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anschließen. In der einspringenden Ecke am Seitenflügel liegt in München die Küche,in Dresden ein Vorplatz, in Berlin und weiter nach dem Osten das unter dem Namen„Berliner Stube" bekannte einfensterige Wohnzimmer. Die offene Bauweise einzelnervornehmerer Quartiere moderner Großstädte entwickelte sich aus der altertümlichen Ein-richtung des sogenannten Bauwiches, des Traufganges zwischen je zwei Häusern, wieer in vielen älteren Städten vorgeschrieben war. Der Wich hatte, außer seiner Bestimmung,die Dachtraufe und die Abflußrinne des Hofes aufzunehmen, namentlich den Zweck, beiBränden die Verbreitung des Feuers aufzuhalten. Bei engen Abmessungen wird erhäufig zu einem übelriechenden Schmutzwinkel. In den äußeren Stadtteilen von Frank-furt a. M. und in Stuttgart war er in stattlicher Breite, etwa 2ffg in, vorgeschrieben,um das Einfahren von Löschgeräten und Abfnhrwagen zu ermöglichen. Dort hat sich inweiterer Ausbildung der durch diese Einrichtung bedingten freieren Bebauung ein breiteszwei- oder dreistöckiges freistehendes Einzelwohnhaus entwickelt, das den Eingangseitwärts hat. Dieser Typus hat, ob neu aus Südwestdeutschland übertragen, oder selbst-ständig sich ausbildend, weiteste Verbreitung erreicht. Jetzt findet man ihn schon in allenVororten und Villenvierteln größerer Städte, wie in Berlin, Dresden, Hannover . Esleuchtet ein, daß diese verschiedenen Arten des Wohnhauses geeignet sind, den Straßen-bildern, in welchen sie vorherrschen, ein unterscheidendes und besonderes Gepräge zu verleihen.
Den verschiedenen Systemen des Wohnens ist die Dichtigkeit der Bevölkerungentsprechend. In Holland und England, wo das Einfamilienhaus vorherrscht, kommentrotz geschlossener Bauweise auf 1 da der Stadtfläche nicht mehr als 200—250 Seelen.In Großstädten des Festlandes, wo das Mietshaus vorherrscht, Pflegen etwa 500 Personenauf 1 da zu kommen. In Neapel und Sän Francisco ist die Bevölkerungsdichtigkeitnoch größer. Die Zahl der Einwohner beträgt in den Städten des drei- und vierfensterigenEinzelhauses 7—17 auf das Haus: so in London 7, in Rotterdam 8, in Philadelphiaund Brüssel 9, in Köln, Düsseldorf, Aachen von 14—17,s. In Stuttgart gehen beioffener Bauweise auf jedes Hans durchschnittlich 22 Personen. Bei großstädtischergeschlossener Mietshansbebauung zählen in Paris 36, in Breslau 50, in St. Peters-burg 55, in Wien und Berlin 63 Menschen auf je ein Wohngebäude. Die gesamteGrundfläche der Straßen und Plätze pflegt ein Viertel bis die Hälfte des Stadtfeldes zubetragen. 35°/„ ist ein gutes Mittelmaß. Eine starke Einteilung des Straßennetzes beikleinen Baublöcken und geschlossener Bebauung, wie in Genf , führt zu einem hohenProzentsatz der Straßen- und Platzsläche.
Die Formen, welche einer Ortsanlage durch ihre gewerbliche Entwickelung auf-geprägt werden, sind gleichfalls sehr mannigfaltig. Der landwirtschaftliche Betriebspricht sich am schärfsten in der Dorfanlage aus, welche sich in Deutschland meistlanggestreckt in einer oder zwei Reihen von Häusern an einer Hauptstraße hinziehen.Wenn die Einwohnerzahl so wächst, daß die einfache Fortsetzung der Reihe Erschwerungenfür den inneren Verkehr znr Folge haben muß, so wird eine Parallclstraße angelegt,durch eine oder bei größerer Länge auch Wohl mehrere schmale Quergäßchen mit der erstenverbunden. Etwaige Marktplätze erhalten die Gestalt eines länglichen Vierecks. Einebesondere Gruppe bilden die slawischen Ortschaften, durch ihre geschlossene Form gekenn-zeichnet. Die einzelnen Höfe eines solchen slawischen Dorfes, wie man solche in Deutsch-land noch im Lüneburgischen, in Mecklenburg, Pommern, den Marken, Thüringen, Sachsen ,Schlesien, ferner in Böhmen und Mähren findet, bilden, sich fest aneinander schließend,einen Ring um einen annähernd kreisförmigen Platz, der nur an einer Stelle einen Ein-gang bietet und in der Mitte einen Teich enthält, neben dem wohl auch eine Kapellesteht, während sich die Kirche zwischen den Gehöften einreiht. Die Hausgärten verbreitensich hinter den Höfen fächerförmig nach außen. In den Marktflecken rücken die Wohn-häuser schon etwas enger zusammen. Um den Marktplatz reihen sich vor allem die Häuserderer, die mit dem Marktverkehr zu thun haben. Die Bauerngüter stehen etwas ent-fernter. Noch enger geschart im Mittelpunkte sind die Häuser der Kaufleute und Gewerbe-treibenden in Landstädtchen; noch weiter vom Mittelpunkte, von dem durch Rathausund Kirche gezierten Markt, ziehen sich hier die wenigen Bauerngehöfte zurück, die sich in