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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Bauwerke der zweiten Barockperiode in Deutschland .

errichtet die Dreifaltigkeitskirche in München , einen Kuppelbau mit kurzen Kreuzflügeln,im borrominesken Sinne. Petrini erbaut in Würzburg die Kirche des Stifts Hang undin Bambcrg das Gymnasium. In Schwaben ist Frisoni mehrfach thätig; er errichtetKloster Weingarten bei Ravensberg, Schloß Ludwigsburg und das Schlößchen Favoritebei Ludwigsburg . Selbst in den Rheinlanden begegnen wir mehrfach den italienischenBaumeistern. Indes fehlt auch den Leistungen der Italiener das deutsche Element nichtganz, dasselbe tritt besonders in der Dekoration zu Tage. In der großartigen Gartenhalledes Palastes Waldstein zu Prag verraten die naturalistische Ornamentik und die vielfachverkröpften Einrahmungen einen deutschen Zug. Die Carlone machen in der Stuckierungihrer Kirchen einen häufigen Gebrauch von Blättergewinden an der Unterfläche derGesimsplatten, an den Decken zeigen sich frei herabhängende Laubkränze und in Füllungennaturalistische Rosen- und Lorbcerzweige. Die Fresken der kirchlichen und Profangebäudesind meistens schon von Deutschen ausgeführt. Das großartigste Dekorationswerk desCarl Antonio Carlone ist das Innere des Domes zu Passau , in dem das Figürliche über-mäßig und häufig an Stellen, wo etwas zu verstecken ist, in Anwendung kommt.

Im nördlichen und mittleren Deutschland sind es meist Holländer und Franzosen ,welche den neuen Stil einführen. Die Holländer Meinhard, Smids, Rüdiger von Langes-veld, Ryckwärts sind in Potsdam, Berlin, Oranienburg, Köpenick und Zerbst mit demBau von Schlössern und Kirchen beschäftigt. In Thüringen begegnen wir einem deutschen Architekten Moritz Richter, der in Weimar, Weißensels und Eisenberg baut. Der wichtigsteBan Dresdens aus dieser Zeit ist das Lusthans im Großen Garten, von Starcke erbaut,welches durch malerische Bewegung der Massen und reiche Detaitbildnng auffällt. InKassel ist der hugenottische Architekt Paul Dury vielfach beschäftigt, in der Hauptsache mitdem Bau des Orangerieschlosses und des Marmorbades in der Aue; Froimont beginntden Bau des Schlosses in Mannheim und Rouge la Fosse das Schloß in Darmstadt . DieDekoration dieser Bauten ist bei weitem weniger reich als die der süddeutschen, obgleichStnckverziernngen in naturalistischer Bildung ziemlich häufig vorkommen.

Mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts erstehen in allen Teilen Deutschlands ein-heimische Meister von künstlerischer Bedeutung, obgleich neben denselben immer noch Aus-länder thätig sind. Nering in Berlin ist vermutlich deutscher Herkunft und verpflanztdahin das klassische Barock der Franzosen durch den am Berliner Schlosse erbautenschmalen Flügel an der Spree, dann durch den Umbau des Potsdamer Stadtschlosses unddurch die Erweiterung des Oranienbnrger Schlosses. Ein sehr bemerkenswerter BauNerings ist die Parochialkirche in Berlin , welche die Anlehnung an eine BramantescheKuppelkirche bietet. Die Autorschaft Nerings für den Entwurf des Zeughauses in Berlin wird bestricken, aber dem Schöpfer der Parochialkirche und des Schombergschen Palasteskann man wohl diese Leistung zutrauen. Die große Bauepoche Berlins eröffnet AndreasSchlüter, der sich auf Grund der aus Italien und Frankreich erhaltenen Anregnngen zuSchöpfungen eignen Gepräges erhob. Am Bau des Schlosses Charlottenbnrg hat Schlütersicher Anteil, wenn auch nur an der Dekoration. Am Zeughanse in Berlin gehört ihmein Teil des bildhauerischen Schmuckes. Sein architektonisches Hauptwerk ist das Königs-schloß in Berlin ; die um den östlichen Hof gelegenen Banteile können ihm unbedenklichZugeschrieben werden. Die Front nach dem Schloßplätze lehnt sich an römische Vorbilderan und wird etwas unorganisch von dem großen Säulenpvrtal durchschnitten; das PortalUach der Lustgartenseite ordnet sich besser den Stockwerksverhältnissen unter. Drei Seitenöstlichen Hofes haben große, durch zwei Stockwerke gehende Säulenstellungcn vorden Portalen erhalten; in den Zwischenteilen sind Arkaden mit dorischen Säulen, obenwit konsolartigen Stützen angeordnet, und darüber folgt am großen Treppenhause einePilasterstellung, welche wieder zwei Geschosse zusammenfaßt. Der mißglückte Baudes Münzturmes am Schlosse bildete Schlüters Verhängnis. Das später entstandene

Kamekesche Gartenhaus in Berlin , von Schlüter, zeigt eine malerische regellose^kußenarchitektur mit gekrümmten Mauermassen und ist durch übereckgestellte Wandstrcifenüud Rahmenwerk gegliedert. Eosander von Göthe erbaute am Charlottenburger Schlosseden Knppeltnrin und die Kapelle. Die in Reliefperspektive gebildeten Fenster des Mittel-bar Buch der Erfind. I. 31