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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Bauwerke der Frührenaissance in Italien .

die Gliederung der Außenwände hatte sich die Renaissance der in der Antike gegebenenVorbilder für mehrstöckige Bauten bemächtigt, welche in den römischen Theatern, in demdamals noch vorhandenen Septizoninm Severi, nicht minder in den Triumphbogen ge-geben waren. Falls bogentragende Säulen vorkommen, so erhalten diese wieder ihrGebälkstück, und die Bogen nehmen das antike Rahmprofil an. Eine neue Form führteAlberti in der Fassade von S. Maria novella zu Florenz in den Kirchenbau ein, nämlichdie in Volutenform gebildeten Halbgiebel für die Dächer der Seitenschiffe. Diese Form fandvielfache Nachahmung, zunächst in Rom durch Baccio Pintelli an S. Agostino, und zwarin der ganz nnarchitektonischen Nachbildung eines Winkelblattes des antik-ionischen Kapi-tells. An Palazzo Fantuzzi in Bologna finden sich die ersten Halbsäulen mit Rustika-oberfläche, ebenfalls als Nachbildung eines antiken Motivs. In Venedig wird die Früh-renaissance erst recht dekorativ, indem sie Pilaster mit Rahmprofilen anwendet, derenTafel mit Arabesken oder farbigen Marmorscheiben gefüllt wird. Den oberen Abschlußder Gebäude bilden hier meist Rnndgiebel, vermutlich als eine Ableitung von S. Marcozu betrachten. Eines der prachtvollsten Beispiele der rnndbogigen Abschlüsse bietet dieScuola di Sän Rocco. Palazzo Vendramin-Calergi erhält bereits vorgesetzte Säulen inbeiden Obergeschossen, damals eine Anordnung von ungemeiner Pracht. Eine vornehmeAusbildung erhalten die Höfe der Palastbauten; so zeigt die Halle des großen Hofes imPalazzo di Venezia zu Rom Pfeiler mit Halbsäulen, welche unten toscanisch, oben korin-thisch, nach dem Muster des Kolosseums gebildet sind. Die Kapitellbildnngen der Früh-renaissance zeigen meist eine sehr freie Nachahmung der Antike, und zwar am häufigstender korinthischen und kompositen Kapitelle, seltener der ionischen.

Die Skulptur stand immer noch in innigster Verbindung mit der Baukunst. LorenzoGhiberti hatte an den Bronzethüren des Baptisteriums in Florenz eine alles Frühere über-bietende Leistung gegeben. Die Reliefs der nördlichen Thür sind lebendig und ausdrucksvoll,und die der berühmteren östlichen Thüren sind bereits ganz malerisch mit landschaftlichen Hinter-gründen und perspektivischen Baulichkeiten ausgestattet. Außerdem zeigt das Laubwerk derEinfassungen eine frisch-naturalistische, durchaus von der Antike unabhängige Bildung. Jacopodella Ouercia gibt an der Fönte gaja in Sicna Skulpturen im neuen Stil. Donatello inFlorenz zeigt den neuen Geist in dem Ausdrucke einer mächtigen individuellen Bildung seinerGestalten. Von ihm ist bereits eine vortreffliche bronzene Reiterstatue, die des Gattademala inPadua , geschaffen. In Andrea dell' Verrocchios Werken zeigt sich eine Art von Realismus, er gibtmeist die Wirklichkeit des Lebens ohne höhere Auffassung. Von ihm ist wieder eine meisterhafte Reiter-statue, die des Coleoni in Venedig , vorhanden. Den eigentlichsten Ausdruck der Frührenaissance,eine liebenswürdige formvollendete Verzieruugskunst» finden wir reichlich an den Grabmälern,Altären, Kanzeln u. s. w. angewendet, harmonisch mit der Architektur zusammenwirkend.Francesco Sguarcione in Padua wird als einer der Hauptmeister der dekorativen Richtunggenannt; aber auch die vorgenannten großen Architekten und Bildhauer verschmähten es nicht,dekorative Werke hervorzubringen. Bedeutungsvoll für die Frührenaissance wird die von Lucadella Robbia in Florenz ins Leben gerufene Thonplastik. Dieselbe bethätigt sich meist an weißenund mehrfarbigen emaillierten Reliefs und Statuen, welche zum Schmucke der Bauten ver-wendet werden.

Die Grabdenkmäler der Frührenaissance folgen in der Hauptgestaltung dem gotischen Vor-bilde, nur in der Bildung der Einzelheiten äußert sich der neue Stil. Es ist immer wiederder Sarkophag mit einer liegenden Figur gegeben, das Ganze meist in einer Nische stehend.Das Grabmal Marzuppini in S. Croce zu Florenz bezeichnet einen Höhepunkt in der Aus-bildung der Marmordekoration. Einer der größten Ornamentmeister ist Mino da Fiesole ,welcher in Flvrenz und Rom thätig ist. Als hauptsächliches ornamentales Pflanzenmotiv er-scheint der Akanthus wieder nach römischen Vorbildern, daneben jedoch macht sich das ein-heimische Blattwerk geltend, wie dies in S. Maria de' Miracoli und sonst in Venedig häufigder Fall ist. Vorzüglich ausgeführte Marmorornamentik bietet auch die von den Rodari aus-geführte Marmorfassade der Certosa bei Pavia . Die Holzdecken, in Kassettenform, werden häufigsehr reich und mit vergoldeten Ornamenten ausgeführt; erhalten sind ein paar vorzügliche Deckenin der Sala de' Busti und der Camera a letto des Dvgenpalastes in Venedig . Die zahlreichenmit Intarsien geschmückten Thüren, Wandtäfelungen und Chorgestühle können nur erwähnt werden.

Für den Ausdruck der zeitgemäßen Ideen wird immer mehr die Malerei benutzt. Dieflorentinische Schule mit Masaccio und Masolino steht wieder voran und schafft in der CapellaBrancacci der Karmeliterkirche zu Florenz das erste Maiwerk der Renaissance. Bemerkenswertsind hier die Fortschritte in der Darstellung des Nackten, zugleich die Vollendung in der freiestenund edelsten Charakteristik der Gestalten, neben der Einführung zeitgenössischer Porträtfigurenals Mithandelnde oder Zuschauer. An diese ersten Meister schließen sich eine Anzahl glänzender

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