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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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450 Ortsanlagen.

derjenige, welchen die Baulichkeiten in der Zeit ihrer größten Blüte, oft auch bei denfrüher so häufigen und allgemeinen Brandunglücken oder bei einer seit langer Zeit schonerwünschten, endlich ausgeführten und bald wieder ausgefüllten Erweiterung erhaltenhaben. So tragen selbst sehr alte Städte doch vorwiegend die Kennzeichen einer einzigenkunstgeschichtlichen Periode, während andre Zeitabschnitte nur durch einzelne monumentaleBauwerke vertreten sind. Rom weist neben zahlreichen Überbleibseln aus der Kaiserzeit,dem Pantheon, dem Kolosseum , den Tempelruincn, den Ehrensäulen und Triumphbogen,dem zu der mittelalterlichen Engelsburg umgebauten Grabmal des Hadrian, neben zahl-reichen und bemerkenswerten frühchristlichen Basiliken doch in der Mehrzahl seiner Kirchenund Paläste den Charakter der Hochrenaissance und des Barockstils auf, wie ihn Michel-angelo und seine Nachfolger, begünstigt durch die dem Oberhaupt der Christenheit müheloszufließenden Schätze, schufen. Florenz zeigt in vielen zierlichen Kunstbauten und ausmächtigen Quadern aufgetürmten festen Palästen, welche an die erbitterten Parteikämpfefrüherer Jahrhunderte mahnen, vorwiegend den Stil der Frührenaissance. Bologna führtdie Bogenhallen, welche seine Straßen beiderseitig begleiten, durch lange Jahrhundertebis auf die Jetztzeit fort. In Venedigs Kanälen spiegeln sich Paläste aller Kunstrichtungenseit der byzantinischen Zeit, doch überwiegt in Kirchen und Behausungen der fürstlichenKaufleute der zierliche Renaissancestil des Palladio und seiner Mitstrebenden. In Nürn-berg , der alten Gewerbs- und Handelsstadt, herrscht Spätgotik und Frührenaissance oftin reizenden Mischungen vor. Hildesheim zeigt als uralter Bischofssitz vorwiegendromanische Kirchen ältesten Stiles neben reichgeschmückten Holzhäusern der Renaissance-zeit. Köln und Trier , die Residenzen hoher Kirchenfürsten, weisen Denkmäler erstenRanges fast aller Zeitabschnitte seit den Römern auf. Magdeburgs durch Tilly zerstörteTeile wurden durch oft großartige Kaufhäuser im Sinne des 17. Jahrhunderts ersetzt.Dresden erhält durch seine Barockkirchen und Paläste, durch das reizende Rokoko seinesZwingers, durch neuere Bauten edelsten Renaissancestiles das Andenken seiner kunstsinnigenFürsten wach. Potsdam ist die Stadt des Alten Fritz. München zeigt in seinen neuerenTeilen die eifrig versuchenden Bestrebungen seiner Könige. In Paris waltet nebenmancherlei Bauten aller Epochen seit der frühgotischen Notredamekirche doch in zahlreichenDenkmälern der Stil des ersten Kaiserreichs vor, der aber schon wieder zurücktritt gegendie Überzahl der Schöpfungen neuesten Charakters. Noch mehr ist Berlin , abgesehen vonden Monumentalbauten der früheren Preußischen Könige, eine vorwiegend moderne Stadt.

Zur baugeschichtlichen Entwickelung gehört auch die Ortsgepflogenheit des Wvhnens.In Dörfern und Landstädten wiegt in Süd- und Mitteldeutschland die fränkische Bauweisevor. Das Wohnhaus ist von Ställen und Scheunen getrennt. Es zeigt den Giebel nachder Straße, hat aber den Eingang seitlich vom Hofe her. Man betritt zunächst den„Öhrn", den mit gestampftem Fußboden versehenen Hauptraum des Hauses, welcherauch den Herd enthält. Zimmer und Kammern schließen sich nach vorn und hinten an.Im Norden, namentlich in Westfalen, Niedersachsen und den früher slawischen von Nieder-sachsen aus kolonisierten Landen lebt der Bauer mit seinem Vieh und seinen Vorrätenunter demselben Dach. Das Haus zeigt gleichfalls den Giebel nach der Straße. Aberman betritt es von der Giebelseite her, gelangt zuerst auf die „Diele", die Tenne, anwelcher sich zu beiden Seiten die Stallungen für das Vieh, darüber Vorratsräumebefinden. Der Herd steht im Hintergrund der Diele. Hinter ihm sind einige Wohn- undSchlafräume. Stehen in kleineren Orten die Häuser noch durch Zwischenräume getrennt,so war die geschlossene Bauweise für das innere Gebiet volkreicher Städte von jehergeboten. Solange noch jeder Bürger sein eignes Haus hatte, das er nur allein mitseiner Familie bewohnte, waren die Häuser schmal und tief. Die Gepflogenheit, ein der-artiges eingebautes mehrstöckiges nur drei, höchstens vier Fenster in jedem Geschoßenthaltendes Einfamilienhaus zu besitzen, hat sich noch heute in Hamburg, Bremen ,Köln a. Rh. (Abb. Seite 177), Aachen und durch Holland und Belgien bis nach Frankreich hinein und über England bis nach Amerika erhalten. In den nicht durch das dreifensterigeEinfamilienhaus beherrschten Gegenden hat sich schon seit dem 17. Jahrhundert das mehr-stöckige, breite Mietshaus herausgebildet, an welches sich nach dem Hofe zu Flügelbauten