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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Bauwerke der Spätrenaissance in Italien und Frankreich .

sixtinischen Kapelle im Vatikan zeigen eine alles frühere übertreffende Kraft der Empfindung:zugleich geben dieselben eine feste architektonische Einteilung, welche durch die Abstufung der Farbeund die Anordnung der Bilder zum Ausdrucke kommt. Die Geschichten füllen die Felder desGewölbespiegels, die Einzelfiguren erhalten ihren Platz an den Vouten, die Gruppen finden anden Gewölben der Stichkappcn oder an den Lünetten Platz, und die latenten Kräfte des Gewölbeskommen in den Kinderfiguren zum Ausdrucke, welche die Throne der Sibyllen und Prophetenstützen. An der Stelle, wo die Vouten mit dem Gewölbespiegel zusammenstoßen, wo nichts mehrzu tragen ist, sitzen männliche Figuren in sreiester, leichtester Stellung. Im Prinzip ganz anderswie Michelangelo und doch wieder angemessen verfährt Correggio in Parma in seinen Kuppel-malereien; er denkt sich das Gewölbe als einen freien, himmlischen Raum, in dem seine Figuren-gruppen schweben. Seine Kuppel in S. Giovanni zu Parma gibt Christus in der Glorie vonAposteln umgeben, als eine Vision des Johannes aufgefaßt. Beide Arten der Gewölbemalerei,die des Michelangelo und die des Correggio sind von unabsehbarer Folgewirkung. In derdekorativen Malerei bilden Kartuschen und Masken den Ersatz für das frühere Rankenwerk, undzwar in einer Mischung des Einfarbigen und Vielfarbigen. Poccetti in Florenz ist einer dergeistvollsten Dekoratoren dieser Zeit, wie namentlich an den reichen Deckenmalereien im erstenGange der llffizien, dann in den mit Stuck gemischten Malereien in der Halle des Seitenhofesim Palazzo Pitti zu bemerken ist. Es treten jetzt die großen Maler-Unternehmer und Schnell-maler auf, wie die Zuccheri aus Florenz , die ganze Schlösser im Fluge mit Dekorationen aus-statten. Eine Reihe weltlicher Prachträume von reichster Durchbildung bieten die Räume deszweiten Stockes im Dogenpalast zu Venedig , das Atrio quadrato, die Sala delle quatro Porte undandre Säle. Die genannten Räume zeigen sämtlich ein schönes unteres Wandgetäfel, figuren-gekrönte Thüren, Marmorkamine mit Atlanten und allegorischen Figuren, endlich schwere ver-goldete Einfassungen der Deckenbilder und sind durch ihre die höchste Machtfülle zum Ausdruckbringende Erscheinung vorbildlich für eine ganze Anzahl späterer Schöpfungen geworden. PaoloVerwiese ist der eigentliche Prunkmaler von Venedig , schon durch sein echt dekoratives Kolorit,und benutzt das Kirchliche eigentlich nur zum Vorwand für die glänzende Wiedergabe des zeit-genössischen venezianischen Lebens. In der Töpferei tritt jetzt die Mczzamajolika auf, an Thon-geschirren mit einem Überzüge von feinerem Thon und perlmutterglänzender Glasur, rot undgelb in den Fabrikaten von Pesarv, gold-, silber- und kupferfarbig an denen von Gubbio .

Die nationale Renaissance in Frankreich , wie sich dieselbe in der zweitenHälfte des 16. Jahrhunderts ausbildet, kann auf selbständige Bedeutung Anspruch machen,wenigstens auf dein Gebiete der Baukunst. Zunächst erfolgte die Gründung der Schulevon Fontainebleau durch Italiener, Rosso von Florenz und Primaticcio von Bologna,beeinflußt von der italienischen Spätrenaissance; indes wurden die einheimischen KünstlerBrillant, Lescot, Goujon und Delorme bald die Schöpfer einer spezifisch französischenRenaissance im Anschluß an die Frührenaissance und in einer gewissen Bewahrung dergotischen Überlieferungen für die Hauptanordnnngen der Bauten. Rosso und Primaticciowurden etwa ein Jahr nacheinander von König Franz I. berufen, um das Schloß Fontaine-blean zu vollenden; sie waren von einer Schar italienischer Maler und Stuckarbeiterbegleitet. Rosso ist der Meister der Galerie Fransvis I. in Fontainebleau , welche vonPrimaticcio nur vollendet wurde. Dieselbe bildet einen langen korridorartigen, von einerSeite mit Fenstern versehenen Raum mit Holzdecke; über einer reich geschnitzten Holz-täfelung der Wände folgen Gruppen von je drei frei hervortretenden Stuckhermen, welchedie Konsolen der Holzbalkendecke tragen. Schwere Kartuschenformen, welche Bilder um-rahmen, füllen den Raum zwischen den Hermen. Der Fries unter der Decke enthält einverhältnismäßig feines Rankenwerk und die Decke eine Kassettenteilnng in geometrischenMustern. Andre Wandfelder zeigen zwischen den viereckig gerahmten Bildern eine per-spektivische Nischenarchitektnr mit Säulen, welche rund vortretende figürliche Gruppeneinschließt. Die Schmalwände zwischen den Thüren enthalten wieder runde Kartuschenmit Hochreliefs oder Büsten und sind außerdem mit derb naturalistisch gebildeten Frucht-schnüren ausgestattet. Primaticcio, zunächst für die Dekoration der Galerie d'Ulhsseberufen, hat in der Galerie Henri II. sein Meisterwerk hinterlassen. Der Raum ist breiterund weniger lang als die Galerie Franxois I. und gewinnt durch die tiefen, mit Bogengeschlossenen Fensternischen auf beiden Seiten einen besonders malerischen Charakter. DieWände zeigen unten wieder eine Täfelung mit Pilastern, darüber folgen bis zum Kämpferder Wandbvgen Bilder in viereckigen, mäßig verzierten Stuckrahmen, in den Bogen-lünetten und den Zwickeln befinden sich wieder Malereien. Die Holzdecke, ohne Balken-teilung, zeigt tiefe achteckige Kassetten, welche durch Kartuschen und Rosetten verziert sind.