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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Bauwerke in Frankreich und Deutschland . 291

von St. Denis, auch aus den Resten andrer französischen Kirchen und Schlösser und teil-weise aus den aus fremden Ländern geraubten Denkmälern zusammengebracht war.

In der Skulptur fehlte es wie in der Architektur an hervorragenden Meistern. DieSchule Davids gab in der Skulptur die Veranlassung zu einer kalten Nachahmung der Antike.Chaudets Statue Napoleons ist ganz im heroischen Porträtstil der Römer gehalten: Bosio undCortot schaffen anmutige mythologische Genrefiguren, jedoch mit gänzlicher Vernachlässigung desNaturstudiums. Von der Malerei Davids war bereits oben die Rede; er gab im „Schwurder Horatier" ein Abbild des revolutionären Geistes, im „Brutus " das Muster stoischer Römer-größe, im „Tod Marats" eine energisch realistische Darstellung. Die „Sabinerinnen" Davidssanken ungeheuren Beifall , vielleicht nur deshalb, weil die Darstellung unbekleideter Frauen-gestalten damals wie später dem französischen Geschmacke zusagte. Sein „Napoleon denSt. Bernhard hinanreitend" ist vielleicht die idealste und geistvollste Darstellung des großenEroberers. Gros, der Schüler Davids, erfindet in seinen „Pestkranken in Jaffa" ein historischesGenre, das bereits nichts mehr mit der Nachahmung der Antike zu thun hat, Girodet zeigtsich in seinem „Begräbnis der Atala" bereits auf dem Wege der Romantik, wenigstens derStvsswahl nach.

Die neuklassische Periode in Deutschland bringt noch keinen Stil hervor, der eineeinheitliche Bezeichnung rechtfertigte. Am Ende des 18. Jahrhunderts verhinderte dieAusländerei die Bildung nationaler Schulen, und zu Anfang des 19. Jahrhunderts liegtdie Kunst ganz danieder. Das öffentliche Bauwesen wird bureaukratisch schablonenhaftbehandelt; die Maler heften sich an die vom Staate unterhaltenen Akademien, und dieBildhauer können nur noch im Dienste der Höfe Beschäftigung finden. In den ehemalsgroßen Handelsstädten Deutschlands , namentlich in den nördlichen und östlichen, gibt eskaum noch einen namhaften Künstler. Die allmählich stattfindende Verdrängung derAusländer durch deutsche Meister, an deren Wirken sich eine Schule knüpfen kann, ist daseinzig Tröstliche in dieser im ganzen armseligen Zeit.

In Preußen erfolgte unter Friedrich Wilhelm II. ein entschiedener Bruch mit demfranzösischen Wesen, aus der Umgebung des Königs verschwinden die Franzosen. Lang-hans führte mit dem Bau des Brandenburger Thores die Neuklassik würdig in Berlin ein. Das Thor entstand in einer freien Nachbildung der Propyläen zu Athen , als eindorischer Sänlenban, der mit einer Quadriga bekrönt wurde. Heinrich Gentz hat in seinerAnlehnung an ägyptische und etrnskische Denkmäler viele Berührungspunkte mit dengleichzeitigen französischen Architekten. Friedrich Gilly , Sohn, kann als Begründer derneueren Berliner Architekturschule angesehen werden. Seine Meierei im Parke Bellevue,ein gotisierender Backsteinbau mit strohgedecktem Bohlendache, entstand noch unter demEinflüsse des englischen Gartenstiles; dagegen zeigte sein Entwurf zu einem DenkmalFriedrichs des Großen im Äußern einen griechisch-dorischen Tempelbau auf hohem Unter-bau mit Verwendung ägyptisierender Motive, während das Innere als ein Kuppelbaugedacht war. Weinbrenner ist der Begründer der Karlsruher Schule geworden; ererrichtete in Karlsruhe eine Anzahl Bauten im Sinne der neurömischen Davidschen Schule,aber mit mehr dekorativer als organischer Verwendung der neuklassischen Motive. Derschon genannte Wiener Architekt, Hetzendorf von Hohenberg , geht am Gräflich FriesschenPalais in Wien zur Neuklassik über. Hartmuth der Ältere, Montoyer und Moreaubauten in Wien eine Anzahl Paläste. Ludwig Skell vertritt in München die englisch-romantische Richtung. Karl Fischer erbaut daselbst das Schauspielhaus, ein großes Rechteckmit mächtiger korinthischer Eingangshalle. Jussow und Eberhard begannen in Kassel dienicht vollendete Kattenburg im Empirestil. Bon Michel d'Jxnard rührt die runde Kuppel-kirche der Benediktinerabtei St. Blasien bei Kutterau im Schwarzwalde her, mit eineminneren Umgänge von dreißig korinthischen Säulen.

Die Wiederaufnahme der Gotik im Kirchenbau zeigt sich in Deutschland schon umdie Mitte des 18. Jahrhunderts. Der bereits als Neuklassiker erwähnte von Erdmanns-dorff hat mehrfach den Versuch gemacht, Kirchen im gotischen Stile zu erbauen. DieBildung der ersten neuen gotischen Bauschule knüpft sich an den endlich unternommenenWeiterban des Kölner Domes, den die Bemühungen Boisseres vorbereitet hatten. ImJahre 1842 begründeten August Reichensperger und der Bürgermeister von Wittgenstein

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