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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Der Farbenschmuck und seine Mitte!.

Aufnahme gebracht. Sie machte dann bezüglich ihrer Technik im Laufe desselben mancherleiWandlungen durch, bis sie endlich nach Wiederbelebung der deutschen Renaissance so all-gemein beliebt wurde, daß sie auch in die Bürgerhäuser ihren siegreichen Einzug hielt.Hier empfiehlt sich die Knnstverglasung besonders da, wo die durch das Fenster zu gewinnendeAussicht gerne Preisgegeben werden kann, oder wo man sich vor unliebsamem Einblick indie Räume schützen will. Unsre Abb. 447—449 zeigen einige Beispiele solcher Ver-glasungen, wie sie für Speisesaal- und Treppenfenster passend sind. Die Technik entsprichtvöllig derjenigen, die seit alters für Kathedralfenster üblich ist, indem jede einzelne Scheibein Blei gefaßt und das Ganze aus vielen farbigen Gläsern zusammengesetzt wird. Neuer-dings ist hierbei das Streben aufgetreten, die Malerei thunlichst wieder ganz zu vermeidenund das Fenster wie ein Mvsaikbild aus Glasstücken zu behandeln. Wir geben einige Bei-spiele für solche musivische Verzinsung (s. Tafel), deren wirklicher Effekt freilich im Bildekaum nachgeahmt werden kann. Speziell amerikanischen Anregungen folgend, ist in dieserBeziehung der Hamburger Glasmaler Karl Engelbrecht zu ausgezeichneten Leistungengelangt, indem er sich die ungleichmäßig gefärbten und schadhaften Gläser, für die dieHütten bisher gar keine Verwendung hatten, mit Zuhilfenahme von Bntzen für natu-ralistische Verbleiungen zu nutze zu machen wußte. Für solche Knnstverglasung hervor-ragend schön geeignet ist das neuerdings in Amerika fabrizierte Opäleszensglas, das mitbewußter Absicht aus den verschiedensten Glasflüssen zusammengeschmolzen wird. Hierbeilassen sich vorzügliche Wirkungen durch Zwischenfügung scharfkantig gebrochener Glas-klumpen erzielen, ja in Amerika ist es üblich, einzelne Felder ausschließlich mit solchen3—4 cnn dicken, unregelmäßig gebrochenen Glasstücken zu schließen; man bezeichnet diesals Eisverglasung und kann sehr ansprechende Effekte damit erzielen, ebenso wie auch dasdurchsichtige, mit facettierten Kanten vielseitig geschliffene Spiegelglas in Blei gefaßt eineäußerst reizvolle Abwechselung gewährt und z. B. für Verglasnng von Windfangthüren,die halb durchsichtig sein sollen, sehr geeignet ist.

Nachdem sich, wie oben erwähnt, die Mode ihrer bemächtigt hat, kann es uns nichtwunder nehmen, daß farbige Glasfenster auf allerlei Arten nachzuahmen versucht wordensind. Die größte Verbreitung haben in dieser Beziehung die auf eine Gelatinemassegedruckten sogenannten Diaphanien gewonnen, die durch Einkleben zwischen zweidurchsichtige Glasscheiben haltbar gemacht werden. Dieselben bieten die Möglichkeit,farbenreiche Bilder für einen wohlfeilen Preis zu reproduzieren, und die Fabrik vonGrimme L Hempel in Leipzig ist stolz darauf, den besten alten Glasmalereien in dieserTechnik neue Verbreitung zu schaffen. Dieselbe gewährt aber insofern stets nur einennotdürftigen Ersatz für wirkliche Glasmalereien, als ihren Farben der schöne Lustrefehlt, der den Glasstücken ihren lieblichen Reiz verleiht. Wer daher in dieser Beziehungeiniges Unterscheidungsvermögen besitzt, wird unter Umständen lieber eine durch Sand-gebläse leicht verzierte Überfangscheibe vorziehen oder auf die Farbenwirkung ganz ver-zichten und ornamental matt in matt geätzte Scheiben wählen, bei denen sich außerdemnoch der weitere Vorteil erreichen läßt, daß man beliebige Teile des Fensters ganz durch-sichtig herstellen kann.

Endlich erübrigt es noch, der Öfen zu gedenken, die dem deutschen Zimmer schonim 13. und 14. Jahrhundert ein besonders charakteristisches Gepräge verliehen habenund deren farbig glasiertes Kachelzeug den schönsten Gegensatz zu Wand und Mobiliarbietet. Auch diese Kunst war im vorigen Jahrhundert in Vergessenheit geraten und wurdeim gegenwärtigen bis über die siebziger Jahre hinaus durch die unter dem EinflußSchinkels und seiner Schule eingeführten glatten Weißen Öfen im Banne gehalten. Erstdanach begann man wieder die alten Öfen zu kopieren und neue reich reliefierte und farbigbemalte Öfen herzustellen und dieselben zu einem wesentlichen Moment des Schmuckesunsrer Wohnräume auszubilden. Hierbei ermöglichten die Fortschritte der Technik baldein Losmache» von den früher üblichen beschränkten Abmessungen der Kacheln und ge-statteten dadurch, daß denselben jede freie Form gegeben werden kann, die der Künstlerwünscht. Unsre Abb. 445 u. 446 zeigen zwei derartige neuere Kaminöfen mit Zieraufsatz.Für das Kachelzeng ist ein Modell nötig, worin jedes einzelne Stück vor dem Brennen