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Baukunst: Gotische Epoche.
sich die Krönung der heiligen Jungfrau zwischen den Statuen der zwölf Apostel, und aufden Strebepfeilern stehen die Figuren der vier Evangelisten. Die Grabfigureu sind indieser Periode noch handwerklicher dargestellt als früher; zugleich nimmt an denselben dieNachahmung von Architektnrformen im Beiwerk überhand.
In die frühgvtische Periode gehört der bedeutende Kapitelsaal zu Salisbury ,sowie der an der Kathedrale von Lichsield. Die Kapitelsale geben oft die Veranlassungzu reichen Gewölbebildnngen; so zeigt der von Lichsield ein zehneckiges Sterngewölbe,welches auf einer Mittelsäule ruht. Der Kapitelsaal von Salisbury , mit achteckigem, aufeiner Mittelsäule ruhendem Sterngewölbe überdeckt, enthält in den Arkadenzwickelnsechzig Reliefs alttestamentlicher Geschichten in edler und einfacher Ausführung. DasKapitelhaus von Canterbury gehört in die spätgotische Zeit.
Der englische Profanban ent-wickelt sich sehr.reich an den Burgen,den Schlössern und den Colleges undist stilistisch fast ebenso bestimmend ge-worden, wie der Kirchenbau selbst. Dieaus der normannisch-englischen Burghervorgegangenen Schlösser des 14. und15. Jahrhunderts erscheinen noch immerwehrhaft durch die Anordnung ihrerTürme und Zinnen; zugleich kommenindes weite Fenster und wohnlicheErkeranlagen vor. Der Hauptraum desSchlosses, die Halle, erhält meist einensichtbaren hölzernen Dachstuhl in reicherAusbildung. Little Wenham Hall inSuffolk , Warwick Castle, die Westminster-halle zu London und die Halle desSchlosses Eltham in der Grafschaft Kent geben vortreffliche Beispiele dieser Art.In älterer Zeit bilden die Hallen eineneinfachen rechteckigen Raum, werden aberspäter mit turmartigen Erkeranbautengeschmückt, wie z. B. die Halle von ActonBurnell. — In den Colleges kommtder Übergang von den Klosterschulen zuden freien Universitäten zum Ausdruck;sie bilden schloßähnliche Gebäude mitgroßen Lehr- und Schlafsälen, dergroßen Speise- und Versammlnngshalle
144 . Nil HiMc drs Kchlossrs Elthmn (1S. Jahrh.).
und der Kapelle. Das College zu Winchester und das New-College zu Oxford sindbesonders bemerkenswerte Bauwerke. St. Johns College zu Oxford enthält eines deroben erwähnten, mit hängenden Zapfen ausgestatteten Fächergewölbe.
In Deutschland müssen die eignen, noch unentwickelten gotischen Anfänge nurallzubald dem übermächtigen Eindringen der systematisch ausgebildeten französischen Gotikweichen. Es fehlt deshalb in Deutschland eine Frühgotik im französischen Sinne; dagegenbildet sich bald eine eigenartige deutsche Hochgotik, zeitlich Parallel mit der fran-zösischen gehend, und in der Spätzcit des Stiles gelangt Deutschland zu einer alle andernLänder an Originalität übertreffenden Knnstblüte. Zunächst sind es wieder die Cistercienser-kirchen, welche das gotische System von Frankreich nach Deutschland verpflanzen, wie diesin der Kirche desiNonnenklosters St. Thomas a. d. Kyll in der Diözese Trier der Fall ist.Der zehneckige Teil der Stistkirche St. Gereon in Köln zeigt zuerst das Strebesystemmit Bogen, obgleich die Details noch romanisch bleiben. Der französische Einfluß rücktnicht etlva von der Westgrenze nach Osten vor, sondern tritt fast gleichzeitig an