468 Ortsanlagen.
Im mittelalterlichen Italien läßt sich eine ähnliche Sonderling der drei Platzartenverfolgen. Da ist der Marktplatz, Mercatv, zuweilen überdeckt oder mit Lauben umgeben,mit der öffentlichen Wage, dem Laufbrunnen und den städtischen Verwaltungsgebäuden;ferner die Signoria, der weltliche Platz, mit dem Palaste des Rates oder des Zwingherrnund einer Säulenhalle als Hauptwache, endlich der Domplatz mit der Hauptkirche, derTaufkapelle und dem Glockenturm, den Wohngebäuden für Bischof und Kleriker. — Indeutschen Städten des Mittelalters scheiden sich Waren- und Repräsentationsplatz nichtso scharf, wenn auch häufig neben dem Hauptmarkt am Rathause noch andre nur demgeschäftlichen Treiben gewidmete Märkte vorkommen. Dagegen zieht sich die Kirche auchhier gewöhnlich an besondere Plätze zurück.
Für die Neuzeit, in welche wir die Anlagen der Renaissance mit hineinbeziehen,unterscheiden wir Verkehrsplätze, entstanden nur durch die Notwendigkeit, den neu-zeitlichen enormen Wagen- und Fußgängerverkehr zu bändigen und in die rechten Wegezu leiten; Nutzplätze, die Wochenmarkts-, Jahrmarkts-, Volks- und Exerzierplätze um-fassend; endlich Schmnckplätze, zum Aufatmen im rastlosen Straßengetriebe bestimmt,in welche wir sowohl die Vorplätze von fürstlichen, städtischen und kirchlichen Gebäuden,wie auch die architektonisch oder bildnerisch umgebenen hofartigen, und die rein gärtnerischausgebildeten Platzanlagen einbegreifen. Es ist hierbei nicht ausgeschlossen, daß dergleiche Platz die Eigenschaften zweier oder aller dieser Arten in sich vereinigt.
Der Verkehrsplatz ist die weitere Ausbildung der Straßenkreuzung oder des Zu-sammenflusses mehrerer Straßen. Die glänzendste Ausgestaltung einer vervielfältigtenStraßenkreuzung bilden die kreisrunden Sternplätze, wie sie namentlich London imPiccadilly circus, Paris in der Place d'Eylau, der Place d'Jtalie, Place des Nations undam prächtigsten in der Place de l'Etoile bietet. Auf letzterem hoch gelegenen Platze bildetder große, die Thaten Napoleons I. verherrlichende Triumphbogen die Mitte, schon vonweitem vom Louvre und der Denksäule Gambettas her, durch den Tuileriengarten über denEintrachtsPlatz mit seinem Obelisken und seinen Springbrunnen hinweg und durch dieAvenue der Elyseischcn Felder sichtbar. Die Ränder sind mit vierfachen Baumreihen um-geben, zwischen denen man von der Mitte her den Durchblick in l O gleichfalls mit 4 fachenBaumreihen versehene vom großartigsten weltstädtischen Leben durchflutete Prachtstraßen hat.
Eine andre Art der Verkehrsplätze sind die Thorplätze, sowohl diejenigen, welcheden Verkehr von einem älteren Stadtthor oder doch dessen früherer Stelle her vermitteln,wie auch die Plätze an den Thoren des modernsten Verkehrs, den Bahnhöfen. Häufigsind dies halbierte Sternplätze, welche ihre Straßen fächerförmig entsenden, wie die Bahu-hofsplätze in Straßburg i. E. und in Hannover , letzterer in wirkungsvoller Weise durchdas Reiterstandbild des Königs Ernst August, durch Gartenanlagen und Fontänen geschmückt,deren Bürgerstcigumgrenzungeu dem Fuhrwerk seine Wege weisen und den FußgängernZufluchtsorte bieten. Beispiele von älteren Thorplätzen sind der Pariser Platz und derBelle-Alliance-Platz in Berlin, ferner die Piazza del Popolo zu Rom . Der Bellc-Alliance-Platz ist kreisrund. Der Eingang von auswärts führt über eine mit Statuen besetzteBrücke zwischen zwei mit Säulenhallen geschmückten öffentlichen Gebäuden hindurch, welchedie Stelle des verschwundenen Thorbaues vertreten. Gegenüber zweigen sich drei Straßenab. Den Mittelpunkt markiert die etwas zu kleine, von Statuengrnppeu umgebeneViktoriasäule. Der Wagenverkehr nimmt nur den Weg des Umfanges, während im Innerndes Kreises Baumpflanznngen und Rasenplätze einen ruhigen Aufenthalt bieten. DiePiazza del Popolo in Rom ist ein elliptischer Platz, dessen eine Langseite das von zweimonumentalen Gebäuden flankierte Stadtthor enthält, während die andre drei Haupt-straßen strahlenförmig entsendet. Die Trennpunkte der drei Straßen sind durch zweiKuppelkirchen markiert. Die Schmalseiten des Platzes sind durch statuengeschmnckte halb-kreisförmige Mauern abgeschlossen, die Mitte nimmt ein antiker Obelisk zwischen vierwasserspeienden Löwen ein. Hinter der östlichen Bogcnmauer des Platzes steigt in kurzenWindungen der Weg zum Monte Pincio, einem der schönsten Aussichspunkte Roms , auf.
Eine besondere Art von Thorplätzen hat das Bestreben der Neuzeit, die Pietät gegendas Alte mit den Forderungen des modernen Verkehrs zu vereinen, geschaffen. Als um