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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Bmikunst: Rokoko und Pallodimiischer Klassizismus.

Versailles ausgeführt mit einer Ornamentik iin Stile Louis XVI . und das reizendeSchlößchen Petit-Trianon daselbst. Blondel, Carpentier, Ledoux und Moreau gehörenzu den Architekten der klassizistischen Schule. Victor Louis erbaute das schöne Theaterim Palais Royal und das große Theater in Bordeaux . Am Ende der Periode stehtSoufflot mit dem Ban der Kirche St. Genevieve zu Paris , dem späteren Pantheon,und bildet damit den entschiedenen Übergang zur Neuklassik. Die Grundform der Kircheist ein griechisches Kreuz mit hoher Mittelkuppel und flachen Kuppeln über den Kreuz-armen. Der Tambour der Hauptkuppel wird, wie an St. Paul in London , von einerSäulenhalle umgeben, und die Hauptfront wird fast ganz von einem korinthischen Portikuseingenommen.

Die Rokvkozeit hat ihre eigne, ganz dem Geiste des Stiles angepaßte Malerei.Claude Gillot , der Maler der Kinderfeste und Bacchanale, steht dem Oppenort sehr nahe;er hat denselben naturalistischen Zug wie dieser. Zu den eigentlichen Schöpfern desRokoko zählt aber der Maler Antoine Watteau , dessen Bilder die damalige Gesellschaftmit ihrer gekünstelten Natürlichkeit in heiterer Anmut und bestechender Grazie wieder-geben. Francois Boucher , der Vater, kann als der Maler der zweiten Periode desRokoko gelten; feine Kinderbilder mit ländlicher Umgebung sind zwar ohne besonderenInhalt, betonen aber die reizende Form. Als großer Ornamentmeister im Genre Rocaille ist noch Babel zu nennen, der das geschwungene Rahmenwcrk gelegentlich selbständig andie Stelle des eigentlichen Baukörpers setzt. Die Einzelheiten der Rokokodekoration gestattendurchaus keine Wiederholung und deshalb kein mechanisches Abformen. Die Rahmprofileals Hauptträger des Ornaments sind gewöhnlich doppelt geführt und umschließen eineneutrale Fläche. Die Profile sind an den Ecken geschwungen und in sich gerollt, undaus diesen Endignngen entwickelt sich das begleitende Ornament, die Muschel, der insunendliche verlängerte Akanthns und ein der heimischen Flora entnommenes üppigesBlatt- und Blumenwesen. Das Plastisch-Figürliche, stets in zartem Relief, ist meist durchKinderfiguren vertreten. Die Flächen sind in hellen sanften Tönen gehalten, die Rahm-profile und Ornamente meist in Weiß und Gold, wenn nicht in selteneren Fällen dieBlätter und Blüten in gebrochenen Farben der natürlichen Wirkung angenähert werden.

Im Stil Louis XVI. erscheint in der Dekoration wieder die gerade Linie in denumrahmten Wandfeldern, welche nun mit einer selbständigen Ornamentik gefüllt sind;statt der Kartuschen erscheinen in den Thürbekrönnngen ovale Medaillons mit Laubkränzennnd Gehängen, auch das Deckengesims ist wieder geradlinig und mit einer fortlaufendenBlattreihe geziert. Endlich kommt die Arabeske wieder in Aufnahme in leicht flatterndenelliptischen Schwingungen, wie bei Salcmbier, oder in breiter Blattform, wie bei Prieur.Als Vertreter einer auf litterarischer Grundlage erwachsenen Genremalerei kann am Endeder Periode Grenze genannt werden.

Nach Deutschland wird das Rokoko unmittelbar durch französische Künstler über-tragen, und zwar sofort in seiner späteren Auffassung. Indes gleichen die deutschenRokokvwerke durchaus nicht den französischen, obgleich sie diesen keineswegs nachstehen.Die Zwiespältigkeit der Bauwerke, hervorgerufen durch die Nüchternheit des Äußern unddie üppige Ausstattung des Innern, findet sich auch in Deutschland . Nach dem Auf-hören des Rokoko bis zum Beginn der Neuklassik gibt es in Deutschland keine klar aus-gesprochene Stilrichtung; es herrscht ein schrankenloser Eklekticismus, obgleich noch immereinzelne hervorragende Bauwerke entstehen. Der Zopfstil in Berlin , eigentlich nur einAbwenden von dem Formenreichtum des Barocks zur Nüchternheit darstellend, wird durchGerlach, Gayette nnd Grael vertreten. Die Garnisonkirche in Potsdam , von Gerlacherbaut, bildet eine Querhansanlage mit ringsumlaufenden zweigeschossigen Emporen. DerTurm ist beachtenswert; das Innere zeigt indes die ganze Nüchternheit des Zopfstils.Der Schnlenbnrgsche Palast, von Richter erbaut, das Palais Bernczobre, beide in derWilhclmstraße zu Berlin , sind im Anschluß an die Formen französischer Adelshötelserrichtet. In Franken erbaut der Italiener Gabriel de Gabrielas das Schloß Ansbach im »ernüchterten Barockstile. In Prag wird die nüchterne Zopfzeit durch die PalästeKolvwrat nnd Windischgrätz vertreten.