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Baukunst: Gotische Epoche.
formen. Beispiele reichster Sterngewölbe bieten besonders die später zu erwähnendenProsanbauten. Noch später ist die Einführung der Netzgewölbe, bei denen die durch-gehenden Quer- und Diagonalrippen fortbleiben, während dekorative Rippen an derenStelle treten. Der Chorbau des Freiburger Münsters bietet davon ein Beispiel. DasMaßwerk der Fenster wird nun nicht mehr in geometrischer Strenge gebildet; dagegenkommen sehr reich durchgeführte Anordnungen vor, wie die große Fensterrose derSt. Lorenzkirche in Nürnberg und die Brautpforte der Sebalduskirche daselbst. Diegroßen Sakramentshänser im Innern der Kirche sind mit Fischblasenmustern, geschwungenenFialen und naturalistischen, die Baumäste nachahmenden Profilierungen ausgestattet. Der-artiges bietet auch der nicht ausgeführte Entwurf Böblingers znm Turmhelm des Ulmer Münsters. Das Laubornament bekommt die großen Buckeln am TeilunHspunkte der Rippen.
Die figürliche Skulptur wird weich und malerisch, obgleich daneben das Streben nachNaturwahrheit und Individualisierung vorhanden ist. Es läßt sich eine kölnische und eineNürnberger Schule unterscheiden, sonst sind die Grenzen verwischt, und im ganzen werden
die schlanken gebogenen Gestalten mit weichem, jugendlich an-mutigem Ausdruck vorherrschend. In der Grabskulptur findensich besonders Frauenporträts von großer Anmut und Zartheit.Die Schöpfungen Adam Krafts und Peter Wischers in Nürnberg leiten bereits zur Renaissance über. Die Polychromie derSpätgotik, in Anwendung auf das Innere der Kirchen, bleibtimmer noch einfach. Die Koglerkirche in Marburg ist weiß mithellroten Gliederungen, während die Gewülbekappen Laubwerkzeigen. In der Schloßkapelle zu Marburg sind die Flächen mitgrünem Rankenwerk und bunten figürlichen Darstellungen gefüllt:der untere Teil der Wand ist teppichartig beinalt in schwarzerZeichnung auf gelbem Grunde. Die figürliche Wandmalereiwird noch immer gepflegt und läßt mehrere Schulen unterscheiden.Zur kölnischen Schule gehörten die Wandgemälde der Deutsch-ordenskirche zu Ramersdorf, die nur noch in Kopien vorhandensind, ebenso die erhaltenen in der Krypta zu St. Gereon inKöln. Die Tafelmalerei wird in Köln durch Meister Wilhelmzu großer Bedeutung erhoben. Der Inhalt seiner Bilder istganz idealistisch, die heilige Jungfrau oder andre jungfräulicheHeilige werden in paradiesischer Umgebung im Garten mit gol-dener Luft dargestellt. Später, unter Meister Stephan von Köln,wird die Darstellung realistischer in der Körperbildung und inder Wiedergabe des Zeitkostüms. Das Kölner Dombild bezeichnetden Höhepunkt dieser Malweise. Aus der westfälischen Schule,die im ganzen mit der kölnischen übereinstimmt, sind großeAltarwerke vorhanden. Die Nürnberger Schule unterscheidet sichdurch ein realistisches, nüchternes Wesen. In der zweiten Hälftedes 15. Jahrhunderts zeigt sich in Deutschland der Einfluß derniederländischen van Eyckschen Schule. Nürnberg hat in dieserZeit seinen Meister Wolgemuth, im Elsaß lebt der damalsbedeutendste deutsche Maler, Martin Schongauer , und inAugsburg wird Hans Holbein der Ältere der Schöpfer zahlreicher Nltarwerke. Die Glas-malerei steht in voller Blüte, unterstützt von zwei neuen Erfindungen, der gelben Malfarbeund dem Ausschleifen der roten liberfangsglasur. Gegen 1500 kommt eine neue, dritte Glas-malfarbe auf, das Eisenrot, später gelingt es dann, alle übrigen Malfarben herzustellen, aberohne daß es gelingt, die Leuchtkraft der alten Hüttengläser zu erreichen. Die Glasmalereinähert sich durch Schattierung und Modellierung immer mehr der Tafelmalerei. Eine wichtigeVerbindung der Skulptur mit der Malerei stellt sich in den großen geschnitzten Altarwerken dar.Hans Schuhlein und Georg Syrlin in Schwaben, Tilman Riemenschneider, Veit Stoß undAdam Kraft in Franken, Hans Brüggemann in Schleswig werden als berühmte Meistergeschnitzter und gemalter Altarwerke genannt.
Die Profanbauten in den Städten, die Wohnhäuser, die Rathäuser, Gildehäuserund Hospitäler, dann die Befestigungen mit Türmen und Thoren, ebenso die Burgen undSchlösser, nahmen den gotischen Stil an und bildeten denselben für ihre besonderenZwecke aus; namentlich machen sich bereits in den Fassaden gewisse wiederkehrende,typische Bildungen bemerkbar. In den zn Wohnungszwecken dienenden klösterlichenBauten kommen oft besonders reiche Gewölbebildnngen zur Anwendung. Ein schönesBeispiel dieser Art bietet das Sommerrefektorium des Klosters Bebenhausen in Schwaben