396 Die Dächer und ihre Eindeckung.
herzustellen, und schon innerhalb dieser Grenze wächst der Materialbedarf so außerordentlich,daß die Bauweise nicht mehr ökonomisch ist. Hier bietet wieder das Eisen einen Ersatzvon fast unbegrenzter Leistungsfähigkeit, und für monumentale Ausführungen wird es auchschon bei kleinen Spannweiten zu überlegen sein, ob nicht ein Dachwerk aus Eisen vor-zuziehen ist. Die Technik des Baues eiserner Dächer konnte sich ebenso wie der Eisenbauüberhaupt, erst in der zweiten Hälfte unsres Jahrhunderts entwickeln, hat aber inzwischenlängst eine Stufe hoher Vollendung erreicht. Anfänglich bediente man sich besonders der's- und I-Eisen; jetzt indessen werden nur noch I,-Eisen genommen, die bei Spann-weiten von über 26 in eine Stegverstärkung aus angenieteten Flacheisen erhalten. DieAnordnung der Konstruktionen gründet sich auf genaue Berechnung der Inanspruchnahmen,und es ist Prinzip, alle einzelnen Glieder so einzurichten, daß sie entweder nur Druck oder
nur Zug aufzunehmen haben. Auch müssen die Be-lastungen, die durch aufgesetzte Laternen oder an-gehängte Wellenleitungen und ähnliche Teile herbei-geführt werden, ebenso ausreichend berücksichtigt sein,wie z. B. die etwa zu erwartende zitternde Bewegung,die der Gang von Maschinen hervorruft. Auch ist stetsder Dehnungsmöglichkeit des Eisens bei Temperatur-schwankungen Rechnung zu tragen, weshalb allenDachbindern von mehr als etwa 10 in Spannweitebewegliche Auflager gegeben werden.
Unsre Abb. 324 zeigt einige Beispiele von eisernenDachkonstruktionen. Oben links und rechts finden sichdie einfachen Polonceanbinder, unten das Dach desKölner Domes, welches schon 1861 von Baurat Voigtelkonstruiert, eine der ältesten Eisendachausführungen ist.Unter den übrigen sei auf das Dach der National-galerie hingewiesen, das durch die schweren innerenOberlichteinrichtungen stark belastet ist, und auf das-jenige des Naturhistorischen Museums in Berlin ,welches in umgekehrter Anordnung mit ganz leichterKonstruktion auf dem festen Oberlicht ruht. Ganz ohnefremde Belastung spannt das Kuppeldach eines neuenHamburger Gasbehälters seine 36 Fachwerkbinder mitaugenscheinlicher Leichtigkeit über den 50 in weitenRaum, wobei bemerkenswert ist, daß diese Dächer zuebener Erde montiert und dann im ganzen fertig mit36 Hebelwinden an ihren definitiven Platz gehobenwerden. Noch weniger Konstruktion enthält aber dasfreitragende Wellblechdach, welches aus dem schon inAbb. 295 gezeigten bombierten Trägerwellblech ge-der Schubwirknng in gewissen Abständen einiger Zug-stangen bedarf. Hiermit sind die hauptsächlichen typischen Formen der eisernen Dachartenzur Erwähnung gebracht und die Mittel bezeichnet, mit denen die Ingenieure auch denAufgaben gewaltigsten Maßstabes gerecht zu werden wissen, welche die neue Zeit im Bauvon immer größeren Bahnhofshallen und Ausstellungsgebäuden hervorruft.
So unerläßlich das Tragegerüst ist, so kann doch das Dach erst seinem Zweckegenügen, wenn es mit Deckmaterial belegt ist. Hierzu eignen sich je nach den Ansprüchenan Dichtigkeit, Feuersicherheit und Dauerhaftigkeit sehr verschiedene Materialien. Amleichtesten und billigsten sind Rohr- und Strohdächer, werden aber aus Gründen derFeuergefährlichkeit nicht häufig mehr angewendet. Auch die oft so malerischen Dächeraus Holzschindeln finden sich aus der letzteren Ursache immer seltener. Schiefer- undZiegeldächer dagegen sind in steigender Aufnahme begriffen, zumal seit es üblichgeworden ist, die ersteren mittels Unterlage von Dachpappe zuverlässig dicht herzustellen,
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fertigt ist und nur zur Aufhebung