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Beleuchtung und Heizung der Städte.
Auch das von dem Wiener Chemiker Or. Auer von Welsbach erfundene Gas-glühlicht wird neuestens zur Straßenbeleuchtung nutzbar gemacht. Es dient hierzu einLeuchtgasbrenner, der unter Zuführung von Luft eine nur schwach leuchtende Flammeerzeugt, in welcher ein Gewebe, schlechthin Strumpf genannt, ins Glühen gebracht wird.Dies Gewebe besteht aus Baumwolle, welche zunächst mit einer Lösung von sogenanntenseltenen Erdmetallen, Thorium, Zirconinm, Cer, und mit Verbindungen von Erdalkali-metallen getränkt ist. Durch mehrfaches Ausglühen des Strumpfes bleibt nur ein kleinerRest der Pflanzenfaser als Asche zurück, während die genannten Metalle in Form desGewebes bestehen bleiben. Im Innern eines Glascylinders aufgehängt und in derLeuchtgasflamme glühend, verbreitet dies Gewebe ein sehr intensives grünliches Licht.
Die Höhe der Gasflammen über der Straßenfläche pflegt bis zu 4 in, ihre Entfernungvoneinander 25—30 na zu betragen. Die Laternenpfähle setzt man zweckmäßig auf denBürgersteig, so weit vom Straßendamm entfernt, daß d>e vorspringenden Teile der Fuhr-werke sie nicht berühren. Bei einer Fahrbahnbreite von 12 in setzt man die Laternengerade einander gegenüber, bei geringeren Breiten abwechselnd auf die eine und auf dieandre Seite. In Hauptstraßen und auf Schmuckplätzen faßt man wohl mehrere Laternenzu zwei- bis sieben- und mehrflammigen Kronen zusammen. Prachtvolle schmiedeeiserneKandelaber, oft in Verbindung mit Ruhebänken, sind namentlich in Hamburg an hervor-ragenden Plätzen aufgestellt.
Nachdem fast alle größeren Städte der zivilisierten Welt mit Gasbeleuchtung versehenworden, konnte man sich doch auch der Erkenntnis der Nachteile derartiger Anlagen nichtverschließen. Solche Nachteile sind namentlich die Explosionsgefahr, die Fenergefährlichkeit,die Verunreinigung und Erhitzung der Zimmerluft, die Vergiftungsgefahr durch Einatmenvon ausströmendem Leuchtgas, das Verderben des Untergrundes durch Ausströmen ausallen Rohrnetzen, die Tötung der Baumwurzeln in den Alleen der städtischen Straßen.Fast alle diese Nachteile werden vermieden durch Anwendung des elektrischen Lichtes,welches den Beginn seiner allgemeinen Verbreitung vom Jahre 1878, von der elektrischenBeleuchtung der Avenue de l'Opera, datieren kann. Zwar können schlecht isolierte Lei-tungen feuergefährlich, hoch gespannte Ströme sogar lebensgefährlich werden, an An-nehmlichkeit und Helligkeit wie in gesundheitlicher Beziehung ist das elektrische Licht aberdem Leuchtgase weit überlegen. Zur Zeit werden bereits Fabriken und Bahnhöfe durcheigne Anstalten elektrisch beleuchtet; einzelne Unternehmer haben die Lieferung elektrischenLichtes für die Verkaufs-, Geschäfts- und Versammlungsräume eines einzelnen Häuserblocksin die Hand genommen. Zahlreiche Städte versorgen einzelne Stadtteile oder das ganzeWeichbild mit Licht und Kraft.
Bezüglich der Erzeugung und Verwendung des elektrischen Stromes unterscheidetman Gleichstrombetrieb und Wechselstrombctrieb, auf deren Einzelheiten einzugehen hierzu weit führen würde. Beide, sowohl der Gleichstrom als der Wechselstrom, sind ver-wendbar für alle Zwecke der elektrischen Beleuchtung, für Kraftübertragung und Wärme-erzeugung. Der erstere läßt sich auf gewerblich brauchbare Art transformieren d. h. be-züglich der Spannung und der Strommenge beliebig umwandeln. Der Gleichstrombetriebist für Blockbeleuchtung geeignet, für Stadtbeleuchtung aber nur, wenn es sich um einGebiet von nicht mehr als 750 in Halbmesser handelt, in dessen Mitte die Hauptanlage,Zentrale, zu errichten ist. Größere Stadtgebiete sind daher, wie in Berlin , in einzelneBezirke zu teilen, welche jeder eine besondere Erzengungsanlage erhalten. Der Wechsel-strombetrieb gestattet die Errichtung einer einzigen Hauptanlage außerhalb der Stadt.Von hier aus werden hoch gespannte Ströme auf sehr erhebliche Entfernungen verteiltund an den Verbranchsstellen in Schwachstrom umgesetzt. Zlvar ist die Einschaltung einerdie überflüssige Energie aufspeichernden Akkumulatorenbatterie nicht ausführbar; dafürentspricht dem veränderlichen Verbrauch die veränderliche Zahl und Größe der Dynamo-maschinen. Wechselstromanlagen befinden sich in Rom, Mailand, London, Amsterdam ,Köln und Frankfurt a. M.
Die Verteilung der elektrischen Kraft geschieht bei uns mittels unterirdischer Leitungen.Bei oberirdischen Leitungen sind die tragenden Stangen oder Gerüste sehr lästig für den