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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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200 Baukunst: Gotische Epoche.

erhielten jetzt soviel Dienste, als Bogen und Rippen über demselben ansetzten, und dem-zufolge cbensoviele Kapitelle, die nun zu ornamentierten Ringen wurden. Es macht sichin dem losen Anheften der Blattbüschel an die Kapitelle bereits ein Mangel an Monu-mentalität fühlbar.

Die Skulptur der Hochgotik zeigt die allgemeine Anwendung der Attribute; selbst diegöttlichen Personen, ebenso Apostel und Heilige, erhalten Schriftrollcn, Bücher, Amulette,Palmen u. s. >v. als Beigaben; indes sind Entlehnungen aus dem antik-römischen Kreise stetsvermieden. Die neu auskommenden Altaraussätze und die Chorschranken bilden jetzt einen be-liebten Platz für figürliche Darstellungen. Ein Stück der Chorschranken der Kathedrale vonParis ist noch erhalten und zeigt eine Reihe Reliefs aus dem Leben Christi, welche ehemalsbemalt und vergoldet waren und in der Durchführung der Kopse ein bedeutendes Naturstudinmverraten. Ein Fortschreiten des Sknlpturstiles ist auch in den Grabmälern zu bemerken, vondenen die in St. Denis unter Ludwig dem Heiligen erneuerten bemerkenswert sind. DasGrabmal Dagoberts ist besonders reich mit Figürlichem ausgestattet; nur darf man hier keinePorträts zu finden hoffen. Die ersten Grabfignren, welche den Eindruck des Portrtttartigenmachen, sind die Philipps des Kühnen und seiner Gemahlin Jsabella von Arragonien. Die jetzterscheinenden Tiergcstalten sind sämtlich symbolisch gemeint, und die fremden Fabeltiere sind nachAnleitung der Bestiarien als Lebewesen aufgefaßt. Von der Polhchromiernng der Mauern imInnern der Kirchen wird keineswegs Abstand genommen, obwohl die farbigen Glasfenster ganzallgemein werden; nur fehlen die figürlichen Wandbilder. Ein glänzendes Beispiel der dekora-tiven Bemalung gibt die St. Chapelle zu Paris , obgleich die Wirkung im ganzen keine glücklichezu nennen ist wegen der übertriebenen Buntheit der teppichartigen Muster. Allerdings sinddie vielen farbigen und sehr hellen Töne durch die Anwendung von Gold gemildert. DieHanptleistnngen der figürlichen Malerei geben die Glasbilder der Fenster, welche nun meistzusammen mit Grisaillen vorkommen. Der Grund derselben zeigt durchgängig ein freies, mitdem Pinsel gezeichnetes Netzwerk, wie beispielsweise im hochvvllcndeten Fenster der Chvrgalerievon St. Urbain zu Trotzes zu bemerken. In den Thonfußböden werden die farbigen Inkru-stationen fortdauernd verwendet. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts wird Rot die vor-herrschende Farbe der Fußböden. — In der Goldschmiedeknnst finden die Nachbildungenarchitektonischer Gliederungen Eingang; Giebel, Zacken und Türmchen werden allgemein an-gebracht und lassen die Reliquienschreine als verkleinerte Abbilder von Bauwerken erscheinen.Die Emaillen von LimogeS werden immer noch in der älteren Weise behandelt; doch kommtdie Manier auf, die Figuren in Gravierung oder Relief darzustellen und nur den Grund zuemaillieren. Die Chorstnhle von St. Andoche zu Sanlieu geben eine reiche Hvlzarbcit undsind mit Baldachinen geschmückt.

Die französische Spätgotik erweist sich verhältnismäßig arm an großen Neu-bauten, vielleicht wegen des langdauernden Krieges mit England. Eine bemerkens-werte Leistung der Übergangszeit zur Spätgotik ist die in Ziegeln ausgeführte Kathedralevon Alby, im Süden Frankreichs , deren Westtnrm eine Art von Dvnjon und dereneinziges Schiff einen großen im Polygon geschlossenen Saal bildet. Die Strebepfeilersind nach innen gezogen und schließen Kapellen ein, zwischen denen eine Galerie liegt. Diespätgotischen Änderungen in den Bangliedern vollziehen sich mir allmählich; so bewahrtdas Portal de la Calende der Kathedrale von Rouen noch immer eine gewisse Einfachheitder Linienführung, dagegen wird nun öfter das Maßwerk als Dekoration massiver Maner-körper benutzt. Am Ende des 15. Jahrhunderts erhalten die Schenkel der Fcnstergiebelgeschwungene Linien, wie an den nördlichen Kapellen der Kathedrale von Amiens zubemerken. Im Maßwerk der Fenster überwiegt die vertikale Entwickelung, alle Pfostenerhalten den gleichen Querschnitt, und als oberer Abschluß des Fenstcrmaßwerkes erscheinengeschwungene Formen, die sogenannten Fischblasen. An den Profilen treten die vielfachenDurchdringungen auf, welche das Auge ermüden. Die Spitzpfeiler werden immer leichterund erinnern endlich an Metallarbeiten. An den Kapitellen spielt das Blattwerk nur nocheine untergeordnete Rolle, und die einzelnen Blätter sind in übertriebener Modellierunggebildet. Endlich werden die Kapitelle der Pfeiler ganz unbedeutend und verschwindensogar ganz, so daß die Profile der Bogen und Rippen ohne Unterbrechung bis auf denBoden fortgeführt werden. Die Knospenblätter kommen gar nicht mehr vor, an ihreStelle treten ausnahmslos entwickelte weichgebildete Blattformen.

Das Statuarische an den Hauptportalen wird von der Architektur erdrückt; es gibt unterdiesen Statuen bereits historische Porträts. Die Tiergestalten der Skulptur sind jetzt Affen,Hunde, Bären, Hasen, Ratten, Füchse, Eidechsen „und Salamander, seltener Fabeltiere — dieSatire hat die ehemals volkstümlichen gläubigen Überlieferungen ersetzt. Die Polychromierung