224 Gotische Bauwerke in Böhmen, der Schweiz und den Niederlanden.
Gmünd ist der Chor der Bartholomäuskirche zu Kolin erbaut und der Chor der Barbara-kirche zu Kuttenberg . Hier ist das Mittelschiff mit fünf Seiten des Achtecks geschlossen,und acht Kapellen umgeben den Chor. Der mittlere Pfeiler der letzteren liegt hier alsohinter der mittleren Arkade des Mittelschiffchores. Meister Matthias und Peter vonGmünd sind auch die Erbauer der Burg Karlstein bei Prag für Kaiser Karl IV. ,welche eine Nachahmung der Gralsburg mit der Kirche des heiligen Kreuzes gibt und zurAufbewahrung der Reichskleinodien bestimmt war. Die Burg bestand aus dein Zwinger,der eigentlichen Burg, der Kollegiatkirche Maria Himmelfahrt und dem großen Turmemit der Kreuzkapelle. Eine besonders phantastisch-dekorative Ausstattung erhielt einekleine, der heiligen Katharina geweihte Kapelle, welche mit der Marienkirche in Ver-bindung steht. Alle Wände der Kapelle sind mit Edelsteinen belegt, und die Zwischenräumesind vergoldet. Selbst die Schlußsteine der Gewölbe sind mit Edelsteinen belegt. Ebensoprächtig dekoriert ist die mit zwei Kreuzgewölben überspannte heilige Kreuzkapelle desTurmes. Ein 2 in hoher, mit Amethysten, Achaten und Karneolen besetzter Sockelumzieht den Raum, oberhalb desselben sind an den Wänden Tafelbilder und in denFensternischen Wandmalereien angebracht. Am Gewölbe zeigen sich wieder auf blauemGrunde taufende von gläsernen, auf der Innenseite vergoldeten oder versilberten Sternen,in den beiden dem Altare zugekehrten Gewölbefeldern aber Sonne und Mond. Das Äußereder Burgbauten auf Karlstein war einfach gehalten. Als plastisches Werk ist die Reiter-figur des heiligen Georg zu Prag in halber Lebensgröße, in Bronze gegossen, wegenseiner lebensvollen Auffassung bemerkenswert, obgleich die Verhältnisse keineswegs richtigsind. Für die böhmische Malerschule dieser Zeit, als deren Vertreter Theoderich von Prag gelten kann, sind die Wandgemälde der Heilig-Kreuzkapelle des Karlsteins bezeichnend, diein schwerer, derber, aber großartiger Weise ausgeführt sind.
Die Gruppe der östlichen Grenzländer, Polen, Galizien, Mähren, Ungarn ,Siebenbürgen und endlich Rußland , erhielt die Gotik durch deutsche Vermittelung. NeueFormen treten in diesen Ländern nicht auf.
In den westlichen Grenzländern, Schweiz und Lothringen , kreuzen sich fran-zösische und deutsche Einflüsse. Die Hanptbauten der französischen Schweiz , die Kathedralevon Genf und Lausanne , zeigen frühgotische Konstruktionen mit romanischem Detail. Dashervorragendste gotische Monument der deutschen Schweiz, das Münster zu Basel , ist reichan figürlicher Skulptur. Lothringen besitzt im Bau der Templer-Commanderie zu Metz einen frühgotischen Bau. An dem im 13. Jahrhundert begonnenen Dom zu Metz wirdbis in das 16. Jahrhundert hinein fortgebant.
Die belgische Gotik ist mehr von Frankreich, die holländische mehr von Deutsch-land abhängig. Der Steinbau der Kathedrale von Utrecht gehört in die kölnische Schule,übrigens ist allgemeiner in Holland ein einfacher Ziegelbau üblich. St. Gudula in Brüssel ist ganz französisch, ebenso die Liebfranenkirche zu Brügge und der schöne Chor der Kathe-drale von Tournai. Das bedeutendste Werk gotischer Kunst in Belgien , die Kathedralezu Antwerpen , hat zwei Türme und in ganz ungewöhnlicher Weise sieben Schiffe. Dassogenannte flammende Maßwerk der französischen Spätgotik findet in den Niederlandeneine weite Verbreitung.
In den Niederlanden übertrifft die Profane Baukunst infolge des Aufschwunges desHandels die kirchliche,- so entlehnt das Rathaus zu Brüssel seine äußere Erscheinung demKirchenbau. Dasselbe besitzt einen schönen Mittelturm. Die Stadthäuser zu Brügge ,Gent , Ondenaarde und Löwen gehören zu den üppigsten Leistungen der Spätgotik. AmRathause zu Kempen stammt noch einiges aus spätgotischer Zeit. Die Bauten der Gildenwerden in ähnlicher Weise wie die Rathäuser im unteren Teile zu Hallen für den Markt-verkehr eingerichtet, während in den oberen Stockwerken die andern Geschäftsräume unter-gebracht werden. Die berühmteste derartige Anlage ist die zu Brügge , prächtiger noch istdie Halle zu Apern, welche mit einem mächtigen Turme versehen ist.
Die große That der niederländischen Kunst, an der Grenze zwischen Gotik undRenaissance, ist der Aufschwung, den die Tafelmalerei durch die Brüder Hubert undJohann van Eyck nimmt, welche zugleich als Erfinder der Ölmalerei gelten. Die