Wohnhausbau: Städtische Wohnhäuser. Z17
Die größte Mannigfaltigkeit eignen Erfindens zeigt sich an den in der Anzahl weitüberwiegenden vorstädtischen Villenbauten, welche zum Bewohnen im Sommer undWinter eingerichtet sind. Die höhere Ausbildung dieser Gebäudegattung in Verbindungmit Gärten ist erst seit den sechziger Jahren unsres Jahrhunderts erfolgt. Für dieGrundrißanlage der städtischen Villa ist vielfach die Gruppierung um einen Oberlichtraumtypisch geworden. So enthält die Villa Hainauer in Berlin, von v. d. Hude undHennicke erbaut, eine in der Mitte liegende, durch Oberlicht erhellte Gemäldegalerie;rechts von dieser liegt der Speisesaal mit einem davor angeordneten Blumenhause, hieranschließt sich der Anrichteraum, der mittels einer Treppe mit der Küche in Verbindung steht,und das Rauchzimmer. Links von der Bildergalerie liegt der Salon, an den sich dieZimmer für den Herrn und die Frau anschließen. Das Herrenzimmer ist unmittelbar vomVestibüle zugänglich, welches ebenfalls durch Oberlicht erhellt wird. Geradeaus vom Bilder-saal liegt das Musikzimmer mit Terrassen, und eine Wendeltreppe führt nach den im Ober-geschoß angeordneten Schlafränmen. Das Innere ist gediegen ausgestattet, während dieäußere Architektur in Putzbau hergestellt ist. — In derselben Art bietet das Wohnhaus
222. Durchschnitt durch dir Nilla Kainaurr in Srrtin, erbaut durch v. d. Hude und Hennicke.Nach dem „Architektonischen Skizzenbuch".
Tiergartenstraße 20 in Berlin , von Kayser und v. Großheim erbaut, ein geschmack-volles Beispiel. Am Straßenvorgarten liegt eine Terrasse und an der Hinterseite desHauses ein Wintergarten in Verbindung mit einem Gewächshaus. Im Innern bildenVestibüle und Haupttreppe, Salon und Speisesaal eine glanzvolle, perspektivisch wirksameRaumfolge. — Villa Lentz in Stettin , von Drechsler ausgeführt, zeigt eine wuchtigeÄußenarchitektur und reich durchgebildete Jnnenräume. In dem villenartigen Wohnhausefür Franz v. Lenbach in München hat Seid! die reizvolle Anlage eines KüustlerheimsAbschaffen, und zwar in der Trennung des Ateliergebäudes von dem Wohnhaus. Ganzvls Freibau hat O. March das Grünebergsche Wohnhaus am Sachsenring zu Köln gestaltet,wesentlich in einstöckiger, durch ein Mansardcdach abgeschlossener Form. Den Mittelpunktdes Hauses bildet die mit Oberlicht versehene Diele.
In Frankreich ist die schloßartige Ausbildung des als Freibau errichteten Einzel-mmilienhauses besonders beliebt. Ein solches Wohnhaus in St. Cloud bei Paris , von^vel Bondier errichtet, ist an die Bergschräge angelehnt, so daß das Erdgeschoß nur ander Hofseite frei liegt. Im Hofe links sind Hauswartwohnung und Ställe untergebracht,vechts die Gärtnerwohnung. Im Erdgeschoß befinden sich die Wirtschaftsränme, das