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Die Technik des Bauwesens.
begann man mit künstlicher Herrichtung und Bearbeitung der Bausteine. Die Fugenmußten mit Lehm und Moos gedichtet werden, bis es etwa um 3800 v. Chr. gelang, einenwirklichen Mörtel zu erfinden, der feucht verarbeitet werden konnte und später erhärtete.Allmählich vervollkommneten sich die Arbeitsvorkehrungen mehr und mehr. Schwere Stein-platten wurden gehoben und bildeten die massiven Decken der Tempel. Die Wände der-selben wurden bunt bemalt und zeigen noch heute Abbildungen, aus denen hervorgeht,wie man große und kleine bürgerliche Wohnhäuser seit etwa 2000 v. Chr. baute, ja wirkönnen auch sogar die ersten Anfänge wirklicher Überwölbungen aus zentrisch aneinander-geordneten keilförmigen Steinen in Ägypten bis 1600 v. Chr. zurückverfolgen.
Die beiden andern für die Geschichte der Technik in vornehmster Weise in Betrachtkommenden Völker des Altertums sind bekanntlich die Griechen und Römer gewesen.Unter ihren Händen gedieh die Baukunst zu so außerordentlicher Blüte, daß daran nochheute und für alle ferneren Zeiten ein Vorbild gewonnen ist. Ganz abgesehen von derFormbildung darf behauptet werden, daß es auch heute noch nicht möglich ist, Marmor
vollkommener zu bearbeiten,die einzelnen Blöcke vorzüg-licher aufeinander zu passenund zweckmäßiger miteinanderzu verbinden, wie dies vonden alten Griechen bewerk-stelligt wurde. Die speziellentechnischen Fortschritte erwuch-sen hierbei aus den Anforde-rungen, die die jeweils herr-schende Stilrichtung an dieBaukonstrnktionen stellte, undmindestens so bedeutend wiedie Kunst ihrer klassischenFormensprache muß auch die-jenige ihrer Technik geschätztwerden. Noch augenfälligersind die Fortschritte der letzterenallerdings bei den Römern, wouns in Bezug auf Handfertig-keit, kluge Erwägung der Kon-struktionen, Verbände undSteinschnitte und vor allemin der großartigen Durch-
255 . Nordisches Siorkhaus.
bildung der Gewölbeknnst aus jedem erhaltenen Denkmal ein neues Beispiel entgegenspricht.
Während sich die Bewohner der Mittelmeerländer schon so mannigfache Fortschritteder Bautechnik zu nutze zu machen wußten, standen die Ureinwohner des heutigenDeutschland noch auf den ersten Entwickelungsstufen. Als nachweisbar älteste Bauwerkeunsrer Gegend müssen die erhaltenen Reste von Pfahlbauten betrachtet werden, die seitden fünfziger Jahren auf dem Grunde unserer Landseen entdeckt worden sind. Dieselbenstammen aus der Zeit von 1800 bis 800 v. Chr. und lassen in ihrer Bearbeitnngsweiseanfänglich auf Steinwerkzenge, später auf Bronzegeräte schließen. Während der folgendenJahrhunderte bilden die Grabstätten die einzigen auf uns überkommenen Bauversuche, underst aus der Zeit der römischen Eroberungszüge datieren die frühesten beglaubigten Nach-richten über die Lebensart unsrer Vorfahren. Hiernach waren ihre Häuser einfach ausHolz oder Lehmsteinen erbaut und mit Stroh und Rasen gedeckt, in allem also so vergänglichhergestellt, daß wir uns kaum wundern dürfen, wenn Kriege und Völkerwanderung ihreReste gründlich zerstört haben. Naturgemäß erforderte es eine Arbeit von Jahrhunderten,um die Baukunst unsrer Vorfahren nach so dürftigen Anfängen allmählich zu der hohenEntwickelung zu bringen, die wir an den Schöpfungen des Mittelalters bewundern. Die