Gebäude für öffentliche Zwecke. Z59
der Treppe der Brühlschen Terrasse in Dresden , die vier Tageszeiten darstellend. „Die Nacht",eine mächtige, trauernde Frauengcstalt, hüllt einen schlummernden Knaben in ihren Mantel,während an der andern Seite der Traum mit Schmetterlingsflügeln ihr schalkhaft zuflüstert.Hier ist mehr gegeben als eine abgeblaßte Allegorie, hier erscheint die tiefempfundene, ver-ständlich zum Gemüt sprechende Verkörperung einer Idee. „Der Abend", als fröhlicher Zechergebildet, wird von zwei musizierenden Mädchengestalten begleitet. „Der Morgen", die vollendetsteder Gruppen, wird durch eine stehende, bezaubernd aufgeblühte und eben ihr Antlitz entschleierndeJungfrau Personifiziert, neben der zwei jugendliche Begleiterinnen stehen. Wie ein deutscherMaimorgen erscheint die ältere mit den beiden jüngeren Schwestern, ganz ohne Erinnerung andie Antike. Die Gruppe, welche den „Tag" bezeichnet, zeigt einen stehenden kräftigen Mann mitdem Füllhorn und dem Lorbeerreis, zu beiden Seiten befinden sich Knaben, einer nach dem Lorbeergreifend, der andre mit dem Grabscheit, um die Gaben des Füllhorns zu verdienen. Einandres bedeutendes Werk Schillings ist das Niederwalddenkmal. Die bekrönende Germaniadesselben ist durchaus deutsch empfunden. An den Ecken zeigen sich die machtvollen Figurenvon Krieg und Frieden. Der Fries auf drei Seiten des Denkmales gibt die Darstellung derWacht am Rhein und den Auszug des Heeres. Unter dem Friese lagert die Kolossalfigur desVaters Rhein, der sein Wächterhorn an die Jungfrau Mosel abgibt. Reinhold Vegas inBerlin vertritt die malerische Barockrichtung und sucht in den Einzelbildungen eine Anlehnungan die Schule Michelangelos. Sein gewaltiges Hauptwerk, das Denkmal für Kaiser Wilhelm I. ,beschäftigt ihn noch jetzt. In München bewirkte Wagmüller den Umschwung zu einem lebens-vollen Naturalismus und gleichzeitig eine Rückkehr zur Formenwelt des Barocks. Sein bestesWerk ist das Modell eines Grabdenkmales, welches eine weibliche Gestalt mit einem Palmen-zweige, auf einem Sarkophage sitzend und einen trauernden Genius neben ihr zeigt.
Die Hauptrichtung der neueren deutschen Malerei geht wieder, wie die der Skulptur,auf die Einkehr in das eigne Volksleben zurück. Die Formgebung hält sich enger als früheran die Studien nach der Natur und wird meist von einem ausgebildeten Kolorismus begleitet.Die volkstümliche Seite wird in erster Linie durch die Genremalerei vertreten. Auch in derHistorienmalerei drängt sich die Wiedergabe zeitgenössischer oder nahe liegender Ereignisse in denVordergrund, und selbst die Darstellungen aus der Vergangenheit sollen durch archäologischesBeiwerk möglichst nahe an die realistische Treue herangebracht werden. Die Landschaftsmalereikann sich zwar nicht auf die heimischen Motive beschränken, sie sucht die ganze Welt auszuschließen,aber die Auffassung der Gegend ist selten romantisch, meist naturalistisch. Die Absicht aufStimmnngsmalerei verbindet sich mit der Wahrheit des Naturvorbildes. Den Beginn derneueren nationalen Malerei in der Berliner Schule vertritt Menzel, als entschiedener Realist,sowohl in seinen historischen Genrebildern aus der Geschichte Friedrichs des Großen als inseinen Bildern aus dem modernen Leben, in denen die energische Charakteristik allerdingsmächtiger hervortritt als das Schönheitsgesühl. Menzel ist einer der seltenen deutschen Maler,die nicht bloß von den Franzosen empfangen, sondern auch auf diese zurückgewirkt haben. DieIllustrationen zu Franz Kuglers Biographie Friedrichs des Großen eröffneten für ihn dieBahn des Ruhmes; es steckte ein unermüdliches Studium der historischen Umgebung in diesenZeichnungen. Dann folgten die berühmten Genrebilder, welche stets Friedrich den Großen zumMittelpunkte haben und eine sprühend geistreiche Charakteristik der historischen Persönlichkeitenzeigen. In seinen Genrebildern aus dem modernen Leben wird Menzel zum Vorläufer derimpressionistischen Schule. Einen Versuch, die schwierigsten Beleuchtungsefsekte wiederzugeben,zeigt sein „Eisenwalzwerk". Ein andrer Berliner Meister, Gustav Richter , verdankt seinenRuf der eigentlichen Bildnismalerei, aber auch den porträtartigen Genrebildern, wie der„Ägypterin", der „Odaliske", dem „neapolitanischen Fischerknaben" u. a. Die Bilder ausRichters eigner Familie, sowie ein Jdealbildnis der Königin Luise sind besonders bekannt ge-worden. Heunebergs Bilder sind meist in Paris entstanden, atmen aber durchweg deutscheEmpfindung. Sein Hauptwerk ist „die Jagd nach dem Glück", hart und trocken in der Farbe,aber hoch dramatisch Packend und einheitlich in der Komposition. Gentz ist der hervorragendsteOrientmaler der Berliner Schule. Knaus hat es verstanden, in seinen Genrebildern die ganzeTiefe, Wahrheit und Reinheit deutscher Empfindung, verbunden mit feinem Humor und scharferCharakterzeichnung zum Ausdruck zu bringen. Seine reifsten Schöpfungen sind „der Taschen-spieler", „Kartenspielende Schusterjungen", „Durchlaucht auf Reisen", „das Kinderfest", „Wiedie Alten jungen, so zwitschern die Jungen", „Leichenbegängnis in einem hessischen Dorfe".G. Spangenberg suchte mit dem Kolorismus der Belgier die Tiefe Dürers zu verbinden.Sein „Zug des Todes" machte ihn berühmt. Der Tod schreitet in dem Bilde klingend einerProzession von Gestalten aus allen Ständen voraus, die öde Landschaft und die düstere Abend-beleuchtung verstärken den stimmungsvollen herben Eindruck. Eduard Hildebrandt , der Land-schaftsmaler, durchzog die alte und die neue Welt auf der Jagd nach ungewöhnlichen Natur-erscheinungen und gab diese farbensntt in seinen Bildern wieder. Riefstahl stattet seineAlpenlandschaflen mit sinnvoller Staffage aus. Bennewitz von Loefen entwickelte seineEigenart in der liebevollen Wiedergabe der märkischen Landschaft. Von den Düsseldorfer Historienmalern ist hier noch einmal Rethel zu erwähnen, er verbindet das deutsche gemütvolleElement mit dem italienischen schwungvollen Linienzuge. Sein Hauptwerk sind die Fresken fürden Rathaussaal in Aachen , die Zeichnungen zum Nibelungenliede, der Cyklus der Todesbilder,