Band 
Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
Seite
223
JPEG-Download
 

223

Gotische Bauwerke in Deutschland und Böhmen .

Platt-Elz zeigt noch Teile der ersten Burganlage, hier steht in der Ecke der ursprünglicheTurm. Ein andrer Teil der Burg enthält Haus Rübenach und Bodendorf. DenHauptraum bildet der Fahnensaal, ein unregelmäßiges Fünfeck mit reichem Netzgewölbeund zierlichem Erker. Die großartigste gotische Burganlage Deutschlands ist das Ordens-schloß des Deutschordcns zu Marieuburg. Das Hochschloß und das Mittelschloß sind nochgrößtenteils, die am tiefsten gelegene Vorburg ist nur in Trümmern erhalten. Das Hoch-schloß bildet den älteren Teil, der als Hauptränme den Kapitelsaal und die Kapelle ent-hält. Der Kapitelsaal war mit einem Sterngewölbe überdeckt, welches auf drei schlankenMittelpfeilern ruhte. Die Wandkonsolen des Saales sind aus marmorähnlichem Kalksteinhergestellt, die Dienste über denselben aus gebranntem Thon. Die Wände waren mitgraublauem Putz überzogen und die Gliederungen gefärbt. Nach den Berichten schmücktendie Bilder der Hochmeister, unter Baldachinen stehend, die Wände. An der äußeren Ost-seite der Kapelle befindet sich die Kolossalfigur der heiligen Jungfrau mit dem Christus-kinde vor einem Goldgründe in hohem Relief ausgeführt und mit Glasmosaik farbigausgelegt. Das Mittelschloß lagert sich ebenfalls um einen Hof und enthält den berühmtenKonventsremter, dessen gleichfalls auf drei Säulen ruhendes Sterngewölbe eine hoheVollendung zeigt. Die Hochmeisterwohnung des Mittelschlosses ist äußerlich wie innerlichvon würdevoller Erscheinung. Besonders mächtig wirkt der jüngere Bau der Hochmeister-wohnung. Äußerlich sind die beiden Remter, der große Remter des Hochmeisters und derkleine, durch einen starken Pfeiler geschieden. Die Fenster des großen Remters sind untendrei-, oben zweiteilig und reich mit Maßwerk geschmückt. Die Pfeiler zwischen den Fensternsind durch Säulchen und Nischen gegliedert. Der Ban schließt mit einem Zinnenkranz,der besonders über den breiten Eckpfeilern auf Kragsteinen kräftig hervortritt. An denFassaden sind der gerade Sturz und der flache Bogen an Stelle des Spitzbogens an-gewendet und geben dem Ganzen einen originellen, von der kirchlichen Kunst scharf unter-schiedene!! Ausdruck. Eine andre Gründung des Deutschen Ritterordens ist das Schloß inKönigsberg , welches sich aus einem kleinen Holzbau entwickelt hat. Das neue Schloßgruppiert sich um einen weiten Hof. Erhalten aus gotischer Zeit ist der westliche Flügel-bau, in dem sich die Schloßkirche befindet; sie bildet einen zweischiffigen, durch vier Granit-pfeiler geteilten Raum, welcher mit Sterngewölben überdeckt ist, der über der Kircheliegende Moskowitersaal ist erst im 16. Jahrhundert ausgebaut. Der Ruprechtsbau desHeidelberger Schlosses zeigt im wesentlichen einen gotischen Aufbau, von dem ein Teil derHoffassade noch unverändert erhalten ist. Auch der Rndolfsban des Schlosses ist in seinenArchitekturformen gotisch, er ist mit verputzten Wandflächen und in der Ostfront mit einemzierlichen Erker ausgestattet. Das Schloß Albrechtsburg bei Meißen , für eine doppelteHofhaltung eingerichtet, ist eins der vornehmsten, von Grund auf neu geplanten Schloß-bauwerke in Deutschland . Die Profanarchitektur des Mittelalters hat nicht viel Räumegeschaffen, die sich mit denen der Albrechtsburg an malerischem Reiz messen können. Be-sonders sind hier die Zellengewölbe mit erstaunlicher technischer Virtuosität durchgebildet.Der große Wendelstein ist höchst bemerkenswert, vermutlich ist derselbe das Vorbild derähnlichen Anlagen in Dresden, Torgau und Berlin geworden.

Böhmen gehört in der gotischen Periode zu den von Deutschland abhängigenGrenzländern. Unter den luxemburgischen Kaisern wurde die Gotik nach Böhmen ver-pflanzt und stand zunächst wieder unter französischem Einfluß, bald jedoch machte sich eineentschieden deutsche Richtung geltend. Der St. Veitsdom in Prag wird von MeisterMatthias aus Arras begonnen. Die Anlage ist fünfschiffig, der fünfseitige Chor ist vonKapellen umgeben. Das Querhaus sollte an beiden Seiten weit vortreten, ist aber nuran der nördlichen Seite ausgeführt. Das Langhaus ist ebenfalls nur zum kleinen Teilzur Ausführung gekommen. Nach dem ersten Plane wurden nur der Kapellenkranz undder Umgang bis zur Höhe der unteren Galerie ausgeführt. Dann trat der deutsche Meister Peter von Schwäbisch-Gmünd als Bauleiter auf und vollendete den Chor, bautedie Wcnzelskapelle und legte die Kirchenschiffe in ihrem ganzen Umfange an. Gegen dieEinfachheit des flandrischen Meisters bildet die Vorliebe Meister Peters für reiche Deko-ration und kräftige Profilierung einen entschiedenen Gegensatz. Ebenfalls von Peter von