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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Der Farbenschmuck und seine Mittel.

Noch eine ganz andre Technik zeigen —441 in den sogenannten Goehring-

Leisten, Brettern, anf deren Oberfläche eigenartige Hobelmaschinen mittels Aussparunggewisse Relieffiguren erzeugen, die sich dann bei häufiger Wiederholung in mannigfaltigverschiedener Art zu Flächen und Füllungen zusammenreihen lassen. Solche Bekleidungenhaben sich unter anderm bei schrägen und unregelmäßigen Wänden, wie sie z. B. inSchiffen vorkommen, sehr zweckmäßig erwiesen. — Als eiue außerordentlich wohlfeile unddennoch oft ansprechend wirkende Schmuckweise kann an dieser Stelle noch die Bekleidungder Wände mit Holzspan-Geflechten genannt werden, die besonders zur Verdeckungunansehnlich gewordener Flächen beliebt ist und sich durch Bemalung mit Ölfarbe ziemlichdauerhaft und haltbar gestalten läßt.

Jer Jarbenschmuck und seine Mittel.

Schon im Altertum ist man bestrebt gewesen, das Ansehen der Bauwerke durch bunteFarben zu beleben. Als die ältesten uns in dieser Kunst überlieferten Denkmäler sind dieägyptischen-Tempel zu bezeichnen, deren Wände und Säulen mit Szenen aus dem Lebenund Figuren bedeckt waren. Reste von assyrischer Malerei sind in den Trümmern Ninives gefunden, und die persische, indische und chinesische Malerei spielen ebenfalls eine bedeut-same Rolle in der Geschichte dieser Völker. Die Griechen bemalten sogar ihre herrlichenMarmortempel, und von der hohen Entwickelung der Maltechnik der Römer legen dieAusgrabungen in Herculaneum und Pompeji ein beredtes Zeugnis ab. Die Schöpfungender frühchristlichen Malerei finden wir noch in den römischen Katakomben wieder, unddie byzantinische Periode brachte das Wandmosaik aus farbigen Glasstiften zu hoherBlüte. Beispiele derselben bieten uns das Mosaikbild vom Palast des Kaisers Theoderich ,Abb. 109, und die Füllungen in der Sophienkirche in Konstantinopel , Abb. 107 unsresersten Abschnittes.

Im Mittelalter liebte man es, die ganzen Häuser in reichster Weise in Farben zu setzen,und hiervon gewähren uns die nach alten Resten in den letzten Jahren restaurierten Fach-werkbauten Hildesheims ein Bild von seltener Vollkommenheit. Auch echtes Steinmaterialaber wurde schonungslos sogleich angestrichen, wofür u. a. die Front des St. Katharinen-turmes in Hamburg ein Beispiel gibt. Dieselbe wurde 1565 mit vorgebleudeten Saulen-stellungen, Reliefbildwerken und Figuren aus Sandstein geschmückt und im folgendenJahre gänzlich bemalt, wobei Bleiweiß , Zinnober, Mennige, Berggrün und Grünspan,Wasserblau und Olivblau, Braunrot, Bleigelb und Ockergelb, sowie viel Gold Ver-wendung fanden. In neuerer Zeit hat sich die Ansicht Bahn gebrochen, die Materialiennach Möglichkeit echt und unverhüllt in ihrer natürlichen Beschaffenheit zu zeigen und dieWirkung, die sie durch ihre eigne Farbe hervorbringen, nur zu unterstützen durch Hinzu-fügnng von Goldkanten und einzelnen farbigen Linien. Die eigentliche Flächenmalerei wirddemnach jetzt in der Regel auf diejenigen Bauteile beschränkt, die wie Decken und Wändein schlichtem Mörtelputz hergestellt sind und die durch ihre Beschaffenheit sowohl in Rück-sicht auf dauerndere Erhaltung wie auf schmückende Wirkung des Überzugs mit Farbenbedürfen. Hauptsächlich handelt es sich hiernach bei den Malerarbeiten für Bauzweckeeinesteils um Leimfarben- und Ölfarbenanstrich und andernteils um die Mittel für Kunst-malerei auf großen Wandflächen.

Die Leimfarbe besteht aus einem Gemisch von gekochtem Leim und pulverisierterFarbe. Der Anstrich ist wohlfeil, aber auch recht vergänglich; derselbe soll zwar nicht abfärben,doch läßt sich dies trotz der besten Mittel infolge der Beschaffenheit des Untergrundes oftnicht erreichen, und es ist daher zu empfehlen, Leimfarbe nur für Zimmerdecken und obereWandteile zu verwenden. Für Außenanstriche bietet der Leim überhaupt kein haltbaresBindemittel, und man bedient sich für Putzflächen einer in verdünnten: Löschkalk oderZement aufgelösten Farbe oder der neuerdings bewährten sogenannten Patentsarbe, dieaus einem Gemisch von verseiftem Öl, Wasser und Farbe besteht.

Für alle Holz- und Metallteile aber wird im allgemeinen nur Ölfarbe zurAnwendung kommen können. Das Bindemittel derselben besteht aus gekochtem Leinöl,