Der Farbenschmuck und seine Mittel. 4Z7
diese Art eine Bohle, die der Länge und Breite eines ganzen Tapetenstückes entspricht,präpariert dieselbe durch geeignete Mittel und druckt die Maserung dann unmittelbar vondem natürlichen Holze ab. Noch vollkommener freilich ist in ihrer Art die echte Holz-tapete. Für diese werden aus schön gemaserten Holzarten sehr dünne Späne geschnittenund mittels Aufkleben auf Papier gegen Zerbrechen gesichert. Man bildet damit Rahmenund von Leisten eingeschlossene Füllungen und gewinnt auf diese Art eine imitierteTäfelung aus wirklichemHolz, die nach Beliebenlackiert, gewachst oder sogarvom Tischler poliert werdenkann. Die sonstigen Imi-tationen, mit denen die Ta-peten Flechtwerk und Polste-rung, sowie Cretonne undandre Stoffe nachahmen,können nur als barockeSpielerei der Mode bezeich-net werden und hier keineErörterung finden.
Außer den Zimmer-decken, Wänden und Flur-belägen kann auch noch dieFensterfläche durch farbigenSchmuck belebt werden, in-dem man an Stelle desgewöhnlichen durchsichtigenGlases eine Kunstvergla-sung aus bunten Scheibentreten läßt. Dieses Ver-fahren ist fast so alt wie dieGlasfenster selbst; denn, weilman ursprünglich nur Schei-ben sehr kleinen Umfangesherstellen konnte, lag es nahe,dieselben aus verschiedenenFarben zu wählen und damitein Bild zusammenzusetzen.
Hieraus entwickelte sich so-dann im 10. und 11. Jahr-hundert die Glasmalerei,bei der indes zunächst nurLicht und Schatten durchSchraffierung mit Schwarz-lot hervorgehoben ^werdenkonnten. Die Blütezeit derGlasmalerei fällt in das14.—16. Jahrhundert, wo die herrlichen Fenster im Chor des Kölner Domes, dasberühmte Volkmarsche Fenster in der Lorenzkirche und das Markgrafenfenster in derSebalduskirche zu Nürnberg , sowie viele andre bewnndernswerte Schöpfungen ent-standen. Mit dem 17. Jahrhundert beginnt der Verfall der Glasmalerei, die für diekleineren Fenster der Renaissance und des Barockstiles, deren Lichtfläche keine Ein-schränkung vertrug, weniger geeignet erschien. Erst zu Anfang des gegenwärtigen Jahr-hunderts wurde diese schöne alte Kunst, dank den Bemühungen des Nürnberger MalersSigismund Frank, sowie durch Samuel Mohn und Wilhelm Voertel von neuem in