Bauwerke der Hochrenaissance in Italien . 2Z7
die genauen Studien nach den altrömischen Monumenten, dem Friedenstempel, demPantheon n. a. unverkennbar. Überhaupt gewann zur Zeit der Hochrenaissance die aufPfeilern gewölbte Kirche den Vorrang über die Säulenkirche, während zugleich die größteFreiheit in der Wahl der Grundrißformen herrschte. Die Kirche S. Lorenzo in Damasozu Rom, von Bramante erbaut, bildet ein großes gewölbtes Viereck, mit Pfeilerhallenauf drei Seiten; die nach hinten anschließende Tribuna erhält fast ausschließliches Ober-licht durch das mächtige Halbrnndfensterlinks. Raffaels Kirche S. Eligio dcgliOrefici in Rom erscheint wieder alsgriechisches Kreuz mit Mittelkuppel. DieKirche S. Ginstina in Padna, von AndreaRiccio erbaut, gibt eine großartige, durch-aus gewölbte Anlage. Die Nebenschiffesind mittels kolossaler Tonnengewölbeüberdeckt, welche unmittelbar die jedes-malige Hochkuppel oder Flachkuppel desMittelschiffes tragen. Die Querarme sindrund abgeschlossen, ebenso ihre Seiten-arme und die des beträchtlich verlängertenChores. S. Salvatore in Venedig , vonSpavento entworfen, zeigt drei flache Kup-peln hintereinander, welche auf Tonnen-gewölben ruhen, deren Eckränme wiedermit kleinen Kuppeln bedeckt sind.
Die Muster für die Fassadengestal-tung ergeben jetzt, wie in der früherenPeriode, die Reste der antik-römischenGebäude, indes wird nun das einzelnestrenger gebildet und zeigt einen gewissenFortschritt zum Organischen. Es entwickeltsich der Sinn für die Verhältnisse, infreier Nachahmung der Antike. Bramante führte am Palaste der Cancellaria in Rom die Vorsprünge einzelner Fassadenteile ein,zugleich wieder die rhythmische Travce,welche durch Anwendung Paarweiser Pi-laster, die durch einen größeren Zwischen-raum getrennt sind, gebildet wird. DasErdgeschoß bleibt ohne Pilaster, und dasstufenweise Leichterwerden nach oben istnicht allein in der verschiedenen Bildungder Rustika, sondern auch in der Formder Fenster ausgedrückt. Der vatikanischePalast erhielt durch Bramante seine blei-bende Gestaltung, obgleich die Pläne desMeisters nur zum Teil zur Ausführunggekommen und das Geschaffene nur zumTeil erhalten ist. Der Giardino della Pigna des Vatikans sollte an beiden Seiten mit Bogen-hallen umgeben werden, und breite doppelte Rampentreppen sollten aus dem tiefer gelegenenunteren Hof in den Giardino hinaufführen. Die abschließende Hauptform würde die zur Aus-führung gekommene, kolossale Nische mit Halbknppel gebildet haben, über welcher sich einhalbrunder Säulengang mit tempelartigen Schlußfronten hinzieht. Der vordere dreiseitigeHallenhof des Vatikans, der Cortile di Sän Damaso, ist nach Bramantes Plan, zum Teil vonihm selbst, zum Teil von Späteren ausgeführt. Bramante erbaute im Vatikan noch die spiral-
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