472 Ortsanlagen.
die Mitte dieses Jahrhunderts mit der durch die Ausnutzung der Dampfkraft mächtig sichentwickelnden Industrie auch der Verkehr und die Bevvlkcrungszahlen der Städte inungeahnter Weise zu wachsen begannen, fand man neben andern beengenden Schrankenauch die alten, meist nur aus einer Öffnung bestehenden Stadtthore zu eng. Danebenangelegte Pforten für Fußgänger reichten bald auch nicht mehr aus, und man gelangtebald zu dem Radikalmittel, die Thore abzureißen. Da wollte denn bald hier bald da einübereifriger Stadtrat auch Thorbauten dem Boden gleichmachen, welche hohe geschichtlicheund künstlerische Bedentnng hatten, nnd es bedurfte oft heftiger Kämpfe, ehe es gelang,solche Denkmäler altväterischer Wehrhaftigkeit den Nachkommen zu erhalten. Um den For-derungen des Verkehrs dennoch zu genügen, führte man entweder eine Fahrbahn, wie beimNikolaithor in Eisenach, oder deren zwei, lvie beim Eschenheimer Turm in Frankfurt a. M.um das alte Thor herum. Kann man den Straßen etwas mehr Geräumigkeit geben,
ll'IMIM««!
K M AM
MAL
ist««»'
Lallst,'
Ü ! 7
z>»Etz,>P
47i. Nrr Maricnplatz in Mnnchcn.Nach einer Photographischen Naturaufnahme.
so entstehen hierdurch Platzbildungen, in welchen das alte Bauwerk die Mitte oder docheine hervorragende Stelle einnimmt, so die Porte St. Denis auf dem älteren Pariser Boulevard, das Jsarthor zu München, das Holstenthor zn Lübeck , das Spalenthorzu Basel .
Als Nutzplätze sind vorwiegend die Marktplätze zu nennen, welche in kleinerenStädten oft die einzigeil in Betracht kommenden Platzanlagen sind, die im Mittelpunktdes Ortes gelegen vor dem Rathaus, den Kaufhallen und der Ratswage sich ausbreitenoder in slawischen Städten, unter dem Namen „Ring", diese Bauten umgeben. An diesenPlätzen befinden sich Zunfthäuser, Lauben und Gasthäuser, in deren Nähe erhebt sichauch die Hauptkirche. Da sie in älteren Städten auch bei wachsendem Umfange des Ortesimmer die Berkehrsmittelpunkte geblieben sind, so dienen sie häufig noch heutzutage selbstinmitten großstädtischen Treibens zur Abhaltung der Wochenmärkte, und sind dabeiallmählich dem wachsenden Reichtum der Bürgerschaft entsprechend zu den reizvollsten, durchArchitektur und Bildnerei reichgeschmückten Anlagen ausgebildet worden. Die Beispiele