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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Wohnhausbau: Städtische Wohnhäuser.

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Burghauses, der ritterlichen Palasanlage, und übernehmen von diesem den Treppengiebel, denZinnenkranz der Traufseiten, das geschlossene Untergeschoß, die Ecktürmchen und selbst den Erker,der vielleicht zuerst von der bedeckten Senkscharte abgeleitet, an den Ritterhäusern als Haus-kapelle oder Chörlein auftritt. Von dem Bauernhause übernahm das städtische Wohnhaus dieLaube an der Straßenseite und für das Innere die Diele, wenn auch die letztere nun nichtmehr als Herdraum und Sammelplatz der Familie, sondern als ungeheizter Arbeitsraum undzugleich als Zugang für die anstoßenden Stuben und Kammern diente. Die Diele nahm zu-gleich die Wendeltreppe nach dem Obergeschosse auf, dessen Räume oft von einer um die Dieleherumgeführten Galerie zugänglich waren. Der Hauptunterschied des städtischen Hauses gegendas Bauernhaus liegt in dem engen Bezüge des ersteren zur Straße und dem hierdurch be-dingten Fassadenbau, außerdem in der häufigen Verlegung des Hauptwohnraumes, des Saales,in das erste Obergeschoß, obgleich die letztere Einrichtung allgemeiner für das vom Palasabgeleitete Patrizierhaus zutrifft. Von irgend einem römischen Einflüsse auf das deutscheStadthaus ist nichts zu spüren, denn der wesentliche Teil des römischen Hauses, der hallen-umgebene Hof, fällt im deutschen Hause entweder ganz fort oder dient, wenn derselbe vorhandenist, ausschließlich zu Wirtschastszwecken, ähnlich wie der Hof des ländlichen Ackergehöftes. Über-haupt macht sich der stilistische Einfluß, der von deni auf antik-altchristlichen Mustern beruhendenKirchenbau ausgeht, erst verhältnismäßig spät im Wohnhausbau geltend, obgleich das Stadt-haus naturgemäß an den stilistischen Strömungen einen größeren Anteil nimmt, als dies beidem Bauernhause der Fall ist.

Das Hereinbrechen der Renaissance von Italien aus, die Einwirkung der Nachbarländer,namentlich Hollands und Frankreichs, haben den deutschen städtischen Fassadeubau miteiner Unzahl fremder Muster versorgt, dann hat die hellenistische Stilperiode am Anfange unsresJahrhunderts das deutsche Wohnhaus sogar in die griechische Tempelform gezwängt, das nor-dische steile Dach beseitigt und den Schornstein als eine nicht zu duldende Häßlichkeit so vielals möglich versteckt. Indes hat die aus einer Aneinanderreihung gleicher Fensterachsen be-stehende, vom römischen Theaterbau abgeleitete italienische Palastfapade doch nur selten inDeutschland Eingang gefunden; ebenso ist die Nachahmung des französischen um einen Oonrck'üonnour gruppierten Adelshvtels auf wenige vornehme Palaisbauten beschränkt geblieben.Der Sinn für malerische Gruppierung der Fassade, die Betonung einzelner Vorsprünge undFenstergruppen, die Belebung des hohen Daches durch steile Giebel, Dachfenster und Schornstein-gruppen hat sich immer wieder in der deutschen Architektur Bahn gebrochen. — Von der ur-sprünglichen inneren Anlage des deutschen Wohnhauses haben die Dreifensterhäuser, welche amhäufigsten in den Seestädten, namentlich in Bremen, aber auch in Köln und anderwärts vor-kommen, das meiste bewahrt; in diesen Häusern hat sich die Diele, wenn auch in abgeänderterForm, vielfach erhalten.

Die stilistischen Umwandlungen, welche der Wohnhausbau im Laufe der Jahr-hunderte erfahren hat, sind bereits in den vorigen, der Schilderung der Stilepochen ge-widmeten Abschnitten zur Erwähnung gekommen; es sollen deshalb im folgenden nurdie Entwickelungsformen der neuesten Zeit vorgeführt werden, und zwar nicht allein inihrem Vorkommen auf deutschem Gebiete.

Das im ethischen Sinne vornehmste Haus wird immer das Einzelfamilienhausbleiben, welches seine Bewohner von der unterschiedslosen Allgemeinheit absondert undder Familie die Eigenart ihrer Entwickelung sichert. In den deutschen Städten ist dasEinzelfamilienhaus leider in bedeutendem Maße durch das Mietshaus für mehrere Parteienin den Hintergrund gedrängt, mehr als dies in England und Amerika der Fall ist. DerVerbreitung des Mietshauses in Deutschland hat die Vorliebe für die geschlossene, ineinem Stockwerk gelegene Wohnung, welche eine Flucht zusammenhängender Zimmer fürGesellschaftszwecke bietet, bedeutenden Vorschub geleistet, und erst in neuester Zeit wiederhat sich die gegenteilige Erwägung für die ethischen Vorzüge des Alleinwohnens in eignemHause einigermaßen Bahn gebrochen. Indes ist die Lage des Einzelfamilienhauses inden größeren Städten gegen früher eine andre geworden, indem dasselbe meist aus derMitte der Stadt nach der Peripherie hinausgerückt ist und sich nicht mehr als eingebautes,sondern als teilweise oder ganz freiliegendes Gebäude zeigt, als Villa suburbana, meistin Verbindung mit einem Garten.

Selbstverständlich kommen in einzelnen Fällen noch die palastartigen Einzel-wohnhäuser in der Mitte der Städte zur Ausführung, aber namentlich seltener alsfrüher für die höheren bürgerlichen Gesellschaftsklassen, da die Bedingungen, welche dieVerbindung des Wohnhauses mit dem Kaufhause und damit die größte Anzahl derPatrizierhäuser des Mittelalters und der Renaissance hervorriefen, nicht mehr vorhandenfind. Der Typus des palastartigen Stadthauses hat sich wenig verändert, vielmehr tritt

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