselbe immer auf ausgezeichnete Teile beschränkt blieb. AnNotre-Dame zu Paris waren die drei Westportale ganz bemalt und vergoldet, ebenso bildetedie Königsgalerie mit ihren Figuren ein breites, bemaltes Band. Darüber waren noch die zweigroßen Arkaden, welche die Fenster unter den Türmen einschließen, bemalt, endlich funkelte diegroße Mittelrose von Vergoldungen. In der Polychromie des Innern der Kirchen spielen farbigeGläser für die Gründe und gemusterte Stucküberzüge eine Rolle. Das Glas kommt meist in denBogenzwickeln als Grund von Basreliefs vor. Die Malerei erreicht noch keine neuen Typen, umso weniger als in den meisten Fällen auf die Wandmalerei zu guusten der gemalten Glasfensterverzichtet wurde. Die übliche Wandbemalung gibt oft ockergelbe Qnaderungen mit weißenFugen wieder oder braunrote Quadereinfassungen aus weißem oder blaßgelbein Grunde. DieGlasmalereien der Fenster bestehen meist aus farbigen Medaillons auf weißem Grunde, ringsummit farbigem Ornament umgeben. In den Glasmalereien von Bourges, Chartres, Auxerre und Reims sind Figuren von Lebensgröße erhalten, in kühner, auf Fernwirkung berechneterZeichnung und mit gründlicher Kenntnis der Wirkungen des Lichtes auf durchscheinende gefärbteFlächen entworfen. Eine Gelegenheit zu reicher Ausstattung gaben auch die gravierten undinkrustierten Steinplatten der Fußböden. In der Kathedrale von St. Omcr sind Platten er-halten, welche jede eine in sich abgeschlossene Zeichnung zeigen, Krieger zu Pferde, Personi-fikationen der freien Künste, den Tierkreis, die Monate und phantastische Tiergestalten darstellend.Das verschiedenfarbige Thonmosaik der romanischen Epoche wurde in gotischer Zeit durch Plattenvon gleicher Größe ersetzt, welche in verschiedenen Farben inkrustiert waren: Rot aus Gelb oderumgekehrt. Die aus Holz hergestellten Thüren werden mit Prvfilierungen, Malereien, ge-schmiedeten Bändern und Nägelköpfen verziert. Die Kirchenmöbel werden jetzt ohne Anlehnungan antike Muster gebildet. Holzmöbel werden oft mit vergoldetem und gefärbtem Leder über-zogen. Die ältesten erhaltenen Chorstühle, ,su denen die der Kapelle Notre-Dame de la Röchein der Jsle de France gehören, zeigen bereits einen großen Aufwand von Ornamenten. Inden gewebten Stoffen sind zwei Richtungen vertreten, die eine geht zur historisch-figürlichenVerzierungswcise über, die andre zeigt orientalisches Pflanzenornament, besonders das Persisch-arabische Granatapfelmuster, welches in Frankreich koiuiuss ck'amour genannt wird.