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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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360 Baukunst der neuesten Zeit: Gebäudearten.

welche ganz in die ideale Sphäre des historischen Stiles gehoben sind, endlich auch eine in Bleistiftgezeichnete Komposition, die den Zug Hannibals über die Alpen darstellt. Tiedemann, ein andrerDüsseldorfer , ist durch seine Bilder aus dein norwegischen Volksleben bedeutend. Camphausen,der Schlachtenmaler, gelangt erst in seiner späteren Zeit zu völlig realistischer Darstellungsweise.Seine Reiterporträts und Kriegsszenen aus der Zeit Friedrichs des Großen sind volkstümlichschlicht, ebenso seine späteren Bilder aus den Freiheitskriegen und den neueren deutschen Kriegen.In der Düsseldorfer Landschaftsmalerei wird A. Achenbach zum Vertreter der naturalistischenRichtung, in seinen Seestürmen schildert er zuweilen mit dramatischer Kraft das Toben derWellen. Später malt Achenbach mit Vorliebe Binnenlandschaften, meist von einem hohenStandpunkte aus, und läßt in stille Thalwinkel oder in die Gäßchen altertümlicher Städte blicken.Seine Staffage wird ganz realistisch und tritt zuweilen genreartig in den Vordergrund.O. Achenbach, der Bruder des vorigen, ist ein ideal gestimmter Romantiker geblieben; er bildetden Gegensatz zu den Stilisten der Form, und in seinen italienischen Landschaften herrschen dieBeleuchtungseffekte vor. Leu malt stilisierte Landschaften, jedoch ebenfalls mit romantischenBeleuchtungseffekten. Gude hat mit Tiedemann zusammen eine Reihe Seelandschaften mitgenrebildlicher Staffage gemalt, welche die Lösung von Luft- und Lichtproblemen mit der ethno-graphischen Treue der Darstellung vereinigen. In der Münchener Historienmalerei entwickelnsich nebeneinander zwei Schulen, die von Piloty und die von Lindenschmit, beide naturalistisch,im entschiedenen Gegensatz zur Corneliusschen Überlieferung. Pilvty geht auf psychologischeCharakteristik, Lebenswahrheit, Kraft und Harmonie in der Farbe aus. Seinen Ruhm begründeteer durch das Bild „Sem an der Leiche Wallensteins", welches eine rein tragische Wirkunghervorruft. Seine späteren Bilder zeigen eine Neigung zu theatralisch-pathetischem Wesen undzu vordringlicher Behandlung des Beiwerkes. Auf Lindenschmits Bildern stehen die Figurenmit Tracht und Lokal in enger, natürlicher Verbindung, sein Kolorit ist gemäßigt. Lenbach istPilotyschüler, hat sich aber vorzugsweise in der Bildnismalerei ausgezeichnet. E. Schleich führtedie Münchener Landschaftsmalerei auf naturalistische Bahnen, wenn er auch zugleich an derpoetischen Auffassung festhält. Voltz ist zugleich Landschafts- und Tiermaler in idyllischerStimmung. Lier ist Stimmungsmaler für die heimische Landschaft. Makart , einer der be-deutendsten Pilotyschüler, ist der große Farbendichter, wenn ihm auch manche andre Eigen-schaften abgehen. Seine Mädchen- und Knabenfiguren sind mit außerordentlicher Farbenglutgemalt, aber ohne jede Naivität und ohne keuschen Reiz. Der Gehalt an geistiger Charakteristikin seinen größeren Kompositionen ist fast gleich Null, und der Schwerpunkt seiner Bilder liegtin ihrer außerordentlichen dekorativen Wirkung. Graf von Kalckreuth ist vorzugsweise Alpen-maler und hat auch als solcher bedeutende Erfolge auszuweisen.

Die gedrängte Entwickelungsgeschichte der Baukunst, wie sie im vorstehenden gebotenwird, zeigt uns, wie dieser wichtige Zweig der bildenden Kunst aus Anfängen für dasrohe Bedürfnis zu einer kunstmäßigen Ausbildung fortschreitet, welche das Äußere undInnere zunächst zusammenhanglos behandelt, jedoch endlich den Raum mit seinen Um-schließungen zu einem harmonischen, streng gegenseitig bedingten Ganzen vereinigt. Zu-gleich verschwindet die vorklassische Willkür in der bunten Auswahl der Typen für dieeinzelnen Gebäudeklassen und macht einer klassischen Einfachheit und Bestimmtheit Platz.Weiter schöpfen wir aus den bis heute fortdauernden stilistischen Umwälzungen auf demGebiete der Bciukunst, Malerei und Skulptur, ebenso aus denen im Bereiche des von derhöheren Kunst abhängigen Kunstgewerbes die tröstliche Überzeugung von einem frischpulsierenden Leben — und Leben bedeutet Fortschritt! — Die Neubildungen in der Kunstder Gegenwart mögen nicht immer den Wert wirklicher Erfindungen haben, häufigervielleicht stellen sie sich als Kombinationen des Alten dar; was sie aber von dem Früherenbesonders unterscheidet, ist die eigne Färbung, welche ihnen der Ausdruck der Ideen einerneuen Zeit verleiht. Zwei erkennbare Ziele sind es namentlich, nach denen die heutigeKunst unaufhaltsam hinstrebt: das Festhalten au der nationalen Eigenart innerhalb derstarken, unabwendbaren kosmopolitischen Strömung, und ein zeitgemäßer Naturalismus,der allein im stände ist, die inhaltslos gewordene Schablone alter Ideale zu gunstenfrischer Entwickelungsreihen zu durchbrechen.