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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Bauwerke der Renaissance in Italien und Frankreich .

Farnesina zu Rom hat Peruzzi das Muster eines vornehmen Gartenhauses geschaffen.Der mittlere Hallenbau der Farnesina steht mit den vortretenden Seitenflügeln in har-monischer Wechselwirkung; die einfachsten Pilaster fassen das obere und untere Stockwerkein, das einzige plastische Schmuckstück ist der obere Fries. Die Mezzaningcschosse sindnicht besonders hervorgehoben, sondern mit den Hanptgeschossen zusammengezogen. DerHauptnachdruck ist auf die außerordentlich reiche malerische Innenausstattung gelegt. Ähnlichschöne Gartenhäuser hat Falconetti im Hofe des Palazzo Giustiniani in Padna geschaffen,das eine mit Wandsäulen, das andre mit Mastern in zwei Stockwerken; jenes enthälteinen oberen und unteren Saal, dieses ein anmutiges achteckiges Gemach mit Nischen, einpaar Nebenräume und oben eine offene Loggia. Das Beispiel einer großartigen Billen-anlage bietet Villa Madama bei Rom, deren Plan von Raffael herrührt, die aber spätervon Giulio Romano ausgeführt ist. Es ist hier möglichst weniges in großen Formenhergestellt. Das Äußere zeigt nur eine Ordnung Pilaster, ähnlich wie am Palazzo del Te ,und in der Mitte eine dreibogige geöffnete Halle.

I» der Skulptur tritt ebenfalls das Studium der Autike mächtig hervor und äußert sichin dem bewußten Hervorheben des Gegensatzes der einzelnen Teile der Figuren zu einander,dem sogenannten Contrapvsto. Andrea Sansoviuo ist der hervorragendste Meister dieser Zeit,von ihm sind die schonen Prälatengräber am Chor von S. Maria del Popolo in Rom aus-geführt. Die große Malerei der Blütezeit beginnt wieder in Florenz mit den Werken desLeonardo da Vinci , der den Vorzug hat, Idealismus und Realismus im höchsten Gradein sich zu vereinigen. Von seinen Wandmalereien mag hier nur das weltberühmte Abendmahlim Refektorium des Klosters S. Maria delle Grazie in Mailand genannt werden, ein Gemälde,dessen Wirkung auf Spätere ins unendliche geht. Den eigentlichsten Ausdruck für die Malereidieser Zeit findet aber Raffael ; er erreicht in der Darstellung göttlicher und heiliger Personendas Höchste, auf ähnlichem Wege wie die Griechen, nämlich durch den Ausdruck des Ewigenund Göttlichen in den Gestalten selbst, ohne die Beigabe äußerer Zuthaten. Von einer Schilde-rung der allbek,»inten Schöpfungen Raffaels kann an dieser Stelle füglich Abstand genommenwerden. An Raffael knüpft sich eine bedeutende Schule. Die Malerei Venedigs vertritt Tizian durch seine großartigen, in ideale Höhe gehobenen Existenzbilder.

Die dekorative Lust der Frührenaissance hat abgenommen, obgleich erst jetzt die Arabeskeihre schönste Ausbildung erhält, namentlich an den Marmvrgrabmälern. Die Stuckornamemikfindet vielfach in den Bauten Anwendung, wie unter anderen an der Scala d'oro im Dvgcn-palaste zu Venedig , in der Capella del Santa in Padna u. a. In den Hvlzarbeiten tritt dieSchnitzerei meist an Stelle der früheren Intarsien. Für die dekorative Malerei bilden dievon Raffael und seinen Schülern ausgeführten Loggien im zweiten Stockwerke des Cortile diSän Damast im Vatikan ein wichtiges Ereignis. Auf diese Malereien hatte die Aufdeckungder Titusthermen in Rom einen entscheidenden Einfluß geübt, obgleich Raffael die antikenMotive mit größter Freiheit behandelt hat. An den Malereien der Lvggien, wie an denender unteren Halle der Villa Madama war Giov. da Ildine in hervorragendem Maße beteiligt.Dieser ist zugleich Stnccator und hat meist den Stuck mit der Malerei verbunden, ivic diesauch in der Villa Madama der Fall ist, Perm del Vaga verpflanzte den RafsaelischenDekorationsstil nach Genua. Giulio Romano schuf sein dekoratives Hauptwerk im Innern desPalazzo del Te in Mantua , in dessen Räumen Stuck und Malerei in reichster Weise zusammen-wirken. Die Fassadenmalcrei ak trssoo blüht in der Periode der Hochrenaissance wie früher.

Erst zur Zeit der italienischen Hochrenaissance verpflanzte sich der neue Stil in dieLänder jenseit der Alpen, konnte sich indes hier nicht, wie in Italien , auf dein Grundedes Einheimischen entwickeln, sondern mußte den Anstoß von außen erhalten. In West-europa hatte die Gotik feste Wurzeln geschlagen und ließ sich nicht so leicht verdrängen;man hielt auch immer noch an den gotischen Hanptanordnungen der Gebäude fest, alsschon die Einzelheiten im Stil der Renaissance gebildet wurden. Es entstanden deshalbdiese Bauten der nordischen Frührenaissance, welche mit gotischen Erkern, steilen Giebelnund Dachaufbauten versehen sind, aber im einzelnen die Formen der Renaissance zeigen.

In Frankreich setzt die Renaissance am Ende des 15. Jahrhunderts ein, wesentlichdurch die persönliche Einwirkung italienischer Meister bedingt. Fra Giocondo aus Verona soll das Schloß von Bury und die Notre-Dame Brücke in Paris erbaut haben, seinAnteil am Schloß Gaillon ist zweifelhafter. Schloß Amboise und Schloß Gaillon sindvermutlich von französischen Architekten errichtet, jedoch von italienischen Dekorateurenausgestattet. Ein Hauptwerk der französisch -italienischen Frührenaissance ist das für KönigFranz I. von Serlio aus Bologna erbaute Schloß Fontainebleau . Der. ovale Hof, die