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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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ZZ4 Gebäude für öffentliche Zwecke: Rathäuser.

Rothenburg a. d. Tauber , von 1572—78 nach einem Brande mit Benutzung alterGebäudeteile wiederhergestellt. Durch die Zusammenfassung des alten und neuen ist einGanzes von höchstem malerischen Reiz entstanden. Ein mäßig hoher achteckiger Turm inder Mitte der nach dem Marktplatze gekehrten Langfassade enthält die Haupttreppe; vor derLangfront liegt eine erst 1681 dem Bau hinzugefügte rustizierte Bogenhalle, die sich der ganzenLänge nach öffnet und iin ersten Stock eine Terrasse bildet. Von der inneren Einrichtungdes Gebäudes ist außer einigen schönen Portalen nicht viel Bemerkenswertes erhalten. —Das Rathaus zu Bremen (s. Abb. 188) ist dem Äußern nach bereits weiter oben geschildert.Das Innere enthält im Erdgeschoß eine weite Halle mit Balkendecke auf Holzpfosten, welchejetzt als Vorsaal für den großen Ratssaal im Obergeschosse dient und mit demselben durcheine hölzere Wendeltreppe verbunden ist. Dem Ratssaale ist die an der Hanptfront imMittelbau liegende Gildenkammer hinzugefügt, über der sich das alte Archiv befindet. Die zudiesem Raume führende hölzerne Wendeltreppe ist ein wahres Prunkstück der Holzschnitzarbeit;nicht minder prunkend sind einzelne der inneren Portale gehalten. Dem großen Saal schließensich eine Anzahl Amtsstuben an. — Das Rathaus zu Augsburg ist als planmäßig voll-endeter Neubau und als eine der durchdachtesten Architekturschöpfnngen des berühmtenRenaissancemeisters Elias Holl bemerkenswert. Das Gebäude entstand von 1615—20und zeigt im Grundriß eine klare, übersichtliche Verteilung der Räume. Der mittlereTeil bildet im Erdgeschoß und im ersten Obergeschoß große Hallen, von denen aus diezn beiden Seiten liegenden Amtslokale und die beiden sich gegenüberliegenden, doppel-armigen Treppen Zugang haben. Das zweite Obergeschoß ist zu Festräumen eingerichtetund enthält im mittleren Teil den berühmten „Goldenen Saal", der sich durch dreiStockwerke erhebt. In den vier Ecken liegen die Fürstenzimmer, die nur vom Saale aus zu-gänglich sind und über sich Galerien haben, die sich nach dem großen Saale hin öffnen. —Das unter der Herrschaft der Commune niedergebrannte Stadthaus zu Paris , 1553von Boccador begonnen und erst 1628 vollendet, gruppierte sich um einen trapez-förmigen Hof, der mit Arkaden umgeben war. Von den Hallen waren sämtliche Amts-stuben zugänglich. Die Hauptfassade bestand aus zwei hohen Stockwerken auf einemniedrigen Unterbau, und an beiden Ecken bildete ein um ein Stockwerk höherer Pavillonden Abschluß. Aus der Fassadenmitte und mit dieser durch einen malerischen Vorbauverbunden, der Uhr und Stadtwappen enthielt, wuchs ein Dachreiter hervor. — AlsBeispiel einer vielfach typisch gewordenen Anlage ist das Rathaus von Amsterdam zunennen, welches 1648 von van Campen im Bau begonnen und von Artus Quelljin mitwertvollen Skulpturen im Rubensschen Barockstil geschmückt ist. Der Grundriß gruppiertsich um zwei mäßig große Höfe; die Gebäudeecken sind durch turmartig ausgebildete,vorspringende Risalite und in den zwei Längsfassaden durch Mittelbauten mit flachenGiebeln gegliedert. In der Hauptachse des ersten Obergeschosses liegt der große Saal, dersehr reich mit Marmorskulptnren und Marmorfußboden ausgestattet ist. Die Amtsstubensind von breiten, von den Höfen aus erhellten Korridoren zugänglich. Ein merkwürdigerRaum ist das über dem Haupteingange gelegene sogenannte Tribunal, in dem die Todes-urteile in Gegenwart der Verbrecher öffentlich verkündigt wurden. Der Raum ist sehr reichmit symbolischen Hinweisungen auf seine Bestimmung ausgeschmückt. Der Bau ist jetzt seinerfrüheren Benutzungsweise entzogen und dient als königliches Schloß. Ungünstig wirken dieunscheinbaren niedrigen Eingänge und die Trockenheit in den Formen der Anßenarchitektur.

Die Rathäuser der Neuzeit haben manches von der typischen Ausbildung der früherenJahrhunderte übernommen, indes sind, den geänderten Bedürfnissen entsprechend, beiweitem umfänglichere Räume für die Verwaltung, für die städtischen Körperschaften undschließlich für Festzwecke der Bürgerschaft und ihrer Vertreter erforderlich geworden. AlsBeispiel eines großartig angelegten neueren Rathansbaues kann das von F. von Schmidtin Wien erbaute gelten. In der Hauptachse des Baues liegt ein großer Hof und rechtsund links von diesem liegen je drei kleinere Höfe. Das Hauptgeschoß enthält an der Ring-straße den großen Festsaal mit seinen mannigfachen Nebenränmen, außerdem den Sitzungs-saal des Gemeinderats mit Zubehör, Sektions-, Kommissions- und Arbeitszimmer derGemeinderäte, Kanzleien des Bürgermeisters und seines Stellvertreters, den Sitzungssaal