478 Ortsanlagen.
turmes. Kleinere Plätze finden sich häufig vor und neben mittelalterlichen Kathedralen,und man sollte hier mit der neuerdings so beliebten Freilegung derartiger Bauwerke sehrvorsichtig sein, da der überwältigende Eindruck ihrer scheinbar riesigen Höhe durchErweiterung ihrer engen Vorplätze leicht abgeschwächt oder ganz vernichtet wird, und dieFeinheit der gotischen Einzelheiten bei zu weiten Standpunkten nicht mehr zur Geltungkommt. Während die Aufstellung von Brunnen und figürlichen Denkmälern von mäßigenHöhenverhältnissen an die Ränder eines Platzes gehört, kann man Plätze von übermäßigenAbmessungen nur durch Besetzung ihrer Mitte übersichtlich und erträglich machen. Freilichgehören hierzu Gegenstände von entsprechender Größe, Denkmäler von der Gewaltigkeitdes Maria Theresia-Denkmals auf dem Platze der Hofmuseen in Wien , Obelisken undTriumphalsäulen wie in Rom und Paris , Baumgruppen loie auf dem Königsneumarktin Kopenhagen , ja ganze Bauwerke wie die auf dem ebengenannten Gendarmenmarkt inBerlin, oder wie das Hoftheater auf dem Theaterplatz in Hannover .
Sie gärtnerischen Anlagen.
Das beste Mittel, städtische Straßen und Plätze zu verschönern, Schatten zu spendenund den Staub zu mildern, sind Anpflanzungen, nur müssen dieselben so angelegt werden,daß nicht kränkelnde, absterbende und lückenhafte Anlagen das Gegenteil eines befriedigendenAnblicks hervorrufen, und nicht durch ungeschickt angebrachte oder zu hoch und wild auf-wachsende Busch- und Baumgruppen sehenswerte Baulichkeiten verdeckt werden. SchonVorgärten vor den Häusern in regelmäßigen, mindestens 5 in großen Breiten, an denSonnenseiten der ruhigeren Wohnlagen angebracht und gut gepflegt, gewähren den freund-lichsten Anblick. Eine einzelne Baumreihe gedeiht erst in Straßen von mehr als 20 in Breite.Bei 26 in Breite kann man 2, bei 33 in 3 Reihen unbedenklich pflanzen. AllerleiSchädigungen, welchen die Bäume in der Stadt ausgesetzt sind und unter denen das denBoden durchdringende Leuchtgas am gefährlichsten ist, veranlassen es, daß man auf einhohes Alter der Bäume nicht rechnen darf und sich auf verhältnismäßig junge Bäumegefaßt machen muß, welche in unauffälliger Weise oft zu ersetzen sind. Die Pariser Boulevards mit ihren frischen und gesunden, aber auch in beständiger Auswechselungbegriffenen Bäumen sind hierfür ein lehrreiches Beispiel. Die Auswahl der Baumsorten,welche iin stände sind, Sturm und Frost, Trockenheit und Hitze, Straßenstaub, dieBerührungen des Verkehrs und die Angriffe im Untergrund zu ertragen, ist gering. Ambesten haben sich Ulmen, Linden, Platanen, Kastanien, Ahorn bewährt, ferner Weiß- undRotdorn, Eiche und Walnußbaum.
Wo die Straßenbreite es gestattet, bilden Rasenflächen mit Blumenbeeten und Zier-pflanzen einen wohlthuenden Schmuck. Reizende Beispiele so geschmückter Promenaden-straßen bieten Dortmund, Aachen, Mainz, Mannheim, München und in größeremMaßstabe die Rheinpromenade in Koblenz . — Zu größeren parkartigen Anlagen führtdie Bepflanzung der alten Wälle und Gräben, welche, in Deutschland zeitig begonnen,schon hohe und prächtige Baumbestände bietet. Leipzig war eine der ersten Städte, welchesich unter dem kunstsinnigen Bürgermeister Kriegsrat Müller mit einem auf der Stelleder niedergeworfenen Festungswerke angelegten Gürtel von Promenaden umgab. Wirerinnern ferner an die Wallpromenade in Bremen, Brannschweig, Frankfurt a. M., audie Brühlsch'e Terrasse in Dresden, an die Ringstraßen in Köln, Basel und Wien .
Die Bepflanzung der Plätze im Innern der Städte wurde in England am konse-quentesten durchgeführt. Neben den Squares für den Verkehr finden sich überall inmöglichst gleichmäßiger Verteilung die Greensquares, d. h. mit Parkanlagen versehene Plätze.
Die beiden großen Richtungen der Gartenkunst, geometrisches Muster oder freiereGestaltung der Pflanzungen, machen sich noch heute überall bemerkbar. Sowohl die Garten-kunst der Römer und später der Mauren, als der Gartenstil des 17. und 18. Jahr-hunderts, welcher bis in die Zeit Rousseaus und seiner besonders in England mächtigwirkenden Nenbelebung des Naturgefühls überall der herrschende war, suchte die Gebildeder Pflanzenwelt zur Architektur umzugestalten. Nicht die malerische Willkür der Natur,sondern strenge geometrische Linienführung sollte in den Parks herrschen. Aus den zier-