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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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480 Ortsaiüagen.

Reich allein hat seit dem Jahre 1870 der Zuwachs der Stadtbevölkerung 10 Millionenbetragen, eine Folge nicht nur des Überschusses der Geburten über die Sterbefälle in dengesundheitlich gegen früher erheblich verbesserten Ortsanlagen, sondern namentlich derEinwanderung arbeitender Kräfte, welche der größere Verdienst durch die immer mehranwachsende gewerbliche Thätigkeit, die Lockung einer gehobeneren Lebensführung vomLande her in die Städte zieht. Der gesteigerte Verkehr erfordert geräumige geradeausführende Straßen. Die Gebote der Gesundheitspflege verlangen Durchbrüche und Lich-tungen im Gasseugewirr und Wohnungsdrang der inneren Stadtteile und helle luftigeAnlage der neuen Stadtgebiete. Gleichförmige Baublöcke, gleiche Grundrisse, gleich-artige Bewohnerschaft wirken auf trostlose Einförmigkeit der Straßenansichten hin.Laune, Willkür, persönlicher Kunstsinn des einzelnen findet fast nur in Villenvorstädtenein ausgiebiges Feld. Der ruhige geschlossene Platz, welcher nur in der Mitte einemspärlichen Verkehr Raum zu bieten braucht und die Seiten zu Brunnen, Statuen, Frei-treppen und Sitzplätzen freihalten konnte, kommt nicht mehr auf. Das moderne Wagen-getümmel umbranst die heutigen Plätze, in deren Mitte ein rettendes, vielleicht gar einbegrüntes Plätzchen dem Fußgänger Zuflucht gewährt. Den neuen Bedingungen desStädtebaus, den Rücksichten auf Verkehr und Gesundheit, Ansnütznng der Grundstückeund lichte, luftige Bebauung gerecht zu werden und dabei doch die Ehrfurcht vor demgeschichtlich gewordenen, schönen Alten, die Ausgestaltung aller Vorteile der Lage, dieSchaffung ansprechender Städtebilder nicht außer acht zu lassen, ist die Aufgabe einermodernen umsichtigen und vorausblickenden Verwaltung. Die abwechselnde Anwendunggroßer, breiter Verkehrswege, schmälerer Wohnstraßen, gerader und krummer Wege-führungen, die Beschränkung der Längen, die Vermeidung hügelartig geknickter Stellenim Laufe der Straßen, die Bevorzugung hohler, rundlicher Formen sowohl im Grundrißwie im Gefälle, Anwendung gärtnerischen und künstlerischen Schmuckes, geschlossener Platz-umrahmungen, besondere Ausbildung aller Teile der Stadtanlage nach Zweck und Be-dürfnis, angemessenes Verhältnis der Bauwerke zu den Flächen der Straßen und Plätze,Begünstigung aller Besonderheiten im Bau der Geschäftshäuser, Wirtschaften, Miets- undFamilienhäuser, Benutzung alter und neuer durch ihre Abmessungen geeigneter Monu-mentalbauten, zu Zielpunkten der Straßenzüge, planvolle Gruppierung neu zu erbauenderöffentlicher Gebäude — dieses sind die Hilfsmittel, um neue Stadtanlagen reizvoll undabwechselungsreich im großartigeren Sinne zu gestalten.

Wenn daher in der Neuzeit an die Stadtmagistrate häufig die Aufgabe herantritt,für das zwingende Erweiterungsbedürfnis des ihrer Obhut anvertrauten Gemeinwesenszu sorgen, so ist die Ausarbeitung eines guten Stadtplaus Hauptbediugung. Hier kommtes vor allem auf den Ausbau der meist schon durch die Landstraßen vorgezeichneten Ver-kehrslinien und auf Ringverbindung zwischen ihnen an, sodann auf nicht zu sparsameVerteilung freier Plätze; Volksgärten und Stadtparks sind nicht zu vergessen. EinenStadtplan vor Erfordernis zu sehr ins einzelne auszuarbeiten und festzulegen, empfiehltsich nicht. Die Verteilung der Nebenstraßen überlegt man am besten erst, wenn ihreBebauung in nicht zu ferner Aussicht steht, da hier oft Bedingungen herantreten, die sichfrüher nicht voraussehen ließen. Für die Verteilung der öffentlichen Gebäude bestehenbestimmte, nicht straflos verletzte Gesetze. Das Rathaus und das Gerichtshaus gehörenthunlichst in den Mittelpunkt der Gesamtanlage und werden meist schon vorhanden sein.In Großstädten jedoch verlangen die angeschlossenen Vororte immerhin mindestens eineZweiganstalt der städtischen Verwaltung, ein Bezirksgemeindehaus, in ihrer Mitte. Kirchen,Schulen, Markthallen sollen so verteilt sein, daß die am weitesten wohnenden Besucher nichtmehr als 1 kein, also 10—15 Minuten, zu gehen haben. Feuerwachen verlangen einenWirkungskreis von möglichst nicht über 1 üin Halbmesser. Personenbahnhöfe werden zweck-mäßig möglichst dem Mittelpunkt nahe geführt. In Großstädten, wie Berlin , vermitteln Ring-bahnen, Gürtelbahnen und die querdurchgehende Stadtbahn mit zahlreichen Haltestellen denlebhaften Personenverkehr. Güterbahnhöfe, Schlachthöfe, Krankenhäuser, Armenhäuser, Ber-sorgungsanstalten für betagte Leute gehören an den Rand der Stadt. Blindenanstalten,Irrenhäuser, Begräbnisplätze kommen noch weiter hinaus zwischen Feld und Wald zu liegen.