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Baukunst: Rokoko und Palladianischer Klassizismus.
Die Vierung besitzt eine Mittelkuppel auf hohem Tambour, außerdem sind noch eineAnzahl Kuppeln über dem Mittelschiff und den Seitenschiffen errichtet. Das Ganzeerinnert etwas an die unterschiedslose Ausbildung einer Moschee. Ein Beispiel desChurrigueresco gibt die von Rodriguez vollendete Fassade des Stifts Santelmo in Sevilla ,in Ziegelflächen und Hansteingliederungen hergestellt und mit einem unmäßig reichenPortalban geschmückt. Von Thome rührt der berühmte Altarbau in der Kathedrale vonToledo her, ol transxaronto genannt, an dem die architektonische Gliederung ganz durchdas üppige Detail in den Hintergrund gedrängt wird. Rivero hat das phantastisch gebildetePortal des Hospicio in Madrid geliefert. Juvara und Sacchetti führen die Nachahmungder französischen Klassik ein; von beiden rührt der Bau des königlichen Schlosses inMadrid her.
In diese Periode fällt die Blüte der spanischen Malerei, welche durch Zurbaran ,Belasguez, Pereda und vor allem durch Murillo vertreten wird. Die dekorative Decken-malerei wird durch die Italiener Luca Giordano und Tiepolo ausgeübt. Der letzterelieferte besonders die Deckenfresken im Thronsaale des Schlosses zu Madrid .
In Schweden erbaut ein französischer Architekt, Nicodemns de Tessin, das könig-liche Schloß in Stockholm im römischen Palaststile. In Rußland , unter Peter demGroße», war es der Italiener Trezzini, der die ersten Monnmcntalwerke des entstehendenSt. Petersburg lieferte, die Peter-Paulskirche in der Citadelle u. a. Rastrclli erbautedas Lustschloß Strelna und Leblond das Sommerpalais.
XV. Rokoko und palladianischer Klassizismus.
Der in Deutschland Rokoko genannte Dekorationsstil entsteht in Frankreich undwird daselbst in seinen Hauptstufen als Stil Regence und Stil Louis XV. oder Rocaillebezeichnet. Einmal ist das Rokoko eine letzte Wiederaufnahme des borrominesken Barocks,eine Reaktion gegen die alternde, trockene Klassik Louis XlV., dann muß das Rokoko alsein frisches Erzeugnis nordischer Kunstphantasie gelten, welche eine Rückkehr zur Naturin der häufigen Verwendung heimischer Blattformen und Blumen, sowie der aus demtäglichen Leben gegriffenen Ornamentmotive sucht. Das Rokoko setzt im Innern an dieStelle der architektonischen Ordnungen, der Gebälke, Verdachungen, Giebel und Kassetteneine leichte Rahmgliederung und die leicht geschwungene Kehle zur Verbindung der Wandmit der geraden Decke. Der Rahmen wird jetzt selbständig dekorativ und ist nicht mehrbloß die Umschließung eines Ornaments. Zur Gestaltung des Äußern fehlen indes demRokoko die eignen Mittel; hier muß ein abgeschwächtes Barock oder der klassizicrende Zopf-stil als Ersatz eintreten. Nach dem verhältnismäßig raschen Verschwinden des Rokokos kamdie trockene klassizierende Richtung auch für die Ausstattung des Innern zur Geltung, meistals ein bewußtes Zurückgehen auf den Stil des Palladio. Nach der Mitte des 18. Jahr-hunderts gaben die Ausgrabungen in den Vesuvstädten einen Anstoß zu einer neuenDekorationsmanier „a la Arooqns", obgleich man von den griechischen Monumenten nurerst eine unsichere Kunde hatte.
In Frankreich gab Robert de Cotte noch in den letzten Regiernngsjahren Louis' XIV. die ersten Beispiele zu einer Veränderung des Dekorationsstils, die in der Galerie desHotel Brilliere zu Paris in der Bildung des Rahmenwerkes der Wände hervortreten.Eine Reihe Zimmer im Schlosse zu Versailles sind schon entschiedener in der Anwendungder Wandrahmungen, welche sich oben und unten, auch in der Mitte zn Ornamentfeldernzusammenschlingen. Die Plafonds erscheinen dann als perspektivisch gemalte Kuppelnoder als leichtes Netzwerk. In der äußeren Gestaltung seiner Bauten entfernt sich Cottenicht auffallend von der Art Hardouin-Mansarts. Der Hauptmeister des fortgeschrittenenStil Regence ist Oppenort, der in innigem Zusammenhange mit der borrominesken Schulesteht. Von seinen Bauten ist wenig erhalten, seine ornamentalen Erfindungen sind ausden Ornamentstichen zn erkennen. In Leroux' Bauten, dem Hotel de Mazarin, demHotel de Roquelanre n. a, werden die Gliederungen immer schwächer, die Trennung von